AMD Aktie: 808 Millionen Dollar Capex

AMD kauft den KI-Beschleuniger-Entwickler Taalas und meldet Rekordumsätze. Trotz starker Zahlen fällt die Aktie nach schwachen Nebensegmenten und hohen Investitionen.

Die Kernpunkte:
  • Übernahme von Taalas bekannt gegeben
  • Rekordumsatz von 11,5 Milliarden Dollar
  • KI-Rechenzentrum treibt Wachstum
  • Aktie fällt trotz starker Zahlen

AMD hat sich am Donnerstag mit dem Toronto-basierten Start-up Taalas auf eine Übernahme verständigt. Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht offengelegt. Taalas entwickelt Beschleuniger-Chips, die im Gegensatz zu klassischen Universalprozessoren fest auf ein einzelnes KI-Modell zugeschnitten sind. AMD kündigte an, die Technologie in die eigene Produktroadmap zu integrieren – gemeinsam mit den hauseigenen Zentralprozessoren und den Instinct-Grafikchips für Rechenzentren.

Rekordquartal, aber Anleger reagieren verschnupft

Der Deal fällt in eine Phase, in der AMD operativ so stark wie nie zuvor performt, an der Börse aber unter Druck steht. Am Dienstag hatte der Chiphersteller Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt: Der Umsatz kletterte um 50 Prozent auf einen Rekordwert von 11,5 Milliarden US-Dollar, die Bruttomarge lag bei 54 Prozent, der Nettogewinn bei 2,3 Milliarden Dollar. Das Rechenzentrumsgeschäft war der Treiber – mit 6,7 Milliarden Dollar Umsatz und einem Plus von 107 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal machte es 58 Prozent der Konzernerlöse aus. Vorstandschefin Lisa Su erklärte, sie erwarte für 2027 eine Verdopplung der Rechenzentrumserlöse, während die Serverumsätze in der zweiten Jahreshälfte 2026 um mehr als 80 Prozent zulegen sollen. Für das dritte Quartal stellte AMD einen Umsatz zwischen 12,7 und 13,3 Milliarden Dollar in Aussicht – mehr, als Analysten mit 12,5 Milliarden Dollar im Schnitt erwartet hatten.

Trotz dieser Bestmarken und eines Ausblicks über Konsens brach die Aktie im nachbörslichen US-Handel um mehr als 8 Prozent ein. Investoren stießen sich offenbar an Details jenseits der Kopfzahlen: Die Investitionsausgaben schossen im Quartal auf 808 Millionen Dollar und lagen damit deutlich über früheren Schätzungen von rund 298 Millionen Dollar. Zugleich brach der Umsatz im Gaming-Segment um 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein, während das Client-Geschäft nur moderat um 3 Prozent wuchs – ein Hinweis darauf, dass die Wachstumsstory von AMD fast vollständig am Rechenzentrumsgeschäft hängt.

Am Freitag schloss die Aktie bei 418,00 Euro und gab damit um 1,54 Prozent nach. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Rückgang auf 7,70 Prozent – ein Zeichen, dass der Kurs den Ausverkauf nach den Quartalszahlen bislang nicht vollständig aufgeholt hat.

Lisa Su weist Musk-Aussage zu SpaceX zurück

Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte am Mittwoch ein öffentlicher Kommentar von Lisa Su. Sie reagierte auf Äußerungen von Elon Musk, wonach SpaceX künftig ausschließlich auf KI-Chips von Nvidia setzen wolle. Gegenüber CNBC sagte Su, sie habe „enormen Respekt vor Elon und allem, was er geleistet hat“, und man freue sich darauf, „die Partnerschaft langfristig fortzusetzen“. Eine Bestätigung, dass SpaceX AMD-Chips künftig tatsächlich weiter einsetzt, lieferte die Aussage nicht – Su vermied eine direkte Entgegnung auf Musks Aussage.

Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch

Die Reaktion der Wall-Street-Häuser auf die Quartalszahlen fiel überwiegend positiv aus. Jefferies-Analyst Blayne Curtis bekräftigte am Mittwoch seine Kaufempfehlung und hob das Kursziel auf 650 von 640 US-Dollar an. Er argumentierte, die Wachstumsstory bleibe intakt, da die KI-Grafikchips im vierten Quartal deutlich hochlaufen dürften. Truist zog nach oben deutlich stärker nach: Das Haus erhöhte sein Kursziel auf 594 von 478 US-Dollar und begründete den Schritt mit der Erwartung, dass sich die Rechenzentrumserlöse von AMD im Jahr 2027 mehr als verdoppeln könnten. Skeptischer positionierte sich JPMorgan: Die Bank hob ihr Kursziel am Mittwoch zwar auf 550 von 385 US-Dollar an, beließ die Einstufung aber bei Neutral. Insgesamt reichte die Bandbreite der aktualisierten Kursziele mehrerer weiterer Häuser bis auf 725 US-Dollar, wobei die Meinungsverschiedenheiten unter den Analysten sich vor allem um die Bewertung und den Einstiegszeitpunkt drehen, nicht um die grundsätzliche Geschäftsentwicklung.

Auffällig bleibt zudem, dass Unternehmensinsider in den vergangenen drei Monaten ausschließlich Anteile verkauft haben, während Aktienrückkäufe im Betrachtungszeitraum nicht vermeldet wurden. Für Anleger bleibt die Aktie damit ein Spagat zwischen einem strukturell wachsenden KI-Geschäft und kurzfristiger Nervosität wegen steigender Investitionskosten und schwächelnder Nebensegmente.

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