AMD Aktie: Anthropic-Kunde auf GitHub enthüllt

Ein GitHub-Eintrag nährt Spekulationen über Anthropic als AMD-Kunden. Analysten sehen Potenzial, warnen aber vor zu früher Euphorie.

Die Kernpunkte:
  • Code-Fund deutet auf Anthropic-Partnerschaft hin
  • Jefferies-Analyst sieht Kurspotenzial bei AMD
  • AMD-Aktie gibt vor Konferenzwoche nach
  • Quartalszahlen und neue Chip-Roadmap erwartet

Zwei Tage vor der eigenen Hausmesse sorgt ein Code-Fund auf GitHub für Wirbel um AMD. Ein Entwickler-Eintrag deutet an, dass die KI-Firma Anthropic als Kunde des Chipherstellers geführt wird. Bestätigt ist davon bislang nichts.

Ein Code-Kommentar löst die Spekulation aus

Der Auslöser: Anush Elangovan, Vizepräsident für KI-Software bei AMD, hat in einer öffentlich einsehbaren Code-Datei auf GitHub Anthropic als „Kunde“ gelistet. Berichten zufolge befinden sich AMD und Anthropic aktuell in einer Testphase. Eine offizielle Partnerschaft könnte auf der „Advancing AI“-Konferenz von AMD in dieser Woche verkündet werden.

Offiziell bestätigt Anthropic diese Kundenbeziehung nicht. Das Unternehmen hinter dem Sprachmodell Claude setzt nach eigenen Angaben auf eine Mischung aus Nvidia-GPUs, Amazons Trainium-Chips und Googles TPUs. Amazon bleibt dabei der wichtigste Cloud- und Trainingspartner.

Auf der Plattform Stocktwits bleibt die Stimmung unter Privatanlegern derweil „bullisch“ — unverändert zum Vortag. Trader diskutieren dort bereits, ob Anthropic bald offiziell zu AMDs Kundenliste zählt.

Jefferies sieht Anthropic als größten Kurstreiber

Jefferies-Analyst Blayne Curtis verfolgt das Thema seit Wochen genau. Der fünf Sterne bewertete Analyst hält Kundennachrichten für den wichtigsten Faktor der kommenden Konferenz — zumal AMD bereits OpenAI und Meta Platforms als Partner gewonnen hat. Curtis bestätigt sein Kaufrating mit einem Kursziel von 515 Dollar, was gegenüber dem aktuellen Niveau nur noch moderates Potenzial von etwa drei Prozent bedeutet.

Sein Argument stützt sich auf einen konkreten Hinweis: Anthropic soll verstärkt Ingenieure mit Erfahrung in AMDs ROCm-Software einstellen. Das könnte darauf hindeuten, dass die KI-Firma ihre Abhängigkeit von anderen Chip-Anbietern reduzieren will.

Curtis warnt jedoch vor verfrühter Euphorie. Die Details eines möglichen Anthropic-Deals dürften wichtiger sein als die Ankündigung selbst. Sein Grund: AMD hat OpenAI und Meta Berichten zufolge mit großzügigen Anreizen geködert. Künftige Abschlüsse müssten aus Sicht des Analysten bessere Margen bringen als frühere Deals.

Jefferies rechnet zudem mit weiteren Neuigkeiten. Die Analysten beobachten über Lieferketten in Asien, dass inzwischen auch Microsoft als Kunde für AMDs MI400-GPU-Serie auftritt — neben den bereits bekannten Partnern OpenAI und Meta. Curtis geht zudem davon aus, dass AMD dem von Nvidia ausgerufenen Marktvolumen von 200 Milliarden Dollar für Rechenzentrums-CPUs folgen könnte. Bislang hatte AMD selbst nur 120 Milliarden Dollar als Zielmarkt genannt.

Wells-Fargo-Analyst Aaron Rakers zählt ebenfalls zu den optimistischeren Stimmen. Er hob sein Kursziel auf 615 Dollar an und bestätigte sein „Overweight“-Rating. Seine Einschätzung stützt sich allerdings auf stärkere langfristige Umsatzerwartungen im Server-CPU-Geschäft — nicht auf die Anthropic-Gerüchte.

Kurs gibt vor der Konferenz nach

Die Aktie steht unter Druck. Am Freitag schloss das Papier bei 433,45 Euro, ein Minus von gut sieben Prozent binnen einer Woche. Damit liegt der Kurs gut 15 Prozent unter dem Rekordhoch von 511,70 Euro aus dem Juni. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von über 220 Prozent zu Buche — die aktuelle Schwäche relativiert sich vor diesem Hintergrund.

Quartalszahlen und Roadmap im Blick

Parallel zur Chip-Spekulation positionieren sich Investoren für die anstehenden Quartalszahlen. AMD veröffentlicht sein Ergebnis für das zweite Quartal traditionell Anfang August. Es wäre keine Überraschung, wenn der Konzern bereits auf der Konferenz in dieser Woche vorab starke Zahlen andeutet.

Für das Quartal hat AMD einen Umsatz von rund 11,2 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt — ein Plus von etwa 46 Prozent zum Vorjahr. Die Bruttomarge soll bei rund 56 Prozent liegen, nach Non-GAAP-Rechnung.

Die „Advancing AI“-Konferenz selbst findet am Mittwoch und Donnerstag im Moscone Center in San Francisco statt. Erwartet werden Ankündigungen zu KI-Infrastruktur, neuen Software-Pipelines und Angeboten für Unternehmenskunden. Zusätzlich dürfte AMD Details zur nächsten Chip-Generation MI500 nachreichen, die bereits auf der CES 2026 angeteasert wurde: gefertigt im 2-Nanometer-Verfahren, mit HBM4E-Speicher, Markstart 2027.

Der Blick der Anleger richtet sich damit auf zwei Fragen zugleich. Kann AMD aus der Anthropic-Spekulation einen bestätigten Auftrag machen? Und falls ja: Fallen die Konditionen margenfreundlicher aus als die teuren Anreize, mit denen AMD zuvor OpenAI und Meta gewinnen musste?

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