AMD Aktie: Rally mit Fragezeichen
AMD profitiert von Analysten-Upgrades und starken TSMC-Zahlen, sieht sich jedoch neuen US-Zöllen und intensivem Wettbewerb ausgesetzt.

- KeyBanc stuft AMD auf 'Overweight' mit Kursziel 270 USD hoch
- TSMC übertrifft Erwartungen und liefert starken Ausblick
- Neue US-Zölle auf KI-Chips belasten China-Geschäft
- Wettbewerb durch Nvidia und neue Player wie Cerebras wächst
AMD erlebt eine starke Woche. Nach dem Rückschlag rund um CES 2026 kehrt die Zuversicht zurück – getragen von glänzenden Zahlen bei TSMC und einem klar bullischen Analystenkommentar. Gleichzeitig wächst der regulatorische und technologische Druck. Wie stabil ist dieser neue Auftrieb wirklich?
Analysten-Schub und KI-Fantasie
Den Ton setzte zu Wochenbeginn KeyBanc. Analyst John Vinh stufte AMD von neutral auf „Overweight“ hoch und setzte das Kursziel auf 270 US‑Dollar, was aus seiner Sicht rund 30 % Potenzial signalisiert. Grundlage ist seine Einschätzung einer „unersättlichen Nachfrage“ nach Rechenleistung in Rechenzentren in Richtung 2026.
Wichtige Treiber aus Sicht von KeyBanc:
- Server-CPUs sind für 2026 weitgehend ausverkauft
- Der Umsatz mit KI-GPUs wird für 2026 auf 14–15 Mrd. US‑Dollar geschätzt
- Starker Nachfrageanstieg für MI355-GPUs im ersten Halbjahr und MI455-GPUs im zweiten Halbjahr
- Potenzial für durchschnittliche Verkaufspreiserhöhungen von 10–15 %
Zusätzliche Unterstützung kommt von RBC Capital. Die Bank nahm AMD mit dem Rating „Sector Perform“ und einem Kursziel von 230 US‑Dollar neu in die Bewertung auf. Im Fokus steht dabei die Partnerschaft mit OpenAI, die AMD aus Sicht von RBC als ernstzunehmenden GPU-Anbieter für Hyperscaler positioniert.
TSMC als Sektor-Motor
Massiv Rückenwind bekommt AMD aus Taiwan. Taiwan Semiconductor (TSMC) legte für das vierte Quartal Zahlen vor, die selbst hohe Erwartungen übertroffen haben. Der Gewinn sprang im Jahresvergleich um 35 % auf 16 Mrd. US‑Dollar, der Umsatz kletterte auf einen Rekordwert von 33 Mrd. US‑Dollar und überschritt damit erstmals die Marke von 1 Billion New Taiwan Dollar.
Noch wichtiger für den Markt ist der Ausblick: Für das erste Quartal 2026 stellt TSMC einen Umsatz zwischen 34,6 und 35,8 Mrd. US‑Dollar in Aussicht. Das würde ein Wachstum von bis zu 40 % gegenüber dem Vorjahr bedeuten. Diese Prognose gilt als klare Bestätigung, dass die Nachfrage nach KI-Chips unverändert hoch ist – und sie sorgt sektorweit für Kauflaune, von der auch AMD unmittelbar profitiert.
Trump-Zölle dämpfen die Euphorie
Auf der Belastungsseite steht die Handelspolitik. Präsident Trump hat einen Zollsatz von 25 % auf ausgewählte High-End-KI-Chips eingeführt, der auch Produkte von AMD betrifft. Exporte der MI325X-Chips sollen künftig nur noch nach fallweiser Prüfung unter neuen Lizenzauflagen genehmigt werden.
AMD konnte immerhin bestätigen, dass bestimmte MI308-Chips unter einem Lizenzrahmen weiterhin nach China geliefert werden dürfen. Allerdings fällt dabei eine Zahlung von 15 % an die US-Regierung an. Diese Abgabe schmälert die Margen auf diesen Verkäufen spürbar und begrenzt den finanziellen Nutzen des China-Geschäfts in diesem Segment.
Chartbild hellt sich auf
Technisch hat sich das Bild zuletzt deutlich verbessert. Nach einem scharfen Rücksetzer in der Vorwoche gewann die Aktie wieder an Boden und beendete den gestrigen Handel bei 227,92 US‑Dollar – auf dem Niveau ihres 52‑Wochen-Hochs. Damit liegt der Kurs rund 16 % über dem 50‑Tage-Durchschnitt und hat die kurzfristig entscheidenden Durchschnittslinien klar zurückerobert.
Partnerschaft mit TCS stärkt AI-Strategie
Strategisch arbeitet AMD daran, seine KI-Plattform breiter in den Markt zu tragen. Zusammen mit Tata Consultancy Services (TCS) wurde eine Kooperation angekündigt, die Unternehmen helfen soll, KI-Projekte von Pilotphasen in den produktiven Betrieb zu überführen.
Im Zentrum steht die Modernisierung von IT-Infrastrukturen und die Beschleunigung von KI-Einführungen in Rechenzentren. Für AMD ist das ein Hebel, um eigene Hardware enger mit Beratungs- und Implementierungsleistungen zu verzahnen und so den Zugang zu Unternehmenskunden zu vertiefen.
Konkurrenzdruck bleibt hoch
Trotz der Kurserholung ist das Umfeld alles andere als entspannt. Die Auftritte auf der CES 2026 blieben aus Sicht vieler Investoren hinter den Erwartungen zurück. Die vorgestellten KI-Neuerungen wirkten eher wie graduelle Verbesserungen, insbesondere im Vergleich zu Nvidias „Vera Rubin“-Plattform, die deutlich mehr Aufmerksamkeit auf sich zog.
Bei den neuen MI455-Prozessoren und MI440X-Beschleunigern fehlt es derzeit an der Tiefe im Software-Ökosystem und an sofort skalierbaren Einsatzmöglichkeiten in Hyperscale-Rechenzentren. Genau diese Faktoren gelten aber als entscheidend, um im direkten Wettbewerb mit Nvidia und anderen Anbietern Boden gutzumachen.
Hinzu kommt der wachsende Wettbewerb durch neue Player. OpenAI hat in dieser Woche einen 10-Milliarden-US‑Dollar-Deal mit dem Chip-Startup Cerebras bekannt gegeben. Dieser Schritt unterstreicht, dass große KI-Anwender ihre Lieferantenbasis verbreitern und nicht allein auf etablierte Halbleiterkonzerne setzen. Für AMD bedeutet das zusätzlichen Druck, sich technologisch und ökosystemseitig klar zu differenzieren.
Fazit: Zwischen Rückenwind und Risiken
Unterm Strich steht AMD aktuell im Spannungsfeld aus enormer KI-Nachfrage, starker Sektorstimmung und sichtbaren Risiken. Der Analysten-Schub durch KeyBanc, die OpenAI-Kooperation und der TSMC-Boom sprechen für weiteres Wachstumspotenzial in den Rechenzentren. Dagegen stehen Zölle und Lizenzauflagen, Margendruck im China-Geschäft sowie ein intensiver Wettbewerb, der sich mit Deals wie dem OpenAI-Cerebras-Abkommen weiter zuspitzt. Die nächsten Monate werden vor allem zeigen, ob AMD seine MI300- und MI400-Generation mit einem tragfähigen Ökosystem hinterlegen kann, das den optimistischen Prognosen gerecht wird.
AMD-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue AMD-Analyse vom 16. Januar liefert die Antwort:
Die neusten AMD-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für AMD-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 16. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
AMD: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...




