AMD Aktie: Taalas-Übernahme für KI-Inferenz-Chips

Chip-Hersteller AMD kauft das Start-up Taalas für spezialisierte KI-Inferenz-Chips. Die Aktie verzeichnet nach Rekordhoch deutliche Verluste, Analysten bleiben gespalten.

Die Kernpunkte:
  • Übernahme von Taalas für KI-Chips
  • Aktie fällt nach Rekordhoch deutlich
  • Umsatz wächst um 50 Prozent
  • Analysten uneins über Kursentwicklung

Advanced Micro Devices hat mit der Übernahme des kanadischen Start-ups Taalas eine neue Wette auf die Zukunft der KI-Inferenz platziert. Der Deal wurde am Donnerstag angekündigt, der Abschluss ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Parallel dazu kämpft die Aktie mit einem deutlichen Rücksetzer, nachdem sie erst kürzlich ein Rekordhoch erreicht hatte.

KI-Modelle direkt in Silizium gebrannt

Taalas wurde 2023 in Toronto gegründet und hat nach eigenen Angaben rund 219 Millionen Dollar an Finanzierung eingesammelt. Das Start-up verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz: Statt programmierbarer GPUs entwickelt es Chips, die ein einzelnes KI-Modell fest in die Hardware einbrennen. Der Demonstrationschip HC1 basiert auf einer 6-Nanometer-Fertigung, bringt 53 Milliarden Transistoren auf eine Fläche von 815 Quadratmillimetern und verarbeitet nach Herstellerangaben rund 17.000 Tokens pro Sekunde beim Modell Llama 3.1 mit 8 Milliarden Parametern. Wie heise online berichtete, soll das Design damit ein Vielfaches der Geschwindigkeit klassischer Nvidia-GPUs erreichen – bei laut Unternehmensangaben nur einem Zehntel der Leistungsaufnahme. Der Nachteil liegt in der Starrheit des Konzepts: Ein Modellwechsel erfordert nach bisherigen Angaben ein rund zweimonatiges Neudesign des Chips. AMD will die Technologie neben Instinct-GPUs, EPYC-Prozessoren und der ROCm-Softwareplattform in seine Helios-Server-Racks integrieren. Ein zweiter Chip namens HC2 für Modelle mit bis zu 20 Milliarden Parametern ist bereits in Planung. Die Gründer Ljubisa Bajic und Drago Ignjatovic arbeiteten zuvor selbst bei AMD. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Erst Anfang August hatten AMD, Spectro Cloud und Supermicro zudem den „AMD Instinct Coder“ vorgestellt, einen schlüsselfertigen KI-Inferenz-Stack auf Basis der Instinct-MI325X-GPUs.

Kursrücksetzer nach Rekordhoch

Die Übernahme fällt in eine Phase erhöhter Nervosität bei der Aktie. Nach einem Rekordhoch war das Papier im US-Handel binnen weniger Tage um mehrere Prozentpunkte zurückgefallen. Im deutschen Handel schloss die Aktie am Freitag bei 418,00 Euro, ein Minus von 1,54 Prozent. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Rückgang auf 14,47 Prozent. Der Rücksetzer kommt, nachdem sich die Bewertung zuletzt deutlich ausgeweitet hatte – ein Umstand, den mehrere Analysten als Risiko benennen.

Geteiltes Analystenbild

Die fundamentale Basis bleibt kräftig: Im zweiten Quartal 2026 steigerte AMD den Umsatz auf 11,54 Milliarden Dollar, ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das Rechenzentrumsgeschäft wuchs auf 6,72 Milliarden Dollar. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen rund 13 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, der Nettogewinn im zweiten Quartal lag bei 2,297 Milliarden Dollar. Auf dieser Basis bewegen sich die Kursziele der Analysten weit auseinander: Wells Fargo sieht 615 Dollar, Cantor Fitzgerald sogar 700 Dollar als Zielmarke, UBS hatte sein Kursziel zuletzt ebenfalls angehoben. Bank of America erhöhte ihre Kursziele für AMD und Arm und begründete den Schritt mit einem auf 170 Milliarden Dollar taxierten CPU-Markt, der bis 2030 um das Fünffache wachsen soll.

Dem stehen skeptischere Stimmen gegenüber. Der bei Privatanalysten hoch gerankte Investor James Foord bewertet AMD trotz eines eigenen Kursziels von 640,82 Dollar als „Strong Sell“. Sein Haupteinwand: Die für das dritte Quartal erwartete bereinigte Bruttomarge von 56 Prozent – auf dem Niveau des Vorquartals – lasse die Profitabilität hinter dem Umsatzwachstum zurückbleiben. Zusätzliche Belastungsfaktoren seien laut Foord die Abhängigkeit von chinesischen Kunden, verstärkte Eigenentwicklungen bei Hyperscalern sowie sinkende Inferenzkosten, die den Preisdruck im Markt erhöhen.

Wachstum trotz Margendruck

Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild. Auf der einen Seite steht ein Geschäft, das mit der Taalas-Übernahme und dem Instinct-Coder-Stack sein Angebot für KI-Inferenz systematisch ausbaut und operativ kräftig wächst. Auf der anderen Seite steht eine Bewertung, die nach dem Kursanstieg der vergangenen zwölf Monate – die Aktie legte seit Jahresbeginn um 127,15 Prozent zu – wenig Spielraum für Enttäuschungen lässt. Die Marge von 56 Prozent im laufenden Quartal dürfte damit zum zentralen Prüfstein werden: Bestätigt sich der Trend, dürfte das die optimistischeren Kursziele stützen. Bleibt die Marge stehen, während der Wettbewerb um KI-Inferenz-Chips zunimmt, könnten die Skeptiker recht behalten.

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