AMD nach starkem Quartal: Trägt die Wachstumsstory weiter?

AMD steigert den Quartalsumsatz um 50 Prozent, nimmt bis zu 4,75 Milliarden US-Dollar auf und richtet den Fokus auf das Rechenzentrumsgeschäft.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz klettert auf 11,5 Milliarden Dollar
  • Datacenter-Erlöse erreichen 6,7 Milliarden Dollar
  • Anleiheprogramm über bis zu 4,75 Milliarden
  • Raymond James erhöht AMD-Kursziel auf 641 Dollar

Ausgangslage

AMD hat in den vergangenen Wochen gleich mehrere Baustellen gleichzeitig bewegt: Ende der Vorwoche legte der Chiphersteller Zahlen für das zweite Quartal vor, die deutlich über den Erwartungen lagen, kurz zuvor sicherte sich das Unternehmen mit einer vierteiligen Anleihe frisches Fremdkapital in Milliardenhöhe, und am gestrigen Mittwoch berief AMD mit Tim Ryan ein neues Mitglied in den Vorstand.

Diese Ereignisse fallen in eine Phase, in der der Kurs zwar deutlich unter seinem Jahreshoch notiert, aber immer noch mehr als das Doppelte des Standes vor zwölf Monaten erreicht. Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob die operative Substanz stark genug ist, um die hohen Erwartungen weiter zu tragen.

Im zweiten Quartal erzielte AMD einen Umsatz von 11,5 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Rechenzentrumsgeschäft verdoppelte sich auf 6,7 Milliarden US-Dollar und macht inzwischen 58 Prozent der Gesamterlöse aus.

Der Non-GAAP-Gewinn je Aktie lag bei 1,66 US-Dollar. Für das dritte Quartal stellte das Management einen Umsatz von 13,0 Milliarden US-Dollar in Aussicht, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 300 Millionen US-Dollar, bei einer non-GAAP-Bruttomarge von rund 57 Prozent.

Die entscheidende Frage

Der zentrale Faktor für die kommenden Monate ist, ob das Rechenzentrumsgeschäft sein Wachstumstempo halten kann. Es ist inzwischen der größte Umsatztreiber und wurde durch das jüngste Anleiheprogramm über bis zu 4,75 Milliarden US-Dollar explizit für den weiteren Ausbau der KI- und Rechenzentrumskapazitäten flankiert.

Sollte sich das Wachstum in diesem Segment abschwächen, verlöre die gesamte Bewertungsstory ihren wichtigsten Baustein. Hält es an, bleibt die Guidance für das dritte Quartal von 13,0 Milliarden US-Dollar der nächste Prüfstein.

Bullisches Szenario

Setzt sich die Dynamik aus dem zweiten Quartal fort, dürfte AMD die Guidance für das dritte Quartal erreichen oder übertreffen. Die frisch aufgenommenen Mittel aus der Anleihe sollen laut Unternehmensangaben unter anderem der allgemeinen Unternehmensfinanzierung sowie der Schuldentilgung dienen und schaffen zusätzlichen finanziellen Spielraum für den Ausbau der Datacenter-Kapazitäten.

Raymond James hob das Kursziel am 25. August von 565 auf 641 US-Dollar an und stufte die Aktie auf „Strong Buy“ hoch – ein Signal, dass zumindest ein Analystenhaus die Wachstumsstory nach den Quartalszahlen als tragfähig einschätzt.

Auch die Neubesetzungen im Aufsichtsgremium, darunter der Wechsel im Prüfungsausschuss unter KC McClure, könnten als Zeichen für eine auf Kontinuität und Governance ausgerichtete Unternehmensführung gelesen werden, während das Unternehmen operativ expandiert.

Bärisches Szenario

Gegen die reine Wachstumseuphorie sprechen mehrere Punkte. Der Aktienkurs notiert rund 18 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch und liegt aktuell etwa 5,4 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt – ein Hinweis darauf, dass der Markt die zuletzt sehr hohe Bewertung bereits teilweise hinterfragt.

Die annualisierte Volatilität von 73 Prozent zeigt zudem, wie nervös der Handel auf neue Nachrichten reagiert. Hinzu kommen Insidertransaktionen: Sowohl EVP Mark D. Papermaster als auch SVP Ava Hahn verkauften im August Aktien, wenn auch in überschaubarem Umfang.

Solche Verkäufe sind für sich genommen kein Alarmsignal, fügen sich aber in ein Bild, in dem die Bewertung nach der starken Kursrally bereits viel Optimismus vorwegnimmt. Auch die milliardenschwere neue Verschuldung – laut Berichten die größte Dollar-Anleihe in der Unternehmensgeschichte – erhöht die Zinslast und damit die Abhängigkeit von anhaltend starkem Cashflow aus dem Rechenzentrumsgeschäft.

Ausblick

Solange das Rechenzentrumssegment seine hohe Wachstumsrate hält und AMD die für das dritte Quartal in Aussicht gestellten 13,0 Milliarden US-Dollar Umsatz bei rund 57 Prozent Bruttomarge erreicht, dürfte die bullische Lesart Oberhand behalten – gestützt durch die frische Kapitalausstattung und positive Analystenstimmen wie die von Raymond James.

Verfehlt AMD hingegen die Guidance oder zeigt das Rechenzentrumsgeschäft erste Abschwächungssignale, dürfte der Markt die hohe Bewertung und die gestiegene Verschuldung kritischer hinterfragen, zumal der Kurs bereits unter seinem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt notiert.

Der nächste konkrete Prüfstein ist die Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Quartal, die zeigen wird, ob die im August formulierte Guidance tatsächlich Substanz hat oder ob sich der zuletzt beobachtete Kursrückgang vom Hoch fortsetzt.

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