AMD überholt Intel im Rechenzentrum — Micron, Qualcomm und SK Hynix auf Rekordjagd

AMD erobert die Spitze im Rechenzentrum, während Intel mit Apple-Deal und Micron mit Rekordkursen glänzen. Ein Überblick über die Gewinner des KI-Booms.

Die Kernpunkte:
  • AMD überholt Intel im Rechenzentrum
  • Micron-Aktie mit 29% Wochenplus
  • Intel sichert sich Apple als Kunden
  • Qualcomm drängt in KI-Märkte

Zum ersten Mal hat AMD mehr Umsatz im Rechenzentrum erzielt als Intel. Ein historischer Machtwechsel — und bei Weitem nicht die einzige tektonische Verschiebung der vergangenen Woche. Micron liefert eine parabolische Kursrallye, Intel sichert sich Apple als Foundry-Kunden, SK Hynix kämpft mit Rekordmargen und steigenden Lohnkosten gleichzeitig, und Qualcomm drängt aggressiv in KI-Geräte und Rechenzentren. Fünf Halbleiterwerte, fünf grundverschiedene Geschichten.

Micron: Der KI-Speicher-Superzyklus beschleunigt sich

Die Rallye bei Micron hat ein Ausmaß erreicht, das selbst erfahrene Chipinvestoren staunen lässt. Die Aktie legte allein in den vergangenen sieben Tagen rund 29 % zu und notiert bei 633,50 Euro am 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als verdoppelt.

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Der Treiber ist klar: HBM-Speicher für KI-Anwendungen. Microns gesamte HBM-Produktionskapazität für 2026 ist bereits ausverkauft. Kunden unterzeichnen mittlerweile mehrjährige Vorauszahlungsverträge — sie bezahlen also Speicher, der noch gar nicht produziert wurde. Zusätzlich startete Micron die Auslieferung seiner 245-TB-SSD Micron 6600 ION, die speziell für KI- und Hyperscale-Rechenzentren entwickelt wurde.

Die Zahlen untermauern die Euphorie. Micron verdiente im letzten Quartal 12,20 Dollar je Aktie und stellt für das kommende Quartal 19,15 Dollar in Aussicht. Annualisiert würde diese Run-Rate selbst einen Kurs von 1.500 Dollar noch mit einem KGV von 20 bis 25 rechtfertigen. Mizuho-Analyst Vijay Rakesh hob sein Kursziel von 545 auf 740 Dollar an — die bullischsten Szenarien reichen bis 1.000 Dollar. Alle 39 erfassten Analysten stufen die Aktie mit „Kaufen“ ein.

SK Hynix: Rekordquartal trifft auf neue Kostenfrage

SK Hynix hat im ersten Quartal 2026 erstmals die Marke von 50 Billionen Won Umsatz in einem Einzelquartal durchbrochen. Die operative Marge erreichte 72 % — ein Rekordwert. Der Nettogewinn lag bei 40,35 Billionen Won.

Die Aktie notiert bei 1.686.000 Won und hat seit Jahresbeginn über 182 % zugelegt. LS Securities erhöhte vergangene Woche das Kursziel auf 2,1 Millionen Won, getrieben durch die mittelfristige HBM-Kompetenz des Unternehmens. Morgan Stanley schraubte die Gewinnprognosen für 2026 und 2027 um 56 % beziehungsweise 63 % nach oben.

Ein neues Risiko zeichnet sich allerdings ab. Der schwelende Bonusstreit bei Samsungs Gewerkschaft könnte auf SK Hynix überschwappen. Analysten warnen, dass der Speicherboom zwar die Gewinne treibt, gleichzeitig aber die Lohnkosten unter Druck setzt. Strategisch bleibt SK Hynix gut positioniert: Die gesamte Produktionskapazität für 2026 ist ausverkauft, mit Microsoft besteht ein dreijähriger DDR5-Vertrag, und mit Google wird ein fünfjähriges DRAM-Abkommen verhandelt. Muster der siebten HBM-Generation (HBM4E) sollen in der zweiten Jahreshälfte geliefert werden.

Intel: Apple-Deal schreibt das Foundry-Kapitel neu

Intel hat sich vergangene Woche von einer Sanierungsstory zu einem der spektakulärsten Comebacks der jüngeren Halbleitergeschichte gewandelt. Die Aktie schloss bei 105,94 Euro — ein Plus von über 215 % seit Jahresbeginn. Anfang des Jahres lag der Kurs noch unter 20 Euro.

Das Schlüsselereignis: Intel hat eine vorläufige Vereinbarung getroffen, Chips für Apple-Geräte zu fertigen. Die US-Regierung, seit vergangenem Jahr Intels größter Aktionär im Rahmen einer Vereinbarung mit CEO Lip-Bu Tan, spielte eine zentrale Rolle bei der Annäherung. Präsident Trump soll persönlich bei Apple-Chef Tim Cook für Intel geworben haben.

Die Foundry-Offensive gewinnt an Substanz:

  • Eine neue Fabrik in Chandler, Arizona, produziert bereits in hohen Stückzahlen auf dem 18A-Knoten — Intels fortschrittlichster Technologie, die mit TSMCs 2-nm-Prozess konkurrieren soll
  • Nvidia investierte 5 Milliarden Dollar und entwickelt gemeinsam mit Intel einen x86-RTX-SoC für PCs
  • Im ersten Quartal stieg der Foundry-Umsatz um 16 % auf 5,42 Milliarden Dollar

Intels Quartalszahlen übertrafen die Erwartungen deutlich: 13,6 Milliarden Dollar Umsatz bei einem bereinigten Gewinn je Aktie von 0,29 Dollar — die Konsensschätzung lag bei nur einem Cent. Hier liegt auch die Krux für Analysten: Das durchschnittliche Kursziel der 32 Coverage-Analysten steht bei 65,44 Dollar und damit weit unter dem aktuellen Kurs. Mizuho erhöhte zuletzt auf 100 Dollar. Der Markt preist bereits ein, was die Modelle noch nicht abbilden.

Qualcomm: Vom Smartphone-Riesen zum KI-Plattformanbieter

Qualcomm verfolgt die breiteste Diversifikationsstrategie unter den fünf Halbleiterwerten. CEO Cristiano Amon positioniert 2026 als das Jahr, in dem KI-Agenten den Massenmarkt erreichen — und das Smartphone seine Rolle als primäres Gerät verliert.

Die Aktie notiert bei 185,90 Euro, ein Plus von rund 26 % seit Jahresbeginn. Innerhalb der letzten 30 Tage legte der Kurs über 70 % zu.

Amons Strategie setzt auf mehrere Fronten gleichzeitig. Im Automobilsegment stieg der Umsatz um 38 % auf 1,3 Milliarden Dollar, für das dritte Geschäftsquartal wird ein Wachstum von 50 % erwartet. Parallel treibt Qualcomm den Einstieg in KI-Rechenzentren voran: Eine Übernahme im Wert von 2,3 Milliarden Dollar ist abgeschlossen, maßgeschneiderte Data-Center-Chips sollen noch 2026 an einen großen Hyperscaler geliefert werden. Hinzu kommt eine Zusammenarbeit mit OpenAI.

Auf der Produktseite stehen die ersten 2-nm-Chipsets unmittelbar bevor. Der Snapdragon 8 Elite Gen 6 soll TSMCs neueste Lithografie nutzen und damit eine breite Diversifizierung von Smartphone-Modellen im vierten Quartal ermöglichen. Daiwa stufte die Aktie auf „Outperform“ hoch und setzte das Kursziel auf 225 Dollar. Tigress Financial erhöhte auf 280 Dollar.

AMD: Die Krone im Rechenzentrum wechselt den Besitzer

Die bedeutendste Verschiebung der Woche trug AMDs Handschrift. Mit 5,8 Milliarden Dollar Rechenzentrum-Umsatz im ersten Quartal — ein Plus von 57 % gegenüber dem Vorjahr — überholte AMD erstmals Intels 5,1 Milliarden Dollar in dieser Kategorie. CEO Lisa Su sprach von einem „strukturellen Wandel“ des Geschäfts.

Die Aktie schloss bei 386,15 Euro. Seit Ende März hat sich der Kurs mehr als verdoppelt. Das KGV auf Basis der Konsensschätzungen liegt bei 42,4 — der Markt preist erhebliches weiteres Wachstum ein.

AMDs Quartalszahlen stützten die Bewertung: 10,3 Milliarden Dollar Umsatz übertrafen die Erwartungen um über 4 %, der bereinigte Gewinn je Aktie von 1,37 Dollar lag 43 % über dem Vorjahr. Die Wachstumsprognose für den Server-CPU-Markt wurde von 18 % auf 35 % jährlich angehoben — bis 2030 soll das Marktvolumen 120 Milliarden Dollar übersteigen.

Ein wichtiger Produktkatalysator steht bevor: Helios, AMDs erstes vollständiges Rack-Scale-System für KI-Rechenzentren, soll im dritten Quartal erste Volumen liefern und im vierten Quartal deutlich hochfahren. Sowohl OpenAI als auch Meta haben bereits Lieferungen geordert. Bernstein stufte AMD auf „Outperform“ hoch mit einem Ziel von 525 Dollar, Barclays und Cantor Fitzgerald gehen auf 500 Dollar.

Wachwechsel im Chipsektor — und was jetzt zählt

Die vergangene Woche verdichtete ein gemeinsames Narrativ: KI-Infrastrukturausgaben treiben Speicher, CPUs, GPUs und Fertigungskapazitäten in einem Tempo, das Analystenmodelle wiederholt überfordert hat. Die konkreten Auswirkungen unterscheiden sich aber erheblich:

  • Speicher (Micron, SK Hynix): Strukturelle Angebotsknappheit, die weit über einen normalen Zyklus hinausgeht. SK-Group-Chairman Chey Tae-won erwartet einen globalen Wafer-Engpass bis 2030 mit einer prognostizierten Lücke von über 20 %
  • Foundry (Intel): Der Apple-Deal könnte TSMCs Dominanz in der fortschrittlichen Fertigung erstmals ernsthaft herausfordern — weltweit sind nur drei Unternehmen in der Lage, die modernsten KI-Chips zu produzieren
  • Rechenzentrums-CPUs (AMD, Intel): AMDs Überholmanöver markiert eine historische Zäsur, während Intel durch die Foundry-Expansion einen neuen Wachstumsmotor etabliert
  • Diversifikation (Qualcomm): Der komplexeste Positionierungsversuch — stark in Automotive und IoT, unter Druck im Smartphone-Segment, aggressiv in Richtung KI-Geräte und Rechenzentren

Für die kommenden Monate wird entscheidend sein, ob die HBM-Preise auf dem aktuellen Niveau halten und ob die KI-Inferenznachfrage schneller wächst als die Kapazitätsexpansion. Lisa Su betonte zuletzt, die CPU-Servernachfrage habe die Erwartungen „bei Weitem übertroffen“ — getrieben durch den Aufstieg agentischer KI-Anwendungen. Intels Apple-Vereinbarung bleibt vorläufig; eine formale Bestätigung könnte den nächsten Kursschub auslösen. Qualcomms Diversifikationsstrategie steht in der zweiten Jahreshälfte vor ihrem klarsten Praxistest, wenn die erweiterte Chippalette den Markt erreicht. Der strukturelle Nachfrageimpuls durch KI ist intakt. Die Frage für jedes einzelne Unternehmen lautet: Kann die Umsetzung mit den außerordentlichen Erwartungen Schritt halten, die in den Bewertungen bereits stecken?

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