AMD und Super Micro im KI-Rausch — Insulet und Bio-Techne am Boden

Ein Friedenssignal aus dem Nahen Osten und eine Flut starker Quartalszahlen katapultierten den S&P 500 am Mittwoch auf ein neues Rekordhoch bei 7.365 Punkten. Fortschritte bei den US-Iran-Verhandlungen ließen die Ölpreise um rund 8 % einbrechen und entlasteten die Inflationserwartungen spürbar. Gleichzeitig untermauern die laufenden Earnings eine bemerkenswerte Nettomarge von 13,4 % im S&P 500 — Rekord seit Beginn der FactSet-Erfassung 2009. Nahezu alle Sektoren schlossen im Plus, allen voran Industrie (+2,7 %) und Technologie (+2,2 %). Nur Energie und Versorger gaben nach — ein direktes Spiegelbild des Ölpreisrückgangs.
Innerhalb dieses breiten Aufschwungs zeigten sich gestern scharfe Unterschiede zwischen den einzelnen Aktien. Gewinner und Verlierer trennten bis zu 40 Prozentpunkte.
| Gewinner | Kurs | Veränderung |
|---|---|---|
| Super Micro Computer | 34,66 USD | +24,5 % |
| DaVita | 160,50 EUR | +19,5 % |
| AMD | 358,45 EUR | +18,0 % |
| Verlierer | Kurs | Veränderung |
|---|---|---|
| Bio-Techne | 39,60 EUR | −18,3 % |
| Skyworks | 55,09 EUR | −11,2 % |
| Insulet | 128,95 EUR | −10,0 % |
Super Micro Computer: Ausblick schlägt Umsatzverfehlung
Die Quartalszahlen von Super Micro Computer erzählen zwei Geschichten gleichzeitig. Der Umsatz verfehlte mit 10,24 Milliarden US-Dollar die Konsensschätzung von 12,33 Milliarden deutlich. Trotzdem legte die Aktie um fast ein Viertel zu. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 0,84 US-Dollar klar über den erwarteten 0,62 US-Dollar — und vor allem der Ausblick elektrisierte den Markt.
Für das vierte Fiskalquartal prognostiziert das Unternehmen Erlöse zwischen 11 und 12,5 Milliarden US-Dollar, über dem bisherigen Konsens. Die Jahresumsatzprognose wurde auf 38,9 bis 40,4 Milliarden angehoben. CEO Charles Liang erklärte die bisherigen Verzögerungen mit mangelnder Infrastruktur-Bereitschaft bei Kunden: Mehrere hätten noch nicht über die erforderliche Strom- und Netzwerkinfrastruktur für ihre Cloud-Deployments verfügt.
Das Handelsvolumen von 125,4 Millionen Aktien lag rund 228 % über dem Dreimonatsdurchschnitt. Auf Wochensicht hat die Aktie bereits über 26 % zugelegt. Belastend bleibt eine laufende DOJ-Untersuchung wegen mutmaßlicher Exportkontrollverstöße früherer Mitarbeiter — das Unternehmen selbst ist nicht Beklagter.
DaVita: Dialyse-Spezialist setzt sich an die Spitze des Healthcare-Sektors
Selten hat ein Healthcare-Wert in dieser Earnings-Saison so deutlich überrascht. DaVita meldete einen bereinigten Gewinn je Aktie von 2,87 US-Dollar — der Konsens lag bei 2,32 US-Dollar. Das bereinigte EBITDA von 687,9 Millionen US-Dollar übertraf die Analystenschätzungen um 12,6 %.
Getragen wurde das Ergebnis von höheren Erstattungssätzen und Aktienrückkäufen. Im Jahresvergleich stieg der Gewinn je Aktie um 43,5 %. Die Deutsche Bank reagierte unmittelbar mit einer Hochstufung von Hold auf Buy und einem neuen Kursziel von 220 US-Dollar.
Die Jahresprognose für den bereinigten Gewinn je Aktie wurde auf 14,10 bis 15,20 US-Dollar angehoben. Der Mittelpunkt liegt nun über dem bisherigen Konsens. Ein struktureller Rückenwind kommt hinzu: Das Management verwies auf der Earnings-Konferenz auf Patientenübernahmen infolge von Fresenius-Klinikschließungen — ein Volumenvorteil, der über einzelne Quartale hinausreichen dürfte.
Dass Berkshire Hathaway kurz vor den Zahlen rund 1,22 Millionen DaVita-Aktien verkauft hatte, spielte angesichts der starken Ergebnisse keine Rolle mehr. Die Aktie markierte mit 160,50 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch.
AMD: KI-Infrastruktur als Wachstumsmotor
Advanced Micro Devices lieferte Quartalszahlen, die in ihrer Breite überzeugten. Der Umsatz im ersten Quartal belief sich auf 10,3 Milliarden US-Dollar bei einer Bruttomarge von 53 %. Das Rechenzentrum-Segment erzielte allein 5,8 Milliarden — ein Anstieg von 57 % im Jahresvergleich, getragen von der Nachfrage nach EPYC-Prozessoren und dem Hochlauf der Instinct-GPU-Lieferungen.
Für das zweite Quartal prognostiziert AMD einen Umsatz zwischen 10,9 und 11,5 Milliarden US-Dollar. Der Mittelpunkt liegt deutlich über dem Konsens von 10,52 Milliarden. Goldman Sachs stufte die Aktie daraufhin auf Buy hoch und setzte ein Zwölf-Monats-Kursziel von 450 US-Dollar. Die Begründung: Rückenwind für das Server-CPU-Geschäft durch agentische KI sowie Potenzial bei Rechenzentrum-GPUs ab 2027.
Sowohl OpenAI als auch Meta haben sich für Lieferungen des neuen Rack-Scale-Systems Helios angemeldet. Der Meta-Deal umfasst den Einsatz von bis zu sechs Gigawatt AMD-GPUs für KI-Rechenzentren. Mit 358,45 Euro notiert die Aktie auf einem neuen 52-Wochen-Hoch — seit Jahresbeginn ein Plus von fast 88 %.
Bio-Techne: Wachstumssorgen drücken auf neues Jahrestief
Während KI-nahe Werte gefeiert wurden, traf es Bio-Techne mit voller Wucht. Die Aktie brach um 18,3 % ein und schloss mit 39,60 Euro auf einem neuen 52-Wochen-Tief. Der Umsatz sank im dritten Fiskalquartal um 1,5 % auf 311,4 Millionen US-Dollar und verfehlte die Markterwartungen.
Eine scharfe Divergenz innerhalb des Portfolios verschärft die Sorgen. Große Pharmakunden lieferten das sechste Quartal in Folge mit zweistelligem Wachstum. Das Emerging-Biotech-Segment ging dagegen im hohen einstelligen Bereich zurück. Organisch sank der Umsatz um 2 %, wobei das Management einen Gegenwind von 400 Basispunkten aus Auftragszeiten und klinischer Beschleunigung zweier Fast-Track-Zelltherapiekunden herausrechnet.
Die Kernproblematik liegt tiefer als ein einzelner Quartalsmiss:
- Frühphasige Biotech-Finanzierungen belasten das Reagenzien-Portfolio weiterhin
- Für das vierte Quartal erwartet das Management lediglich flaches organisches Wachstum
- Seit Jahresbeginn hat die Aktie über 22 % verloren
Skyworks: Solide Zahlen, trotzdem abgestraft
Skyworks präsentierte auf den ersten Blick solide Ergebnisse. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 1,15 US-Dollar über dem Konsens von 1,04 US-Dollar. Der Umsatz erreichte 944 Millionen US-Dollar, ebenfalls leicht über den Erwartungen. Trotzdem verlor die Aktie 11,2 % und schloss bei 55,09 Euro.
Zwei Faktoren trieben den Ausverkauf. Erstens: Die Lagerreichweite stieg auf 144 Tage — 13 Tage über dem Fünfjahresdurchschnitt. Das signalisiert einen Aufbau, der in einem schwächelnden Endmarkt schnell zum Problem werden kann. Zweitens: Mobiltelefone machen 60 bis 70 % des Umsatzes aus. Mizuho schätzt, dass die globalen Handsetvolumina 2026 um mehr als 10 % sinken werden.
Hinzu kommen Warnungen des Unternehmens vor Kundenkonzentration, steigenden Kosten und regulatorischen Risiken. Der Markt preist damit nicht nur ein einzelnes Quartal ein, sondern strukturelle Herausforderungen im Mobilfunksegment. Auf Wochensicht gab die Aktie rund 6,5 % nach.
Insulet: Operativ stark, strategisch unter Druck
Die Zahlen selbst waren einwandfrei. Insulet meldete einen Gewinn je Aktie von 1,42 US-Dollar — 0,23 US-Dollar über dem Konsens. Der Umsatz sprang um 33,9 % auf 761,70 Millionen US-Dollar. Und dennoch fiel die Aktie um 10 % auf ein neues 52-Wochen-Tief von 128,95 Euro.
Der Bruch zwischen operativer Stärke und Kursreaktion erklärt sich zweifach. Die Jahres-EPS-Guidance von rund 6,21 US-Dollar lag moderat unter dem Konsens von 6,33 US-Dollar — nach einem starken Quartal reichte das für Gewinnmitnahmen. Schwerer wiegt der strategische Gegenwind: Rothschild Redburn stufte die Aktie von Buy auf Neutral herab und verwies auf erwartete Hybrid-Patch-Geräte konkurrierender Hersteller bis Ende 2026. BTIG Research senkte das Kursziel von 320 auf 260 US-Dollar.
Bernstein SocGen und Oppenheimer reduzierten ebenfalls ihre Kursziele, behielten aber Outperform-Ratings bei. Seit Jahresbeginn hat Insulet fast die Hälfte seines Börsenwerts eingebüßt — ein YTD-Verlust von 46,6 % spricht eine deutliche Sprache.
KI-Gewinner gegen Wachstumssorgen — der S&P 500 im Spannungsfeld
Der Handelstag vom 6. Mai verdeutlicht eine wachsende Kluft. Im Technologiesektor werden Unternehmen mit direkter KI-Infrastruktur-Exposition — AMD, Super Micro — mit Premiumkursen belohnt. Periphere Halbleiteranbieter wie Skyworks kämpfen dagegen mit Margendruck und Lagerrisiken. Im Healthcare-Sektor trennt der Markt klar zwischen Unternehmen mit Pricing-Power wie DaVita und solchen mit strukturellen Wachstumsproblemen wie Bio-Techne und Insulet.
Technisch notiert der RSI des S&P 500 inzwischen über 70 — ein traditionell überkauftes Niveau. Mit den April-Nonfarm-Payrolls und dem Michigan-Konsumklima rücken heute und morgen Makrodaten in den Fokus, die zeigen werden, ob die Rally auf einer breiteren fundamentalen Basis steht oder vor einer Verschnaufpause steckt.
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