Amerikas Notenbank Fed macht Ernst

Genau ein Jahr, nachdem die amerikanische Notenbank Fed mit einer ersten Zinserhöhung die Zinswende in den USA eingeleitet hatte, hat sie nun nachgelegt. Nach zweitägiger Sitzung des Offenmarktausschusses wurde gestern durch Fed-Chefin Janet Yellen bekannt gegeben, dass man die so genannte Federal Funds Target Rate um 25 Basispunkte auf einen Ziel-Zins zwischen 0,50 % bis 0,75 % anhebt.

Eine große Überraschung war dies nicht. Denn schon seit Monaten hatte die US-Notenbank zumindest verbal auf diesen Punkt hingearbeitet. Wobei angesichts robuster Konjunkturdaten und eines Arbeitsmarktes, der mit einer zuletzt ausgewiesenen Arbeitslosenquote von 4,9 % quasi eine Vollbeschäftigung ausweist, überfällig erschien. Die Dollar-Währungshüter hatten zuletzt nur deshalb gezögert, weil man mit einem entsprechenden Schritt nicht in den US-Präsidentschaftswahlkampf eingreifen wollte.

Nun, da die Fronten geklärt und Überraschungssieger Donald Trump im Januar ins Weiße Haus einzieht, lag der Ball wieder im Spielfeld der Notenbank. Wobei wohl auch in den Reihen der Fed kaum jemand belastbar sagen kann, wohin die Wirtschaftspolitik des neuen US-Präsidenten führen wird. Das wird im kommenden Jahr noch erheblichen Einfluss auf die weitere Geldpolitik haben. Aber eben nicht jetzt. Und so war die Notenbank gut beraten, hier schon etwas Vorarbeit zu leisten.

Fed will 2017 dreimal erhöhen

Darüber hinaus kündigte die Fed an, im kommenden Jahr dreimal aufstocken zu wollen. Das hieße, dass die Leitzinsen in Amerika bis Ende des Jahres auf eine Bandbreite zwischen 1,25 % bis 1,50 % steigen könnten. Diese Aussage ist insoweit überraschend, als dass die Notenbanker zuvor nur zwei Anhebungen für das kommende Jahr prognostiziert hatten. Allerdings sind auch solche Pläne mit Vorsicht zu genießen. Immerhin hatte man für das nun zu Ende gehende Jahr ursprünglich vier Zinserhöhungen eingeplant.

Ob die Notenbank nun die 2017er Pläne umsetzen kann, hängt letztlich wohl davon ab, wie die neue Administration agieren wird. Sollte das in Aussicht gestellte milliardenschwere Infrastrukturprogramm dafür sorgen, dass die Inflation sichtbar ansteigt, dürfte die Fed wohl schneller agieren. Sollten dagegen populistische Maßnahmen (vorstellbar wäre zum Beispiel die Umsetzung angedrohter Strafmaßnahmen gegen Unternehmen, die Arbeitsplätze aus den USA heraus verlagern) das Wirtschaftsvertrauen schädigen, würden wir wohl erneut eine mehr zögernde Notenbank erleben.

Börsen zeigen sich unbeeindruckt

Erwartungsgemäß fielen die Reaktionen an der Börse auf die Zinserhöhung bestenfalls moderat aus. So ging gestern Abend der Dow Jones zwar mit einem Minus von 0,6 % aus dem Handel. Doch echte schlechte Stimmung war hier nicht zu verzeichnen. In Europa war letztlich die US-Zinserhöhung fast schon ein Non-Event. Hier bleibt man auf der Käuferseite und setzt grundsätzlich die begonnene Weihnachtsrallye fort. Wobei natürlich auch der Devisenmarkt hilft. Denn nach dem Zinsentscheid ging der Euro erneut in die Knie und das beflügelt heute unter anderem auch Export-Werte.

%d Bloggern gefällt das: