Amphenol Aktie: 10,7 Milliarden Auftragseingang

Amphenol steigert den Quartalsumsatz deutlich und hebt den CommScope-Beitrag an, während Führungskräfte Aktien im großen Umfang veräußern.

Die Kernpunkte:
  • Führungskräfte verkaufen über eine Million Aktien
  • Quartalsumsatz steigt auf 8,8 Milliarden Dollar
  • Auftragseingang erreicht 10,7 Milliarden Dollar
  • CommScope-Beitrag beim Gewinn verdoppelt

Amphenol liefert Zahlen, die Analysten begeistern – und trotzdem verkaufen Führungskräfte in großem Stil eigene Aktien. Für mich ist das kein Widerspruch, sondern der Normalfall bei einer Aktie, die binnen Monaten kräftig gelaufen ist.

Die Fakten hinter der Skepsis

CEO Norwitt hat Aktien im Wert von 111 Millionen Dollar verkauft, CFO Lampo hat Optionen ausgeübt. Weitere Führungskräfte legten nach: EVP D’Amico verkaufte 50.000 Aktien zu 161,99 Dollar, EVP Silverman 120.000 Stück zu 174,24 Dollar.

Über die vergangenen 90 Tage kamen mehr als eine Million verkaufte Aktien im Volumen von rund 172 Millionen Dollar zusammen. Wer nur auf diese Zahlen schaut, sieht ein Warnsignal.

Ich sehe das differenzierter. Der Kurs hat seit Jahresbeginn um 18 Prozent zugelegt, notiert nach dem jüngsten Split über der 200-Tage-Linie bei 147,72 Dollar und schloss zuletzt bei 160,03 Dollar.

Nach einer solchen Rally ist es geradezu erwartbar, dass Manager Gewinne mitnehmen – zumal ein Teil der Transaktionen aus ausgeübten Optionen resultiert, die ohnehin ins Geld gelaufen sind. Insiderverkäufe nach starkem Kurslauf sind ein Muster, kein Alarmsignal für sich genommen.

Das Geschäft rechtfertigt die Bewertung

Was mich am eigentlichen Zahlenwerk überzeugt: Amphenol hat im zweiten Quartal einen Umsatz von 8,8 Milliarden Dollar gemeldet, ein Plus von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Gewinn je Aktie von 1,35 Dollar.

Der Auftragseingang lag bei 10,7 Milliarden Dollar, das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,23 signalisiert, dass mehr Bestellungen hereinkommen, als abgearbeitet werden. Das ist für mich der eigentliche Kern der Geschichte, nicht die Insiderverkäufe.

Die Integration von CommScope trägt zusätzlich Schub bei: Der Umsatzbeitrag wurde von 4,1 auf 4,6 Milliarden Dollar angehoben, der Gewinnbeitrag je Aktie von 0,15 auf 0,30 Dollar verdoppelt.

Für das dritte Quartal stellt das Unternehmen einen Umsatz von 9,3 bis 9,4 Milliarden Dollar in Aussicht, ein Wachstum von 50 bis 52 Prozent, bei einem Gewinn je Aktie zwischen 1,40 und 1,42 Dollar. Diese Guidance ist ambitioniert – und genau darin liegt für mich das eigentliche Risiko: Amphenol muss liefern, sonst rächt sich die hohe Erwartungshaltung.

Was die Analysten sagen – und was ich davon halte

Die Analystengemeinde bleibt mehrheitlich bullish. Citigroup nennt ein Kursziel von 210 Dollar, Truist sogar 215 Dollar, beide mit Kaufempfehlung. Goldman Sachs bestätigte Ende August seine Buy-Einstufung, der Konsens der Kursziele liegt bei rund 191,67 Dollar mit einer Spanne von 170 bis 230 Dollar. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 28 wirkt angesichts des Wachstumstempos nicht überteuert, auch wenn die Verschuldung von 18,7 Milliarden Dollar im Blick bleiben sollte.

Der RSI von 49 zeigt mir zudem: Die Aktie ist nach der Rally weder überkauft noch überverkauft, sondern in einer neutralen Konsolidierungsphase angekommen. Das passt zu meiner Einschätzung, dass der jüngste Rücksetzer von 7 Prozent im Monat eher eine Verschnaufpause als eine Trendwende ist.

Auch die Dividendenpolitik untermauert für mich die Stabilität der Story: 0,25 Dollar je Aktie, zahlbar am 14. Oktober bei einem Rekordstichtag am 22. September, entsprechen einer moderaten Ausschüttungsquote von gut einem Viertel des Gewinns. Das lässt Amphenol viel Spielraum für Reinvestitionen in die Auftragsflut.

Mein Fazit

Unterm Strich überwiegen für mich die operativen Argumente die Verunsicherung durch die Insiderverkäufe. Ein Book-to-Bill-Wert über 1,2, ein Umsatzwachstum jenseits der 50-Prozent-Marke und eine nach oben angepasste CommScope-Integration sprechen für eine intakte Nachfragedynamik.

Die Verkäufe der Führungsriege lese ich als Portfoliobereinigung nach starkem Kursanstieg, nicht als Misstrauensvotum gegen das eigene Geschäft. Die eigentliche Bewährungsprobe kommt mit der Q3-Guidance – hält Amphenol das selbstgesteckte Tempo, dürfte die Skepsis der Skeptiker weiter schwinden.

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