Amrize Aktie: Kurs fällt auf Jahrestief, Manager kaufen

Amrize steigert Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal, verfehlt beim Ergebnis je Aktie jedoch die Analystenerwartungen und senkt den Kurs.

Die Kernpunkte:
  • Aktie nahe dem 52-Wochen-Tief
  • Mehrere Führungskräfte erwerben Amrize-Aktien
  • Quartalsgewinn je Aktie unter Konsens
  • RBC und Bank of America senken Kursziele

Amrize steckt in einer ungewöhnlichen Phase: Während das Management massiv eigene Aktien kauft, fällt der Kurs auf ein neues Jahrestief. Am Freitag schloss das Papier bei 38,68 Euro, nur 3,1 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 37,50 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 18 Prozent, allein in den vergangenen 30 Tagen verlor die Aktie 11 Prozent.

Führungswechsel an der Spitze

Am Montag ernannte Amrize Samuel J. Poletti mit sofortiger Wirkung zum Chief Financial Officer. Er folgt auf Baris Oran, der laut einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht aus persönlichen Gründen zurücktritt.

Zusätzlich wurde Dillon Cumming als Vice President Investor Relations benannt. Bemerkenswert: Poletti hatte bereits eine Woche zuvor, am 17. August, als Chief Strategy and M&A Officer 2.510 eigene Aktien zu 37,97 Franken erworben – kurz bevor er den Chefposten im Finanzressort übernahm.

Poletti steht damit nicht allein. In der ersten Augusthälfte kauften mehrere Führungskräfte Amrize-Aktien. Jaime Hill, President Building Materials, erwarb 1.500 Aktien zu 47,12 Dollar, Personalchef Stephen S. Clark 5.260 Stück zu 47,31 Dollar.

Zwei weitere Käufe von Verwaltungsrats- beziehungsweise Geschäftsleitungsmitgliedern über insgesamt 6.000 Aktien kamen zu Kursen zwischen 38,30 und 38,43 Franken hinzu. Die geballten Insider-Käufe signalisieren Vertrauen des Managements in den fundamentalen Wert des Unternehmens – trotz des sichtbaren Kursdrucks.

Q2-Zahlen mit gemischtem Signal

Grundlage der aktuellen Bewertungsdebatte sind die Ende Juli veröffentlichten Zahlen zum zweiten Quartal. Amrize steigerte den Umsatz um 8,6 Prozent auf 3,494 Milliarden Dollar, der Nettogewinn wuchs um 14,4 Prozent auf 476 Millionen Dollar. Das bereinigte EBITDA legte um 5,8 Prozent auf 986 Millionen Dollar zu.

Der bereinigte Gewinn je Aktie von 0,88 Dollar verfehlte jedoch den Analystenkonsens von 0,95 Dollar deutlich. Zugleich hob das Unternehmen seine Jahresprognose an: Der Umsatz soll nun zwischen 12,5 und 12,7 Milliarden Dollar liegen, zuvor waren 12,29 bis 12,52 Milliarden Dollar angepeilt.

Parallel zu den Zahlen kaufte Amrize im zweiten Quartal Aktien im Wert von 197 Millionen Dollar zurück, Teil eines auf 1 Milliarde Dollar angelegten Rückkaufprogramms. Zusätzlich flossen 305 Millionen Dollar an Dividenden, darunter eine Sonderdividende von 0,44 Dollar je Aktie aus dem Mai sowie die reguläre Quartalsdividende von 0,11 Dollar, die am Mittwoch dieser Woche an die Aktionäre ausgezahlt wurde.

Analysten bleiben skeptisch

Die Marktreaktion auf die verfehlte Gewinnschätzung fiel entsprechend aus. RBC Capital Markets stufte die Aktie am 10. August von „Sector Perform“ auf „Underperform“ herab und senkte das Kursziel von 60 auf 48 Dollar. Als Begründung nannten die Analysten Margendruck im gewerblichen Dachgeschäft sowie begrenzte kurzfristige Preisspielräume beim Zement.

Zugleich reduzierte RBC die EBITDA-Prognose für 2026 von 3,298 auf 3,199 Milliarden Dollar. Bank of America folgte am 18. August mit einer Kürzung des Kursziels von 60 auf 50 Dollar.

Expansion trotz Gegenwind

Operativ treibt Amrize seine Wachstumsstrategie unbeirrt voran. Ende Juli schloss das Unternehmen die Übernahme von Rapid Redi-Mix LLC ab, einem wachstumsstarken Betonhersteller in der Region Dallas-Fort Worth. Das Unternehmen mit rund 100 Mitarbeitern bringt moderne Mischanlagen und eine Fahrzeugflotte mit und soll bereits 2026 gewinnsteigernd wirken.

Der Zukauf ergänzt die Expansion des Zementwerks in Midlothian sowie die zuvor erfolgte Übernahme von PB Materials und schafft laut Unternehmensangaben Synergien mit den bestehenden Aggregat- und Zementoperationen in der Region.

Die Aktie notiert derzeit 10 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und 16 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen, dass der mittelfristige Abwärtstrend intakt bleibt, auch wenn operative Kennzahlen und Insider-Aktivität ein anderes Bild zeichnen.

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