Ams Osram Aktie: 40 Millionen Euro weniger Zinskosten

Ams Osram senkt Zinskosten durch neue Milliardenanleihe, während die Aktie nach starkem Kursanstieg unter Bewertungsdruck gerät.

Die Kernpunkte:
  • Neue Anleihe über eine Milliarde Euro
  • Jährliche Zinslast sinkt um 40 Millionen
  • Infineon-Deal noch nicht abgeschlossen
  • Operative Erholung bestätigt sich

Ams Osram liefert gerade zwei Geschichten auf einmal. Operativ läuft es besser, die Bilanz wird entlastet, und der Konzern drückt seine teuren Altlasten. Der Aktienkurs hat diese Erholung aber längst vorweggenommen. Genau dort beginnt die Debatte.

Am Donnerstag notiert die Aktie bei 22,60 Euro und liegt damit 1,74 Prozent im Minus. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 79,37 Prozent.

Seit Jahresanfang hat der Titel sogar 165,88 Prozent gewonnen. Kein Wunder, dass nun stärker über Bewertung als über Turnaround-Fantasie gesprochen wird.

Neue Anleihe senkt die Zinslast

Ams Osram hat vorrangige Schuldverschreibungen über 1 Mrd. Euro platziert. Der Kupon liegt bei 7,250 Prozent, die Laufzeit reicht bis 2032. Wegen hoher Nachfrage stockte der Konzern das Volumen auf.

Mit den Erlösen will Ams Osram zunächst eine ausstehende Anleihe über 750 Mio. Dollar vollständig zurückzahlen. Diese trägt einen deutlich höheren Kupon von 12,250 Prozent.

Ein weiterer Teil fließt in die Rückzahlung einer Euro-Anleihe über 1,025 Mrd. Euro mit 10,500 Prozent Kupon. Die jährlichen Zinszahlungen sollen dadurch um 40 Mio. Euro sinken.

Der Vollzug der Emission wird um den 1. Juni 2026 erwartet. Der Schritt stützt den Plan, ab dem Geschäftsjahr 2027 einen positiven Free Cashflow zu erreichen.

Schuldenabbau hängt auch an Infineon

Die Refinanzierung ist nur ein Teil des größeren Umbaus. Zusätzliche Liquidität soll aus dem geplanten Verkauf des Analog- und Mixed-Signal-Sensorgeschäfts an Infineon für 570 Mio. Euro kommen. Hinzu kommt ein Ushio-Deal über 114 Mio. Euro.

Das Ziel ist klar: Die jährlichen Finanzierungskosten sollen bis 2028 von bis zu 300 Mio. Euro auf unter 150 Mio. Euro sinken. Damit würde der Konzern einen zentralen Belastungsfaktor der vergangenen Jahre spürbar entschärfen.

Noch ist dieser Baustein nicht final. Die Freigabe durch das Bundeskartellamt steht aus.

Infineon würde Sensorprodukte, geistiges Eigentum und rund 230 Mitarbeitende aus Forschung und Entwicklung übernehmen. Bei einer Zustimmung dürfte der Verschuldungsgrad von 3,3 auf rund 2,5 sinken.

Die Entscheidung wird noch im laufenden zweiten Quartal 2026 erwartet. Bis dahin bleibt der Deal ein wichtiger Kurstreiber — und ein offener Punkt in der Bilanzstory.

Operativ besser, Bewertung anspruchsvoller

Die jüngsten Zahlen geben dem Management Rückenwind. Im ersten Quartal erzielte Ams Osram einen Umsatz von 796 Mio. Euro und lag damit über dem unternehmenseigenen Konsens von 779 Mio. Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge erreichte 16,5 Prozent.

Auch im Kerngeschäft zeigt sich mehr Dynamik. Die Marge lag über der Markterwartung von 15,0 Prozent, während das Halbleitergeschäft auf vergleichbarer Basis um rund 8 Prozent wuchs.

Für 2026 bleibt der Ausblick unverändert. Der Umsatz soll wegen Desinvestitionen und Währungseffekten leicht unter Vorjahr liegen, der Free Cashflow inklusive Veräußerungserlösen aber über 300 Mio. Euro. Für 2027 sieht der Konzern erstmals einen Weg zu positivem Free Cashflow.

Nach der starken Kurserholung wird die Messlatte höher. Ein am 26. Mai 2026 veröffentlichter Bericht sieht die Turnaround-Geschichte nach einer Rendite von über 400 Prozent seit dem Tiefpunkt weitgehend eingepreist. Bewertungen oberhalb von 23 Franken gelten dort als anspruchsvoll.

Der Kern der Kritik: Der Markt honoriert Kostensenkungen, Verkäufe und Schuldenabbau bereits stark. Zugleich entfallen durch Asset-Verkäufe auch Umsätze, während Restrisiken bleiben. Zwar überstieg die EBITDA-Marge bereits 18 Prozent, und der Verschuldungsgrad sank unter 2,6-fach. Für weitere Kursgewinne braucht die Aktie nun aber neue Belege.

Der nächste feste Termin ist die Hauptversammlung am 10. Juni. Kommt zuvor oder dort ein positives Signal aus Bonn, hätte Ams Osram einen weiteren Baustein für den Schuldenabbau; ohne Freigabe bleibt die Bewertung nach der Rally schwerer zu verteidigen.

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