Ams Osram Aktie: 570 Millionen Euro von Infineon

ams Osram übertrifft mit Q2-Zahlen die Prognosen und verzeichnet starke Auftragsdynamik. Analysten heben Kursziele an, doch Cashflow und Schulden bleiben Herausforderungen.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz steigt auf 805 Millionen Euro
  • Design-Wins von 1,6 Milliarden Euro
  • Kepler und UBS erhöhen Kursziele
  • Freier Cashflow bleibt negativ

Ein Kurssprung von bis zu 12 Prozent am Tag der Quartalszahlen, tags darauf ein Schlusskurs von 19,95 Euro nach einem weiteren Plus von 7,84 Prozent – ams Osram liefert derzeit genau die Art von Nachrichten, die Anleger nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre hören wollten. Für mich ist die entscheidende Frage nicht, ob die Zahlen gut waren. Sie waren gut. Die Frage ist, ob sie tragfähig sind.

Zahlen, die überzeugen

Am Dienstag legte der Konzern Ergebnisse vor, die das obere Ende der eigenen Prognosespanne übertrafen. Der Umsatz im zweiten Quartal 2026 stieg auf 805 Millionen Euro nach 775 Millionen Euro im Vorjahr. Die bereinigte EBITDA-Marge fiel zwar auf 16,9 Prozent von 18,8 Prozent, blieb damit aber am oberen Rand der Zielspanne von 14 bis 17 Prozent. Für das dritte Quartal stellt der Konzern einen Umsatz zwischen 770 und 870 Millionen Euro sowie eine Marge von 14,5 bis 17,5 Prozent in Aussicht.

Besonders bemerkenswert finde ich die Auftragsdynamik: Allein im zweiten Quartal sammelte ams Osram neue Design-Wins im Volumen von über 1,6 Milliarden Euro ein, für das gesamte erste Halbjahr summiert sich das auf rund 2,5 Milliarden Euro. Design-Wins sind kein sofortiger Umsatz, aber sie sind ein Frühindikator – und dieser Indikator zeigt für ein Unternehmen, das lange als Sanierungsfall galt, überraschend nach oben.

Analysten ziehen nach

Die Reaktion der Analysten kam prompt. Kepler Cheuvreux stufte die Aktie gestern von „Reduce“ auf „Hold“ hoch und hob das Kursziel von 10,50 auf 17,00 Franken an – begründet mit der verbesserten operativen Lage und einer nun angemesseneren Bewertung. UBS bestätigte am selben Tag die Einstufung „Buy“ und erhöhte das Kursziel deutlich von 13,40 auf 20,00 Franken. Dass ein Skeptiker wie Kepler Cheuvreux seine Position räumt und ein bereits positiv gestimmtes Haus wie UBS nachlegt, spricht für mich für eine echte Neubewertung der Story – nicht nur für ein kurzfristiges Kursfeuerwerk.

Die Kehrseite: Cashflow und Schulden

Wer nur auf Umsatz und Marge schaut, übersieht die zweite Hälfte der Wahrheit. Der freie Cashflow verschlechterte sich im zweiten Quartal auf minus 119 Millionen Euro, nach minus 14 Millionen Euro im Vorjahr – belastet durch Transformationskosten und Zinszahlungen. Die Nettoverschuldung lag zum 30. Juni bei 1,288 Milliarden Euro. Das ist kein Alarmsignal, aber es erinnert daran, dass der Konzernumbau Geld kostet, während er Ergebnisse liefert. Genau deshalb hatte ams Osram im Mai eine vorrangige unbesicherte Anleihe über eine Milliarde Euro mit einem Kupon von 7,250 Prozent platziert, fällig 2032 – ein Kupon, der die Finanzierungslast eines Unternehmens im Umbau deutlich macht.

Auf der anderen Seite steht die Entschuldung durch Portfolio-Bereinigung: Anfang Juli schloss Infineon die Übernahme des Geschäfts mit nicht-optischen Analog- und Mixed-Signal-Sensoren final ab, wie Reuters berichtete. Ams Osram flossen dadurch 570 Millionen Euro in bar zu. Das ist für mich der eigentliche strukturelle Fortschritt hinter den Schlagzeilen: Der Konzern verschlankt sich gezielt und nutzt die Erlöse zur Stärkung der Bilanz, statt nur auf organisches Wachstum zu hoffen.

Warum ich vorsichtig optimistisch bleibe

Personell setzt der Aufsichtsrat auf Kontinuität: Am 30. Juli verlängerte er das Mandat von Vorstandschef Aldo Kamper vorzeitig bis 2031. Wenige Tage zuvor, am 28. Juli, unterzeichnete ams Osram zudem eine Markenlizenzvereinbarung mit USHIO Industry & Entertainment für professionelle technische Beleuchtungsprodukte – ein kleiner, aber symptomatischer Baustein der Neuausrichtung.

Der Aktienkurs hat diese Entwicklung längst vorwegnehmen begonnen: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von über 100 Prozent, aktuell notiert das Papier aber noch 25,28 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Diese Lücke zeigt mir, dass der Markt trotz der jüngsten Euphorie noch Zweifel an der Nachhaltigkeit der Erholung hat.

Unterm Strich überwiegen für mich die positiven Signale: Die operative Verbesserung ist real, die Auftragslage stimmt zuversichtlich, und die Bilanzsanierung schreitet voran. Der schwache freie Cashflow und die weiterhin hohe Volatilität mahnen aber zur Nüchternheit. Wer an die Transformationsgeschichte glaubt, findet in den Quartalszahlen und der Analystenreaktion gute Argumente – wer auf schnelle Stabilität wartet, muss sich noch gedulden. Der Termin für die nächste Bewährungsprobe steht bereits fest: am 13. November, wenn die Zahlen zum dritten Quartal vorliegen.

Anzeige

Ams Osram-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Ams Osram-Analyse vom 6. August liefert die Antwort:

Die neusten Ams Osram-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Ams Osram-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 6. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Ams Osram: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Ams Osram