Ams Osram Aktie: 570 Millionen für Infineon-Verkauf
Ams Osram treibt mit Photonik-Technik den Einstieg in KI-Rechenzentren voran und senkt parallel durch Verkäufe die Verschuldung.

- Entwicklungsdeal für KI-Rechenzentren
- Verkauf von Sensorgeschäft an Infineon
- Schuldenabbau um 670 Millionen Euro
- Quartalsumsatz über den Erwartungen
Ein neuer KI-Deal trifft auf eine Aktie, die nach ihrem starken Lauf Luft holt. Ams Osram will seine Photonik-Technik in Rechenzentren bringen. Parallel dazu läuft der Schuldenabbau über Verkäufe weiter.
Die Aktie schloss am Freitag bei 21,50 Euro. Auf Wochensicht verlor sie 17,62 Prozent, seit Jahresanfang liegt sie aber 152,94 Prozent vorn. Kein Wunder, dass die neue KI-Story nun genauer geprüft wird.
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KI-Rechenzentren als neuer Markt
Ams Osram hat eine Entwicklungsvereinbarung mit einem führenden Infrastrukturpartner für KI-Rechenzentren geschlossen. Einen Namen nennt der Konzern nicht. Die Partner wollen optische Verbindungen auf Basis der eigenen Photonik-Technik zur Marktreife bringen. Die Produktentwicklung läuft bereits.
Zunächst geht es um kurze Strecken zwischen Server-Racks. Später könnten Verbindungen innerhalb von Racks sowie Chip-zu-Chip-Kommunikation folgen. Das passt zum Engpass moderner KI-Systeme: Daten müssen schneller fließen, ohne den Energieverbrauch weiter hochzutreiben.
Technisch setzt Ams Osram auf hochparallele Mikro-Emitter-Arrays. Sie sollen Energieeffizienz, Wärmemanagement, Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit verbessern. Damit rückt Digital Photonics stärker ins Zentrum des Konzerns.
Digital Photonics verbindet pixelierte Emitter, Sensoren und Elektronik. Daraus entstehen digital gesteuerte Lichtemission und optisches Sensing. Einsatzfelder reichen von dynamischer Beleuchtung bis zu Hochgeschwindigkeits-Datenkommunikation.
Verkäufe sollen Bilanz entlasten
Parallel zum KI-Vorstoß schiebt Ams Osram den Konzernumbau über Verkäufe an. Infineon Technologies will das nicht-optische Analog- und Mixed-Signal-Sensorportfolio für 570 Millionen Euro übernehmen. Die Transaktion erfolgt schulden- und kassenfrei. Der Abschluss ist für das zweite Quartal 2026 geplant.
Der Deal betrifft Gesellschaften mit rund 130 Millionen Euro an Vermögenswerten. Diese dienen als Sicherheit für Wandelanleihen und Senior Notes. Ams Osram will die Erlöse anteilig für Rückkäufe oder Rückzahlungen dieser Finanzinstrumente nutzen.
Rund 230 Mitarbeiter wechseln im Zuge des Verkaufs zu Infineon. Aus dem Entschuldungsplan erwartet Ams Osram insgesamt rund 670 Millionen Euro. Der Pro-forma-Verschuldungsgrad soll dadurch von 3,3 auf 2,5 sinken.
Auch an anderer Stelle trennt sich der Konzern von Randaktivitäten. Im Mai 2026 vereinbarte Ams Osram den Verkauf des CMOS-Image-Sensor-Geschäfts an indie Semiconductor. Die Gesamtgegenleistung beträgt 40 Millionen Euro, davon 35 Millionen Euro in bar und der Rest als Verkäuferdarlehen.
Quartal stützt den Umbau
Operativ startet Ams Osram besser als erwartet. Der Umsatz im ersten Quartal erreichte 796 Millionen Euro und lag über dem unternehmenseigenen Konsens von 779 Millionen Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge kam auf 16,5 Prozent.
Der Markt hatte mit 15,0 Prozent gerechnet. Das Halbleiter-Kernportfolio wuchs auf vergleichbarer Basis um neun Prozent. Der freie Cashflow lag bei 37 Millionen Euro inklusive Veräußerungserlösen.
Für 2026 hält das Management am Ausblick fest. Der Umsatz dürfte wegen Verkäufen und Währungen leicht sinken. Der bereinigte EBITDA steht im Übergangsjahr durch Einmaleffekte unter Druck.
Der freie Cashflow soll inklusive Verkaufserlösen über 300 Millionen Euro liegen. Dazu kommen die Rückzahlung von Kundenvorauszahlungen und ein deutlich geringeres Factoring. Für 2027 skizziert das Management einen Pfad zu positivem freien Cashflow.
Auf der Hauptversammlung im Juni endet die Amtszeit von Andreas Gerstenmayer und Arunjai Mittal. Beide Sitze im Aufsichtsrat werden neu besetzt. Auf der Agenda stehen auch Abschluss 2025, Entlastung, Prüferwahl 2026 und die Aufhebung eines bedingten Kapitals aus 2017.
Bis zum geplanten Infineon-Abschluss im zweiten Quartal 2026 muss Ams Osram zwei Dinge liefern: eine entlastete Bilanz und sichtbare Fortschritte beim KI-Rechenzentrum-Deal. Genau dort entscheidet sich, ob Digital Photonics mehr wird als ein starkes Zukunftsnarrativ.
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