Ams Osram Aktie: 6,4 Prozent Rückgang nach Kartellamt-Verzögerung
Ams Osram-Aktie fällt nach Kursverdopplung um 6,4 Prozent. Entscheidung des Bundeskartellamts zum Infineon-Deal steht noch aus.

- Aktie verliert 6,4 Prozent
- Kartellamt prüft Infineon-Übernahme
- Schuldenabbau durch Anleihen vorangetrieben
- KI-Photonik als Zukunftsmarkt
Nach einer Kursverdopplung seit Jahresbeginn gibt Ams Osram heute deutlich nach. Die Aktie verliert rund 6,4 Prozent und notiert bei 19,85 Euro — ein harter Rücksetzer vom gestrigen Schlusskurs bei 21,20 Euro. Der Auslöser ist kein Unternehmensschock, sondern eine ausstehende Entscheidung aus Bonn.
Infineon-Deal wartet auf grünes Licht
Seit dem 3. März 2026 prüft das Bundeskartellamt den geplanten Verkauf des nicht-optischen Sensorgeschäfts an Infineon. Der Kaufpreis liegt bei 570 Millionen Euro in bar. Infineon übernimmt Produkte, geistiges Eigentum sowie Test- und Laborausrüstung — Fertigungsanlagen bleiben außen vor. Ein mehrjähriges Lieferabkommen gehört ebenfalls zur Vereinbarung.
Eine Genehmigung hätte spürbare Bilanzwirkung. Der Verschuldungsgrad würde von 3,3 auf rund 2,5 sinken. Für ein Unternehmen, das jahrelang unter seiner Schuldenlast geächzt hat, ist das kein kosmetischer Effekt.
Refinanzierung bereits weit vorangetrieben
Unabhängig vom Kartellamt-Votum hat Ams Osram seine Schuldenstruktur bereits umgebaut. Der Konzern platzierte eine Milliarden-Euro-Anleihe zu 7,25 Prozent Kupon mit Laufzeit bis Mai 2032. Damit löste er eine Dollar-Anleihe mit 12,25 Prozent Zinsen ab. Hinzu kamen weitere 700 Millionen Euro in Euro-Anleihen.
Das Ziel: Die jährlichen Finanzierungskosten sollen bis 2028 von bis zu 300 Millionen Euro auf unter 150 Millionen Euro sinken.
Operative Zahlen stützen den Umbau
Das erste Quartal 2026 lieferte solide Zahlen. Ams Osram erzielte 796 Millionen Euro Umsatz bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 16,5 Prozent. Das Halbleiter-Kerngeschäft wuchs um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders auffällig: Der freie Cashflow drehte auf plus 37 Millionen Euro — nach einem Abfluss von 28 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
Für das zweite Quartal peilt das Unternehmen einen Umsatz zwischen 725 und 825 Millionen Euro an. Die bereinigte EBITDA-Marge soll bei 15,5 Prozent liegen, plus oder minus 1,5 Prozentpunkte. Für das Gesamtjahr 2026 bleibt das Ziel eines freien Cashflows von über 300 Millionen Euro bestehen.
KI-Photonik als nächste Wette
Parallel zum Schuldenabbau positioniert sich Ams Osram im Bereich optischer Verbindungen für KI-Rechenzentren. Gemeinsam mit einem Partner aus dem KI-Infrastrukturmarkt entwickelt das Unternehmen sogenannte Micro-Emitter-Arrays. Diese sollen den Datentransfer zwischen Hochleistungsprozessoren energieeffizienter machen. Finanzchef Rainer Irle nannte hier eine Umsatzchance im hohen dreistelligen Millionenbereich — allerdings erst ab 2030.
Die Zürcher Kantonalbank hatte im Mai darauf hingewiesen, dass hohe KI-Umsätze noch Jahre entfernt sind. Enttäuschungen auf dem Weg dorthin könnten laut der Bank zu heftigen Korrekturen führen.
Trotz des heutigen Rückgangs liegt die Aktie seit Jahresbeginn noch immer rund 134 Prozent im Plus. Das Kartellamt-Votum zum Infineon-Deal wird noch im laufenden Quartal erwartet — und dürfte der nächste konkrete Kursimpuls sein.
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