Ams Osram Aktie: Fitch sieht 6,3er Verschuldung

Trotz Kursrally und Portfolio-Bereinigung stuft Fitch die Verschuldung von Ams Osram deutlich höher ein als der Konzern selbst.

Die Kernpunkte:
  • Verkauf an Infineon erfolgreich abgeschlossen
  • Fitch sieht EBITDA-Leverage bei 6,3
  • Nettoverlust von 154 Millionen Euro im ersten Quartal
  • Sparprogramm „Simplify“ soll bis 2028 entlasten

Ams Osram feiert einen wichtigen Meilenstein. Der Sensor- und Lichtspezialist hat den Verkauf seines nicht-optischen Sensorgeschäfts an Infineon abgeschlossen. Die Ratingagentur Fitch sieht die Lage trotzdem deutlich kritischer, als es die Kursrally vermuten lässt.

Am Freitag legte die Aktie um 7,96 Prozent auf 21,70 Euro zu. Über die vergangenen sieben Handelstage summiert sich der Anstieg auf 14,81 Prozent. Auf Monatssicht steht dennoch ein Minus von 6,06 Prozent zu Buche.

Zwei Verschuldungsquoten, ein Problem

Nach Unternehmensangaben sinkt die Nettoverschuldung im Verhältnis zum EBITDA durch den Infineon-Deal von 3,3 auf rund 2,5. Das klingt nach einem echten Fortschritt.

Fitch rechnet allerdings anders. Die Ratingagentur kommt für Ende 2025 auf einen EBITDA-Leverage von 6,3. Die Kennzahl basiert auf einer strengeren Bilanzierungsmethodik. Sie zeigt: Trotz der Portfolio-Bereinigung bleibt Ams Osram hoch verschuldet.

Das eigentliche Problem liegt nicht bei der Technologie. Es liegt bei den Finanzen. Im ersten Quartal 2026 verbuchte der Konzern einen Nettoverlust von etwa 154 Millionen Euro. Analysten erwarten für das Gesamtjahr 2026 weiterhin einen negativen Gewinn je Aktie. Erst 2027 soll es wieder positive Ergebnisse geben.

Sparprogramm soll die Wende bringen

Das Management setzt auf ein umfassendes Restrukturierungsprogramm namens „Simplify“. Bis 2028 soll es jährliche Einsparungen von rund 200 Millionen Euro liefern. Die bisherigen Veräußerungen sollen zusammen etwa 670 Millionen Euro einbringen.

Das Ziel: ein positiver freier Cashflow im Jahr 2027. Gelingt zugleich eine Erholung im Automobilzyklus, könnte sich das Bild deutlich aufhellen. Auch erste kommerzielle Erfolge in der KI-Photonik oder bei Augmented-Reality-Anwendungen würden helfen. Scheitert eines dieser Elemente, dürfte der Markt schnell wieder Zweifel äußern.

Extreme Schwankungen im Kursverlauf

Der Kurs hat seit Jahresbeginn um 155,29 Prozent zugelegt, auf Zwölfmonatssicht steht ein Plus von 69,00 Prozent. Vom 52-Wochen-Tief bei 7,38 Euro aus dem Dezember 2025 hat sich die Aktie um 194,04 Prozent erholt. Zum bisherigen Jahreshoch von 26,70 Euro aus dem Mai fehlen noch 18,73 Prozent.

Die annualisierte Volatilität von 97,48 Prozent zeigt: Die Schwankungen bleiben hoch. Der RSI von 57,6 signalisiert derzeit keine Überhitzung.

In den kommenden Quartalen dürfte sich zeigen, ob Ams Osram die Lücke zwischen der offiziellen Verschuldungsquote von 2,5 und der Fitch-Schätzung von 6,3 schließen kann. Kostensenkungen, weitere Vermögensverkäufe und Wachstum im Digital-Photonics-Geschäft müssen dafür zusammenspielen. Die nächsten Zahlen werden zeigen, wie tragfähig die Erholungsgeschichte tatsächlich ist.

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