Ams Osram Aktie: Fitch warnt vor 6,3-facher Verschuldung

Trotz milliardenschwerem Sensorgeschäft-Verkauf warnt Fitch vor anhaltend hoher Verschuldung bei Ams Osram. Die Aktie legt dennoch kräftig zu.

Die Kernpunkte:
  • Verkauf des Sensorgeschäfts an Infineon
  • Fitch warnt vor hohem Schuldenstand
  • Nettoverlust von 154 Millionen Euro
  • Kursanstieg von fast 8 Prozent

Ams Osram verkauft sein Sensorgeschäft an Infineon für 570 Millionen Euro in bar. Der Deal soll die Bilanz entlasten. Die Ratingagentur Fitch sieht das jedoch anders: Sie warnt weiterhin vor hoher Verschuldung.

Die Rechnung von Fitch

Ams Osram rechnet nach dem Verkauf mit einer Nettoverschuldung von rund 2,5 im Verhältnis zum EBITDA. Vor dem Deal lag die Kennzahl bei 3,3. Fitch kommt für Ende 2025 auf einen deutlich höheren Wert: 6,3.

Der Unterschied liegt an der Bilanzierungsmethodik. Fitch rechnet strenger. Die Ratingagentur sieht das Unternehmen deshalb trotz der Portfoliobereinigung weiterhin hoch verschuldet.

Verlust bleibt, Wende erst 2027

Im ersten Quartal 2026 verbuchte Ams Osram einen Nettoverlust von rund 154 Millionen Euro. Analysten erwarten für das Gesamtjahr 2026 weiterhin einen negativen Gewinn je Aktie. Erst ab 2027 rechnen sie mit positiven Ergebnissen.

CEO Aldo Kamper nannte den am 1. Juli 2026 abgeschlossenen Verkauf einen entscheidenden Schritt. Die Erlöse fließen direkt in den Schuldenabbau. Parallel dazu soll das Restrukturierungsprogramm „Simplify“ bis 2028 jährliche Einsparungen von rund 200 Millionen Euro bringen. Ab 2027 will das Unternehmen einen positiven freien Cashflow erreichen.

Markt reagiert mit Kurssprung

Trotz der Fitch-Warnung zeigt sich die Aktie robust. Am Freitag schloss das Papier bei 21,70 Euro. Das entspricht einem Plus von 7,96 Prozent an einem einzigen Handelstag. Über sieben Handelstage summiert sich der Anstieg auf 13,91 Prozent.

Seit Jahresbeginn steht ein Kursgewinn von 155,29 Prozent zu Buche. Auf Zwölfmonatssicht beträgt das Plus 73,88 Prozent. Innerhalb von 30 Tagen legte der Kurs um 16,35 Prozent zu.

Von der Schuldenwarnung ist im Kursverlauf bisher wenig zu spüren.

Die Aktie notiert über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 19,64 Euro und ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 12,24 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 26,70 Euro aus dem Mai fehlen noch 18,73 Prozent.

Anleger scheinen das Chart bislang wichtiger zu nehmen als die Bilanzkennzahlen.

Vom 52-Wochen-Tief bei 7,38 Euro aus dem Dezember hat sich der Kurs dagegen um 194,04 Prozent entfernt. Die annualisierte Volatilität liegt bei 96,18 Prozent.

Fokus auf Digital Photonics

Der Verkauf ist Teil einer größeren Neuausrichtung. Ams Osram will sich auf margenstarke Photonik-Geschäfte konzentrieren. Der Bereich „Digital Photonics“ verbindet Lichtemission und Lichtdetektion über pixelbasierte Emitter und Sensoren.

Zielmärkte sind KI-Photonik für Rechenzentren und Display-Technologien für Augmented-Reality-Brillen. Analysten sehen hier erhebliches Umsatzpotenzial, etwa bei Smart Glasses.

Ob die Strategie aufgeht, entscheidet sich an zwei Terminen: dem geplanten positiven freien Cashflow ab 2027 und dem Abschluss des Sparprogramms „Simplify“ bis 2028. Eine Erholung im Automobilzyklus könnte zusätzlich helfen.

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