Ams Osram Aktie: Kartellamt entscheidet über 570-Millionen-Deal

Der Verkauf des Sensorgeschäfts an Infineon steht auf dem Prüfstand des Bundeskartellamts. Die Entscheidung ist entscheidend für den Schuldenabbau von ams-OSRAM.

Die Kernpunkte:
  • Kartellamt prüft 570-Millionen-Deal
  • Schuldenabbau als zentrales Ziel
  • Operatives Geschäft zeigt solide Entwicklung
  • Aktienkurs mit hoher Volatilität

Seit Jahresbeginn hat sich die ams-OSRAM-Aktie mehr als verdoppelt. Das Kursziel für die nächsten Wochen hängt an einer einzigen Behördenentscheidung: dem grünen Licht des Bundeskartellamts für den Verkauf des Sensorgeschäfts an Infineon.

570 Millionen Euro unter Kartellprüfung

Im Februar 2026 kündigte ams-OSRAM an, sein nicht-optisches Analog- und Mixed-Signal-Sensorgeschäft für Automotive, Industrie und Medizin an Infineon zu verkaufen. Der Kaufpreis: 570 Millionen Euro in bar. Rund 230 Mitarbeitende aus Forschung und Entwicklung wechseln mit.

Das Bundeskartellamt prüft den Deal seit dem 3. März 2026. Eine Entscheidung wird noch im laufenden Quartal erwartet. Der Käufer übernimmt Sensorprodukte, geistiges Eigentum sowie Test- und Laborausrüstung — aber keine Fertigungsstätten. Ein mehrjähriges Lieferabkommen mit ams-OSRAM bleibt Teil der Vereinbarung.

Der größte Hebel im Entschuldungsplan

Für ams-OSRAM geht es um mehr als einen Portfolio-Tausch. Der Konzern will seine jährlichen Finanzierungskosten bis 2028 von bis zu 300 Millionen Euro auf unter 150 Millionen Euro drücken. Der Infineon-Deal ist der wichtigste Einzelschritt dabei.

Bei positiver Kartellentscheidung sinkt der Verschuldungsgrad von 3,3 auf rund 2,5. Vorarbeit hat der Konzern bereits geleistet: Eine Dollar-Anleihe mit 12,25 Prozent Zinsen löste er ab und ersetzte sie durch neue Papiere — eine Milliarde Euro zu 7,25 Prozent sowie weitere 700 Millionen Euro in Euro-Anleihen. Ende März verfügte ams-OSRAM über liquide Mittel von 1,317 Milliarden Euro.

Operative Basis stimmt, Wachstumswette läuft

Das erste Quartal 2026 lief solide. Der Umsatz von 796 Millionen Euro traf das obere Ende der Prognose. Die bereinigte EBITDA-Marge lag bei 16,5 Prozent. Das Kernportfolio wuchs auf vergleichbarer Basis um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Am 10. Juni stimmte die Hauptversammlung allen Tagesordnungspunkten zu — mit Quoten zwischen 83,65 und 100 Prozent. Kein Gegenwind aus dem Aktionärskreis also.

Parallel baut ams-OSRAM sein neues Profil auf. Nach dem Sensorverkauf bleibt ein reines Digital-Photonics-Unternehmen. Eine Entwicklungsvereinbarung mit einem Rechenzentrum-Infrastrukturpartner soll optische Verbindungen für KI-Anwendungen kommerzialisieren. Für das Gesamtjahr 2026 plant der Konzern einen freien Cashflow von über 300 Millionen Euro — inklusive Verkaufserlösen.

Kurs mit Luft nach oben und nach unten

Die Aktie notiert bei 18,80 Euro — ein Jahresplus von 121 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch von 26,70 Euro, Ende Mai erreicht, liegt noch rund 30 Prozent entfernt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 134 Prozent zeigt, wie heftig der Kurs auf Restrukturierungsnachrichten reagiert.

Kommt das Kartellamt zu einem positiven Urteil, liefert ams-OSRAM den wichtigsten Beweis für seinen Sanierungsplan. Scheitert der Deal oder verzögert er sich, gerät der gesamte Zeitplan zur Halbierung der Zinskosten unter Druck.

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