ams-OSRAM Aktie: Wolfram-Sparte an Elmet verkauft
Die neue VCSEL-Plattform für KI-Rechenzentren und ein höheres Jefferies-Kursziel stützen ams-OSRAMs Erholung; der Verkauf der Wolfram-Sparte ist vereinbart.

- Aktie steigt um 9,2 Prozent
- Jefferies hebt Kursziel auf 25,50 Franken
- VCSEL-Plattform für KI-Rechenzentren vorgestellt
- Wolfram-Sparte an Elmet verkauft
Lange Zeit galt der Halbleiterkonzern ams-OSRAM am Markt als ewiger Sanierungsfall, belastet von teuren Übernahmen und zähen Restrukturierungen. Doch dieses Bild wandelt sich gerade mit bemerkenswerter Geschwindigkeit.
Nach der Vorstellung einer neuen Technologie für optische Verbindungen in Rechenzentren und der prompten Bestätigung durch Marktbeobachter drängt sich ein klares Urteil auf: Die operative Wende ist kein theoretisches Versprechen mehr, sondern gewinnt rasch an Substanz.
Am gestrigen Mittwoch legte der Titel im Handel um 9,2 Prozent auf 24,80 Euro zu. Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier damit ein Kursplus von 195 Prozent. Hinter dieser massiven Neubewertung steckt mehr als die allgemeine Euphorie rund um Künstliche Intelligenz. Bei ams-OSRAM greifen strategische Fokussierung und technologische Relevanz erstmals seit Jahren wieder schlüssig ineinander.
Optische Schnittstellen als neuer Hebel
Den entscheidenden Impuls lieferte der Auftritt auf der Branchenkonferenz ECOC in Málaga am Montag. Dort demonstrierte der Konzern eine 850-Nanometer-Plattform auf Basis von Dünnschicht-VCSELs für die optische Datenübertragung in KI-Rechenzentren, ergänzt um eine steckerbasierte Multicore-Faserlösung und ein Partner-Netzwerk. Medienberichten zufolge schoss die Notierung an der Schweizer Börse daraufhin am Montag um knapp 23 Prozent nach oben.
Für mich ist diese Resonanz vollkommen nachvollziehbar. Die rasant wachsende Rechenlast moderner KI-Modelle stößt bei herkömmlichen Kupferverbindungen an physikalische Grenzen bei Energieverbrauch und Latenz.
Wer hier erprobte optische Lösungen im industriellen Maßstab liefern kann, besetzt einen neuralgischen Punkt im modernen Serverbau. Die Technologiepräsentation zeigt, dass ams-OSRAM nicht nur Zulieferer für traditionelle Nischen bleibt, sondern die anspruchsvollsten Architekturen der Gegenwart direkt adressiert.
Rückenwind durch Analysten und Portfoliobereinigung
Dass diese Perspektive trägt, untermauerte gestern das Analysehaus Jefferies. Analyst Janardan Menon hob das Kursziel für die Aktie von 21,00 auf 25,50 Schweizer Franken an und behielt die Einstufung „Buy“ bei.
Menon sieht den Konzern mit der neuen VCSEL-Laser-Lösung stark aufgestellt, um sowohl von vertikaler als auch von horizontaler Skalierung in Rechenzentren zu profitieren. Ein solches Votum eines renommierten Branchenbeobachters verleiht der jüngsten Erholungsbewegung zusätzliches Gewicht.
Zugleich zeigt der Blick auf das operative Fundament, dass der Konzernumbau bei ams-OSRAM – vor rund zwei Wochen noch Gegenstand vorsichtiger Markteinschätzungen – planmäßig voranschreitet. Die Fokussierung auf hochmargige Halbleiterbereiche wird konsequent durchgezogen: ams-OSRAM verkauft die Wolfram-Sparte an Elmet, wie vor rund zwei Wochen bekannt wurde.
Die endgültige Vereinbarung zum Verkauf der Wolfram- und Molybdän-Produktionsbetriebe im bayerischen Schwabmünchen an The Elmet Group soll im ersten Quartal 2027 abgeschlossen werden, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Solche Schritte schaffen jene finanzielle und operative Klarheit, die dem Unternehmen lange gefehlt hat.
Hohe Dynamik verlangt Disziplin
Unterm Strich spricht derzeit sehr vieles für den Konzern. Im zweiten Quartal 2026 erzielte ams-OSRAM bei einem Umsatz von 805 Millionen Euro eine bereinigte EBITDA-Marge von 16,9 Prozent und verbuchte Design-Wins von mehr als 1,6 Milliarden Euro.
Für das dritte Quartal peilt das Management Erlöse zwischen 770 und 870 Millionen Euro bei einer Marge von rund 16 Prozent an. Die operative Basis stabilisiert sich also spürbar.
Dennoch sollten engagierte Anleger die Risiken nicht vollständig ausblenden. Nach der beispiellosen Rallye der vergangenen Monate ist die Erwartungslatte deutlich gestiegen. Jeder operative Rückschlag bei den anstehenden Produkteinführungen oder Verzögerungen im margenstarken Kerngeschäft könnten zwischenzeitlich für Ernüchterung sorgen.
Die Richtung stimmt jedoch: ams-OSRAM hat den Wandel vom krisengeplagten Sorgenkind zum aussichtsreichen Technologiezulieferer im Zukunftsmarkt der KI-Infrastruktur eingeleitet. Die Chancen überwiegen die Risiken derzeit deutlich.
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