ams-OSRAM vor dem Portfolio-Umbau: Wie tragfähig ist die Wette auf die Halbleiter-Kernsparte?

ams-OSRAM treibt den Verkauf von Randgeschäften voran, erwartet 2026 jedoch negativen Cashflow und muss die Margenprognose für das dritte Quartal bestätigen.

Die Kernpunkte:
  • Elmet übernimmt Standort in Schwabmünchen
  • Infineon-Kauf brachte 571 Millionen Euro
  • Drittes Quartal mit Umsatzprognose
  • 2026 bleibt der Cashflow negativ

Ausgangslage

Mit dem heute vermeldeten Verkauf der Wolfram- und Molybdän-Fertigung in Schwabmünchen an die Elmet Group setzt ams-OSRAM seine Portfoliobereinigung fort. Die Tochtergesellschaft Elmet Technologies GmbH übernimmt den Standort, der Abschluss ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen und steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen.

Für Anleger ist das der jüngste Baustein einer Strategie, die das Unternehmen seit Monaten verfolgt: Randgeschäfte abstoßen, Kapital freisetzen, sich auf das Kerngeschäft mit optischen Halbleitern konzentrieren.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Erst zum 1. Juli hatte ams-OSRAM das nicht-optische Analog- und Mixed-Signal-Sensorgeschäft für 571 Millionen Euro in bar an Infineon Technologies verkauft. Die Metall-Sparte in Schwabmünchen war mit dem Kerngeschäft aus Photonik und Sensorik ohnehin kaum verbunden.

Die Aktie hat seit Jahresanfang um 133% zugelegt und notiert aktuell rund 26% unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 26,70 Euro. Die Frage, die sich daraus ergibt, ist keine kurzfristige: Trägt das verschlankte Geschäftsmodell die hohe Bewertung, die der Markt bereits eingepreist hat?

Die entscheidende Frage

Der zentrale Faktor ist die Entwicklung der adjusted EBITDA-Marge im Übergangsjahr 2026. Im zweiten Quartal erreichte sie 16,9% – am oberen Ende der eigenen Guidance –, während das Core-Semiconductor-Geschäft um 13% wuchs. Für das dritte Quartal stellt das Unternehmen einen Umsatz zwischen 770 und 870 Millionen Euro sowie eine Marge von rund 16% (±1,5 Prozentpunkte) in Aussicht.

Gleichzeitig rechnet ams-OSRAM für das Gesamtjahr mit einem negativen freien Cashflow von 300 Millionen Euro, ohne die Erlöse aus den Verkäufen. Ob die operative Marge trotz der Divestment-bedingten Umsatzverkleinerung stabil bleibt, entscheidet, ob der eingeschlagene Kurs als Wertschöpfung oder als reine Bilanzkosmetik gelesen wird.

Bullisches Szenario

Für Optimisten sprechen mehrere Fakten. Die Design-Wins im Halbleitergeschäft summierten sich im ersten Halbjahr auf rund 2,5 Milliarden Euro, davon allein mehr als 1,6 Milliarden Euro im zweiten Quartal – ein Indiz für anhaltende Nachfrage in den kommenden Jahren. Parallel baut das Unternehmen mit dedizierten Digital-Photonics-Einheiten und microLED-Lichtmodulen für AR-Brillen neue Wachstumsfelder auf, ergänzt um Photodioden-Arrays für optische Datencenter-Verbindungen.

Die im zweiten Quartal platzierten Senior Notes über 1 Milliarde Euro zu 7,25% senken die jährlichen Zinskosten um rund 40 Millionen Euro und verschaffen finanziellen Spielraum. Das „Simplify“-Programm soll bis 2026 Einsparungen von 30 Millionen Euro und bis 2027 von 100 Millionen Euro liefern, bei gleichzeitig gesunkenen Restrukturierungskosten von 150 auf 120 Millionen Euro. Die Verlängerung des Vertrags von CEO Aldo Kamper ab dem 1. Oktober signalisiert zudem Kontinuität in der Führung während der Transformationsphase.

Bärisches Risiko

Dem stehen ernstzunehmende Risiken gegenüber. Der negative freie Cashflow von 300 Millionen Euro für das laufende Jahr zeigt, dass die operative Substanz noch nicht selbsttragend ist – die Divestment-Erlöse überbrücken das, ersetzen aber keine nachhaltige Innenfinanzierung.

Die geplante Rückkaufofferte über 120 bis 150 Millionen Euro für Wandelanleihen und Anleihen soll erst innerhalb von 120 Tagen nach dem Infineon-Closing erfolgen, ein Termin, der noch aussteht. Zudem bleibt die Guidance für das Gesamtjahr von Einmaleffekten des Übergangsjahres belastet, was die Marge kurzfristig drückt.

Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 59% bleibt der Kurs zudem anfällig für scharfe Ausschläge, sollte die Quartalsguidance verfehlt werden. Die Aktie notiert bereits gut 3% über ihrem 50-Tage-Durchschnitt und rund 40% über dem 200-Tage-Durchschnitt – ein Bewertungsniveau, das wenig Toleranz für Enttäuschungen lässt.

Ausblick

Solange ams-OSRAM die Margen-Guidance von rund 16% im dritten Quartal erreicht und die Design-Win-Pipeline sich in tatsächliche Umsätze übersetzt, dürfte der Markt die Portfoliobereinigung als werttreibend goutieren.

Kippt die Marge unter die kommunizierte Bandbreite oder verzögert sich der Wechsel zu positivem Cashflow, den das Unternehmen für 2027 in Aussicht stellt, droht eine Neubewertung der hohen Kursgewinne des laufenden Jahres.

Der nächste konkrete Prüfstein ist die Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Quartal, die zeigen wird, ob die Guidance-Spanne von 770 bis 870 Millionen Euro Umsatz eingehalten wird. Bis dahin bleibt der Abschluss der Elmet-Transaktion, für den das erste Quartal 2027 vorgesehen ist, ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur schlankeren, aber noch nicht vollständig bewiesenen Kernstruktur.

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