Anglo American Aktie: Warnt EU vor Nickelverkaufs-Blockade
Anglo American verteidigte den geplanten Minenverkauf; zugleich erreichte erstmals entsalztes Wasser die chilenische Kupfermine Los Bronces.

- EU-Prüfer stellen Nickelverkauf infrage
- Minen könnten bei Blockade schließen
- Meerwasser erreicht Los Bronces erstmals
- Deutsche Bank erhöht Kursziel auf 4.700 Pence
Der geplante Verkauf des brasilianischen Nickelgeschäfts von Anglo American an den Rohstoffkonzern MMG stößt auf erheblichen Widerstand der europäischen Wettbewerbshüter. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters warnte Anglo American die EU-Behörden am Donnerstag bei einer Anhörung eindringlich vor den Folgen einer Blockade.
Sollte die 500 Millionen $ schwere Transaktion untersagt werden, bliebe dem Bergbaukonzern kaum eine andere Wahl, als die betroffenen Minen in den Wartungsbetrieb zu versetzen, was letztlich auf eine Schließung hinauslaufen dürfte.
Käufer MMG wies die Bedenken der Aufsicht ebenfalls zurück. Das Unternehmen warf den europäischen Kartellwächtern vor, Belege zu ignorieren, wonach die Übernahme die Versorgung Europas nicht gefährde und keine Lieferungen nach China umgeleitet würden. Anglo American verteidigte die geplante Veräußerung bei der Anhörung gemeinsam mit MMG.
Geopolitische Hürden für Großprojekte
Die Hängepartie um das brasilianische Nickelgeschäft reiht sich ein in mehrere komplexe Genehmigungsverfahren des Rohstoffriesen. CEO Duncan Wanblad bezeichnete am Mittwoch sowohl den Verkauf der Nickelaktivitäten als auch die geplante Großfusion mit Teck Resources im Volumen von 54 Milliarden $ als Härtetests im Umgang mit geopolitischen Spannungen. Beide Vorhaben erfordern die Zustimmung internationaler Aufseher unter verschärften politischen Rahmenbedingungen.
Für den Zusammenschluss mit Teck Resources steht insbesondere die Genehmigung aus China noch aus. Medienberichten zufolge forderten chinesische Kartellbehörden Anfang Oktober Zusagen für eine verlässliche Belieferung des Landes mit Kupferkonzentrat als Bedingung für grünes Licht. Anglo American betonte dazu, konstruktiv mit der Behörde zusammenzuarbeiten. Beide Konzerne streben den Abschluss der Transaktion bis März 2027 an.
Fortschritte bei Kupfer und Analystenlob
Abseits der behördlichen Hängepartien vermeldete das Unternehmen operative Fortschritte bei seinen südamerikanischen Kernaktivitäten. Am Donnerstag erreichte erstmals entsalztes Meerwasser die chilenische Kupfermine Los Bronces.
Im Rahmen einer Vereinbarung mit Aguas Pacífico kann der Standort mit bis zu 500 Litern Wasser pro Sekunde versorgt werden. Dies stützt das Ziel von Anglo American, bis zum Jahr 2030 vollständig auf frisches Wasser in den dortigen Abbauprozessen zu verzichten.
Zuspruch gab es auch von Analystenseite. Die Deutsche Bank hob am Mittwoch ihr Kursziel für den Bergbautitel von 4.500 Pence auf 4.700 Pence an und behielt ihre Kaufempfehlung bei.
An der Börse beendete die Aktie den Handel am gestrigen Freitag mit einem Minus von 1,0 Prozent bei 883,09 ZAR. Damit beläuft sich die Marktkapitalisierung des Konzerns umgerechnet auf 50,81 Milliarden Euro. Die kommenden Monate dürften nun maßgeblich davon abhängen, ob die Kartellbehörden in Brüssel und Peking den weitreichenden Umbauplänen des Managements zustimmen.
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