Anthropic Aktie: Bewertung ohne Boden
Abschwächendes Umsatzwachstum, hohe Kosten und Kundenkonzentration prägen die Debatte über Anthropic-Bewertung und geplanten Börsengang.

- Bewertungsspanne von 1,5 bis zwei Billionen Dollar
- Umsatzplus im dritten Quartal: 45 Prozent
- Mehr als 750 Milliarden Dollar Cloud-Kosten möglich
- Zwei Kunden erzielen rund ein Fünftel der Erlöse
Der geplante Börsengang von Anthropic rückt näher, doch über den Preis herrscht keine Einigkeit. Potenzielle Investoren nennen Bewertungen zwischen 1,5 und 2 Billionen Dollar. Die Vermarktung könnte in der Woche ab dem 9. November beginnen.
Zwei Lager, eine Wachstumsdelle
Nach einem Investorentag in San Francisco am 14. Oktober rückten einige Geldgeber von der Marke von 2 Billionen Dollar ab und diskutieren eher rund 1,5 Billionen. Andere halten weiterhin 1,8 bis 2 Billionen für angemessen.
Der Grund für die Zurückhaltung: Das Wachstum verliert an Tempo. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 45 Prozent auf 16,8 Milliarden Dollar, bei einem bereinigten Gewinn. Im zweiten Quartal hatte sich der Umsatz noch mehr als verdoppelt.
Selbst die vorsichtigere Marke läge deutlich über der letzten privaten Bewertung. Die Series-H-Runde im Mai brachte 65 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar ein.
Rechnung mit hohen Fixkosten
Ein geleakter S-1-Entwurf zeichnet zudem ein Bild der Kostenseite. Demnach könnte Anthropic mehr als 750 Milliarden Dollar für Cloud-Verträge ausgeben, einschließlich noch verhandelter Vereinbarungen.
Zugleich fällt es dem Unternehmen offenbar schwer, genügend Kapazität bei AWS, Google und Microsoft zu sichern, weil diese Anbieter es zunehmend als Konkurrenten sehen. Anthropic least deshalb eigene Rechenzentren und arbeitet mit Drittbetreibern zusammen.
Im ersten Halbjahr 2026 stand einem Umsatz von 16,3 Milliarden Dollar ein Nettoverlust von 80,7 Milliarden Dollar gegenüber. Zwei Kunden stehen für rund ein Fünftel der Erlöse. Diese Konzentration dürfte Investoren beschäftigen.
Schmidt als Gradmesser
Wie weit die Preise binnen weniger Jahre gestiegen sind, zeigt das Beispiel von Eric Schmidt. Der frühere Google-Chef hält rund 1 Prozent an Anthropic und stieg 2021 mit einem zweistelligen Millionenbetrag in die Series A ein. Damals lag die Bewertung bei 461 Millionen Dollar.
Am oberen Ende der diskutierten Spanne würde sein Nettovermögen um rund ein Drittel auf knapp 80 Milliarden Dollar steigen. Ob er seit dem Einstieg Anteile verkauft hat, ist unklar.
Zeitplan
Der S-1-Prospekt soll Berichten zufolge schon am Freitag öffentlich eingereicht werden. Ein Handelsstart vor Thanksgiving gilt als möglich, spätestens zum Jahresende soll die Notierung stehen. Anthropic strebt ein Volumen an, das den Rekord-Börsengang von SpaceX im Juni erreicht oder übertrifft. Mit dem Start der Vermarktung dürfte auch die Preisspanne feststehen, und damit zeigt sich, welches Lager recht behält.
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