Anthropic Aktie: Bewertung unter Druck
Verlangsamtes Umsatzwachstum und hohe Ausgaben prägen die Gespräche über Anthropics mögliche Bewertung beim geplanten Börsengang.

- Investoren erwägen rund 1,5 Billionen Dollar
- Quartalsumsatz wächst um 45 Prozent
- Operativer Verlust über acht Milliarden Dollar
- METR prüft Sicherheitsrisiken unabhängig
Beim geplanten Börsengang im November rückt eine Bewertung von 2 Billionen Dollar offenbar in weite Ferne. Einige Investoren, die am Investorentag teilnahmen, diskutieren nun rund 1,5 Billionen Dollar. Auslöser sind die jüngsten Finanzzahlen.
Wachstum verlangsamt sich
Anthropic berichtete den potenziellen Zeichnern für das dritte Quartal einen Umsatz von 16,8 Milliarden Dollar, ein Plus von 45 Prozent zum Vorquartal. Auf bereinigter Basis schrieb das Unternehmen schwarze Zahlen. Das klingt stark.
Allerdings hatte sich der Umsatz im zweiten Quartal gegenüber dem ersten noch mehr als verdoppelt, auf 11,6 Milliarden Dollar. Einige Investoren zeigten sich vom abgeflachten sequenziellen Wachstum enttäuscht. Bei einer Bewertung, die auf anhaltend extremem Tempo beruht, wiegt das schwer.
Hinzu kommt das Marktumfeld. Ein Ausverkauf im Technologiesektor belastet derzeit KI-Infrastrukturwerte, Chiphersteller und Anbieter von Rechenleistung. Aktien und Anleihen von CoreWeave gaben am Donnerstag nach. Für ein Unternehmen, das seine Bewertung gerade verhandelt, ist das kein günstiger Zeitpunkt.
Verluste und Verpflichtungen
Der Blick auf 2025 erklärt die Skepsis zusätzlich. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr auf das Zwölffache, auf knapp 4,6 Milliarden Dollar. Operativ stand dennoch ein Verlust von mehr als 8 Milliarden Dollar, ohne Abschreibungen auf Verbindlichkeiten, die meist mit früheren Finanzierungsrunden zusammenhängen.
Dazu kommen langfristige Zusagen: Mindestens 518 Milliarden Dollar will Anthropic über ein Jahrzehnt für Cloud, Rechenleistung und Infrastruktur ausgeben. Google und Amazon sind dabei zugleich Investoren, Lieferanten und Vertriebspartner.
Unabhängige Sicherheitsprüfung
Parallel dazu setzt das Unternehmen auf Transparenz bei der KI-Sicherheit. Die Non-Profit-Organisation METR, die Spitzenmodelle bewertet, erhielt Zugang wie ein Mitarbeiter. Sechs METR-Beschäftigte arbeiten mit Firmenhardware, Büroplätzen und internen Werkzeugen.
METR veröffentlicht seine Analyse zu Risiken, Vorfällen und Praktiken ohne Vetorecht von Anthropic. Schwärzungen darf das Unternehmen nur bei Kundendaten, anwaltlich geschützten Informationen und Details zur Modellarchitektur verlangen. SecureBio prüft bereits das Kapitel zu chemischen und biologischen Waffen im Risikobericht vom August.
Der nächste Prüfstein ist der Börsengang selbst: Im November entscheidet sich, ob Anthropic sich eher bei 2 Billionen oder näher an 1,5 Billionen Dollar platziert.
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