Anthropic Aktie: Dario Amodei erhält Sonderstimmrechte

Anthropic rüstet sich für den Börsengang: Gründer erhalten Sonderstimmrechte, der Umsatz wächst rasant und eine Milliardenübernahme steht bevor.

Die Kernpunkte:
  • Gründer sichern sich Sonderstimmrechte
  • Umsatzsprung auf 11,5 Mrd. Dollar
  • Übernahme von Decart AI geplant
  • Rechenzentrumsdeal mit Riot Platforms

Anthropic bereitet den Börsengang vor und ordnet dabei seine Machtstruktur neu. Wie The Information, Bloomberg und Reuters berichten, sollen Mitgründer Dario Amodei und weitere Gründungsmitglieder vor dem IPO Aktien mit erhöhtem Stimmrecht erhalten.

Ziel ist es, das Management von externem Aktionärsdruck abzuschirmen. Bemerkenswert: Amodei hält nach diesen Berichten selbst nur rund zwei Prozent des Unternehmens, soll aber über die Sonderaktien überproportionalen Einfluss behalten.

Kontrollstruktur wird enger gefasst

Parallel zur Stimmrechts-Neuordnung verkleinert sich das Aufsichtsgremium des Unternehmens. Der Long-Term Benefit Trust, der als Kontrollinstanz über ethische und sicherheitsrelevante Fragen wacht, zählt künftig nur noch drei Treuhänder: Neil Buddy Shah, Richard Fontaine und Ben Bernanke.

Mariano-Florentino Cuéllar war Anfang August aus dem Gremium ausgeschieden, um als Chief Global Affairs Officer bei Anthropic einzusteigen, wie das Unternehmen selbst mitteilte.

Für Investoren, die auf den erwarteten Börsengang im Oktober schauen, ist diese Struktur keine Nebensache. Laut Financial Times rechnen Investoren mit einer Bewertung von zwei Billionen Dollar oder mehr.

Eine Aktienklasse mit verstärkten Stimmrechten für die Gründer würde neuen Anteilseignern von Beginn an begrenzten Einfluss auf strategische Entscheidungen sichern – ein Modell, das von anderen Tech-Konzernen beim Gang an die Börse bekannt ist, hier aber besonders früh und explizit kommuniziert wird.

Geschäftszahlen liefern Rückenwind

Die Personalie fällt in eine Phase starken operativen Wachstums. Bloomberg berichtete Mitte August, dass Anthropic im zweiten Quartal 2026 einen vorläufigen Umsatz von mehr als 11,5 Milliarden Dollar erzielte, verglichen mit 787 Millionen Dollar im entsprechenden Vorjahresquartal und 4,73 Milliarden Dollar im ersten Quartal 2026. Zugleich habe das Unternehmen erstmals ein positives bereinigtes operatives Ergebnis ausgewiesen. Laut Wall Street Journal übertrafen die Erlöse im zweiten Quartal 2026 erstmals die von OpenAI.

Die annualisierte Umsatzrate lag Ende Juli bei mehr als 65 Milliarden Dollar, nach 47 Milliarden Dollar im Mai, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten. Investoren rechnen für das Gesamtjahr 2026 mit Erlösen zwischen 100 und 120 Milliarden Dollar.

Expansion durch Zukäufe und Infrastruktur

Das Wachstumstempo spiegelt sich auch in der Investitionstätigkeit wider. Bloomberg berichtete am 13. August über Gespräche zur Übernahme von Decart AI für rund sechs Milliarden Dollar – die bislang größte bekannte Akquisition des Unternehmens.

Decart AI entwickelt Software, die das Training und den Betrieb von KI-Modellen effizienter machen soll, indem sie die Chip-Auslastung verbessert. Der Deal ist laut den Berichten noch nicht abgeschlossen und könnte scheitern.

Zusätzlich sicherte sich Anthropic Rechenkapazität: Mit dem Bitcoin-Miner Riot Platforms, der zunehmend KI-Rechenzentrumskapazität vermarktet, wurde eine über 20 Jahre laufende Vereinbarung über 191 Megawatt am Standort Rockdale in Texas geschlossen.

Das Volumen wird laut Unternehmensangaben von Riot Platforms sowie Berichten von Bloomberg und CNBC auf 9,1 Milliarden Dollar beziffert, bei Verlängerung um zwei weitere Fünfjahresperioden auf bis zu 16,1 Milliarden Dollar.

Vorsichtigere Töne bei Sicherheitsrisiken

Nicht alle Nachrichten der vergangenen Wochen betreffen Wachstum. Laut Axios verzichtet Anthropic vorerst auf die Veröffentlichung eines internen, offenbar leistungsfähigeren Nachfolgemodells namens „Model 2“, ohne die Entwicklung insgesamt zu verlangsamen.

Zudem hob das Unternehmen seine interne Risikoeinschätzung für Fehlausrichtung in kritischen Situationen von „sehr niedrig“ auf „niedrig“ an und begründete dies mit jüngsten Cybersicherheitsvorfällen. Für den geplanten Börsengang dürfte diese Selbsteinschätzung ein Thema bleiben, das Investoren bei der Bewertung von Governance und Risiko im Blick behalten.

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