Anthropic Aktie: Fable 5 und Mythos 5 weltweit deaktiviert
US-Exportverfügung zwingt Anthropic zur Abschaltung seiner Top-KI-Modelle. Der Konflikt belastet die IPO-Pläne des Unternehmens.

- Globale Deaktivierung von Fable 5 und Mythos 5
- US-Regierung beruft sich auf Export Control Reform Act
- Sicherheitslücke durch Amazon-Forscher entdeckt
- IPO-Vorbereitungen durch Streit belastet
Die US-Regierung und Anthropic sind im Clinch. Grund ist eine Exportverfügung, die das KI-Unternehmen zu einem drastischen Schritt zwang: der weltweiten Abschaltung seiner Flaggschiff-Modelle Fable 5 und Mythos 5. Gespräche in Washington endeten am Montag ohne eine Einigung.
Die Aktualität des Konflikts ist brisant. Denn Anthropic bereitet einem Bericht zufolge gerade seinen Börsengang vor. Der Streit mit dem Staat trifft das Unternehmen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.
Sicherheitslücke als Zünder
Auslöser ist eine Verfügung des US-Handelsministeriums vom 12. Juni. Die Behörde berief sich erstmals auf den Export Control Reform Act von 2018. Offizielle Begründung: Die KI-Modelle könnten von ausländischen Militärgeheimdiensten in China oder Russland missbraucht werden. Deshalb wurde der Zugang für Nicht-US-Bürger beschränkt.
Anthropic reagierte mit der globalen Deaktivierung beider Modelle. Das Verfahrensschreiben folgte auf Berichte über eine Sicherheitslücke. Forscher des Investors Amazon hatten sie entdeckt. Amazon-CEO Andy Jassy eskalierte den Fall direkt an Finanzminister Scott Bessent und Handelsminister Howard Lutnick.
Streit um Verhältnismäßigkeit
Die US-Regierung sieht die Maßnahmen als notwendigen Schutz nationaler Sicherheitsinteressen. Anthropic hält dagegen: Die Schwachstelle sei schmal und nicht universell. Vergleichbare Funktionen böten andere Modelle wie OpenAI‘s GPT-5.5. Die Beschränkungen seien daher unverhältnismäßig.
Über 100 Cybersicherheitsexperten – darunter Fachleute von Nvidia und Adobe – fordern öffentlich die Aufhebung der Exportauflagen. Auch Politik-Analysten des Cato Institute kritisieren die mangelnde Transparenz und rechtliche Grundlage des Vorgehens. Sie sehen einen gefährlichen Eingriff in die Softwareentwicklung und ein neues Regulierungsrisiko für den gesamten Technologiesektor.
Ein Präzedenzfall für die KI-Branche
Das Verhältnis zwischen Anthropic und der US-Regierung war bereits zuvor angespannt. Das Pentagon hatte das Unternehmen auf eine schwarze Liste gesetzt – wegen Lieferkettenrisiken und früherer Meinungsverschiedenheiten über den Einsatz von KI.
Die Branche beobachtet den Fall genau. Er könnte als Präzedenzfall dienen, wie weit der Staat künftig in die private KI-Entwicklung eingreifen darf. Fable 5 und Mythos 5 bleiben vorerst offline. Anthropic sucht weiter nach einer Lösung zwischen technologischen Zielen und Regierungsauflagen.
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