Anthropic Aktie: METR schätzt Tempo auf etwa das Doppelte

METR schätzt Anthropics Modellfortschritte als beschleunigt ein; Unsicherheiten bei der Messung und Sicherheitskontrollen bleiben zentrale Prüfpunkte.

Die Kernpunkte:
  • METR schätzt fast doppelte Entwicklungsgeschwindigkeit
  • Benchmark-Zuwachs steigt von 15 auf 29 Punkte
  • Anthropic meldet keine überschrittene Sicherheitsschwelle
  • Claude verfasste im September über 90 Prozent des Codes

Anthropic entwickelt seine KI-Systeme nach Einschätzung der Forschungsgruppe METR inzwischen etwa doppelt so schnell wie zuvor. Die gestern veröffentlichte Analyse rückt vor dem geplanten Börsengang die Sicherheitskontrollen des Unternehmens in den Mittelpunkt.

Schnellere Entwicklung kann Anthropic stärken, sofern die Schutzmaßnahmen mit den Fortschritten Schritt halten. Genau vor einem Auseinanderlaufen dieser beiden Entwicklungen warnt das Unternehmen selbst im überarbeiteten Börsenprospekt.

Externe Prüfung sieht deutliche Beschleunigung

Anthropic hatte METR eingeladen, interne Daten zu prüfen und Mitarbeiter zu befragen. Nach Angaben der Forschungsgruppe verbessern sich die Fähigkeiten der Modelle bei klar definierten Aufgaben wahrscheinlich etwa doppelt so schnell wie im Vergleichszeitraum von März 2024 bis Oktober 2025. METR führt diese Entwicklung wahrscheinlich auf die umfangreiche Nutzung von KI in Forschung und Entwicklung zurück.

Bei den untersuchten AECI-Benchmarkwerten schätzte METR den jährlichen Zuwachs auf etwa 29 Punkte. Zuvor waren es 15 Punkte gewesen. Daraus ergibt sich nach Einschätzung der Forschungsgruppe eine Beschleunigung um das 1,9-Fache.

Die Aussagekraft für Anleger hängt wesentlich davon ab, wie belastbar die Messung ist. METR verweist auf erhebliche Unsicherheiten und unterschiedliche Ergebnisse je nach Modellannahme. Zudem erklärte die Forschungsgruppe, Anthropic habe einen Großteil der für die Schlussfolgerungen wichtigsten Belege schwärzen lassen.

Das erschwert die öffentliche Prüfung gerade an dem Punkt, an dem Entwicklungstempo und Sicherheitsversprechen aufeinandertreffen. Anthropic-Mitgründer Sam McCandlish kündigte eine eigene Analyse zur Entwicklungsgeschwindigkeit an.

Prospekt benennt Grenzen der Kontrolle

Im am Montag eingereichten überarbeiteten Börsenprospekt warnt Anthropic, KI-gestützte Entwicklung könne schneller voranschreiten als Sicherheits- und Schutzmaßnahmen. Das Unternehmen räumte außerdem ein, entsprechende Entwicklungssprünge teilweise erst nachträglich erkannt zu haben.

Die eigene Sicherheitsrichtlinie setzt eine Schwelle bei einer mehr als doppelt so schnellen Verbesserung der KI-Fähigkeiten gegenüber früheren Erwartungen und historischen Spitzenraten. Wesentlicher Treiber müsste dabei die Automatisierung durch KI sein. Anthropic erklärte, kein aktuelles Modell habe diese Schwelle überschritten. Künftige Modelle könnten sie nach interner Einschätzung jedoch bald erreichen.

METR hält dagegen ein früheres Überschreiten für plausibel und bezeichnete Anthropics gegenteilige Argumentation als übertrieben. Für Anleger liegt der Konflikt damit in der Bewertung derselben Sicherheitsgrenze: Ihre Verlässlichkeit hängt davon ab, ob Messverfahren und interne Überwachung beschleunigte Fortschritte rechtzeitig erfassen.

Börsenpläne treffen auf Sicherheitsfragen

Die intensive KI-Nutzung reicht bereits tief in Anthropics eigene Entwicklung hinein. Laut Prospekt schrieb Claude im September mehr als 90 % des Codes in der internen Codebasis. Zugleich will Anthropic bei der Entwicklung künftiger Spitzenmodelle substanzielle menschliche Aufsicht beibehalten.

Für potenzielle Aktionäre verbindet sich damit eine Chance mit einer konkreten Bedingung: KI-gestützte Forschung kann die Produktentwicklung beschleunigen, sofern Anthropic die Kontrolle über diesen Prozess behält. Der METR-Bericht macht diese Fähigkeit zu einem zusätzlichen Prüfpunkt vor dem geplanten Börsengang. Entscheidend werden belastbare Nachweise sein, wie das Unternehmen Fortschritte misst und seine Schutzmaßnahmen daran anpasst.

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