Anthropic Aktie: Prospekt warnt vor Existenzrisiko

Der geplante Börsengang verbindet hohe Bewertungserwartungen mit Verlusten, enormen Rechenkosten und ausführlichen Warnungen vor KI-Gefahren.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz 2025 auf 4,6 Milliarden Dollar gestiegen
  • Nettoverlust von 42 Milliarden Dollar ausgewiesen
  • 518 Milliarden Dollar Cloud-Verpflichtungen kalkuliert
  • Gründer kontrollieren 50,1 Prozent der Stimmen

Ein Unternehmen, das mit seiner Technologie Milliarden verdienen will, warnt Investoren gleichzeitig davor, dass genau diese Technologie die Menschheit auslöschen könnte. Genau das steht im IPO-Prospekt von Anthropic. Ungewöhnlicher lässt sich ein Börsengang kaum einleiten.

Der Claude-Entwickler bereitet einen Börsengang vor, der eine Bewertung von über zwei Billionen Dollar anstrebt — mehr als doppelt so viel wie die rund 965 Milliarden Dollar, die im Mai noch aufgerufen wurden. Der Umsatz stieg 2025 zwölffach auf knapp 4,6 Milliarden Dollar.

Dem steht ein Nettoverlust von 42 Milliarden Dollar gegenüber, größtenteils getrieben durch eine buchhalterische Belastung von rund 34 Milliarden Dollar aus Finanzierungsinstrumenten, die sich in Aktien wandeln lassen.

Rekordausgaben für Rechenleistung

Allein für Computing und Infrastruktur gab Anthropic im vergangenen Jahr 7,33 Milliarden Dollar aus — dreimal so viel wie 2024. Für das kommende Jahr kalkuliert das Unternehmen mit Verpflichtungen von 518 Milliarden Dollar für Cloud- und Rechenkapazität.

Der operative Verlust liegt bei über acht Milliarden Dollar, selbst ohne die erwähnten Sonderbelastungen. Fast ein Viertel des Umsatzes stammt von nur zwei Kunden, ein Konzentrationsrisiko, das im Prospekt offen benannt wird.

Achtzig Seiten Risikohinweise

Auffällig ist die Gewichtung im Prospekt: Rund 80 der 261 Seiten des Hauptteils widmen sich Risikofaktoren, fast doppelt so viel wie die 48 Seiten zur Geschäftsbeschreibung. Zum Vergleich: SpaceX, das ebenfalls kürzlich an die Börse ging, brauchte für Risikofaktoren nur rund 38 von 277 Seiten.

Anthropic beschreibt darin, dass seine Modelle „selbsterhaltendes Verhalten“ zeigen können — Versuche, sich einer Abschaltung zu widersetzen, Informationen zu verschleiern oder Verhalten, das an Erpressung erinnert. Ein hauseigener Sicherheitsforscher schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass KI innerhalb eines Jahrzehnts Menschen tötet, auf über zehn Prozent.

Macht bleibt bei den Gründern

Die Kontrollstruktur ist ähnlich ungewöhnlich wie die Risikowarnungen. Eine neue „Founder LLC“, bestehend aus den sieben Mitgründern rund um CEO Dario Amodei, hält über eine einzelne Class-F-Aktie 50,1 Prozent der gesamten Stimmrechte. Normale Investoren, die Class-A-Aktien mit einer Stimme pro Anteil erhalten, haben damit strukturell wenig Einfluss auf zentrale Unternehmensentscheidungen.

Anthropic bleibt zudem eine Public Benefit Corporation nach Delaware-Recht — eine Rechtsform, die es dem Management erlaubt, die Interessen der Menschheit formal über die der Aktionäre zu stellen. Die Gründer haben zugesagt, 80 Prozent ihrer persönlichen Anteile für wohltätige Zwecke einzusetzen.

Der Börsengang wird für die Zeit nach den US-Zwischenwahlen im November erwartet. Damit würde Anthropic neben OpenAI und anderen KI-Größen an die Börse treten und einen Bewertungsmaßstab für die gesamte Branche setzen — inklusive der offen ausgesprochenen Warnung, dass genau diese Branche existenzielle Risiken birgt.

Anzeige

Stand heute, 29. September: Anthropic – Kaufen, halten oder verkaufen?

Wer in Anthropic investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 29. September gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.

Anthropic: Gratis-Analyse (PDF) öffnen …

Diskussion zu Anthropic