Apple, SAP und die Schweiz: Drei Tests für die These vom sicheren Hafen

Apple setzt auf ein teures Faltmodell, SAP wächst trotz KI-Zweifeln und Schweizer Aktien geraten breit unter Druck; Volkswagen prüft Indien-Partnerschaft.

Die Kernpunkte:
  • Apple präsentiert faltbares iPhone
  • SAP wächst trotz KI-Skepsis
  • Schweizer Leitwerte verlieren deutlich
  • Volkswagen prüft Partnerschaft in Indien

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

2.000 Dollar für ein Klapp-iPhone, ein SMI-Ausverkauf von 1,8 Prozent, bei dem selbst Nestlé keinen Schutz bietet, und ein SAP-Kurs, der trotz Analysten-Skepsis zulegt: Der Mittwoch liefert drei Fälle, in denen sich Kursverläufe und Unternehmensrealität auseinanderbewegen. Der DAX gab am Nachmittag nach, doch das eigentliche Geschehen spielt sich in den Einzelwerten ab.

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Apples teuerste Wette steht vor der ersten Bewährungsprobe

In der Nacht auf Donnerstag (MEZ) hält Apple sein Herbst-Event „Surprise and Shine“ ab, die erste große Keynote unter dem neuen CEO John Ternus. Im Zentrum steht das erste faltbare iPhone des Konzerns, in Leaks als „iPhone Duo“ gehandelt: Startpreis für die 256-GB-Version rund 2.000 Dollar, nach oben bis 3.000 Dollar, in China wird ein Einstiegspreis um 15.000 Yuan (rund 1.920 Euro) kolportiert. Daneben stehen iPhone 18 Pro und Pro Max sowie neue Watch- und AirPods-Modelle auf der Agenda. Das Analystenhaus IDC traut dem Foldable-Segment bis Ende 2027 einen Marktanteil von 40 Prozent zu, eine hohe Messlatte für ein Gerät, das laut Berichten auf Touch ID statt Face ID setzt und auf ein Teleobjektiv verzichtet. Die Apple-Aktie notiert bei rund 269 Euro, etwa ein Prozent leichter als zuvor und spürbar unter ihrem 52-Wochen-Hoch von knapp 302 Euro. Für Anleger ist das Event ein doppelter Test: Erstens, ob Ternus als Nachfolger überzeugt. Zweitens, ob ein derart teures Nischenprodukt jene margenstarke Erzählung stützen kann, auf der die aktuelle Bewertung ruht. Enttäuscht das Preis-Leistungs-Verhältnis, dürfte der Markt das rasch einpreisen.

SAP bekommt die Kehrseite des KI-Hypes zu spüren, und die Aktie bleibt trotzdem gefragt

Ganz anders die Ausgangslage in Walldorf: Die SAP-Aktie legte am Mittwochnachmittag zu und notiert bei rund 182,78 Euro, während Analysten trotz der KI-Offensive des Konzerns neutral bleiben. Ihr Einwand: Es fehle an überzeugenden KI-Agenten-Produkten im Vergleich zur Konkurrenz. Fundamental bleibt das Bild dennoch solide. Im zweiten Quartal 2026 verdiente SAP 1,89 Euro je Aktie bei einem Umsatz von 9,88 Milliarden Euro, ein Plus von 9,42 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Für 2026 wird eine Dividende von 2,66 Euro erwartet, nach 2,50 Euro im Vorjahr, bei einem Gewinn je Aktie von 7,10 Euro. Der Kurs liegt damit deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 244,30 Euro aus dem Oktober 2025, aber klar über dem Tief von 127,50 Euro aus dem Juli. Für Anleger heißt das: SAP liefert operativ, doch der Markt bewertet den Konzern derzeit eher als soliden Cashflow-Wert denn als KI-Wachstumsstory. Wer auf eine Neubewertung durch Agenten-Technologie setzt, braucht Geduld, bis konkrete Produkte folgen.

Die Schweizer Börse zeigt, wie schnell Diversifikation zur Illusion wird

Der SMI verlor rund 1,8 Prozent auf 13.805 Punkte, doch bemerkenswert ist die Breite des Ausverkaufs: Richemont brach um 4,5 Prozent ein, Swatch verlor 3,4 Prozent, Nestlé gab 3,0 Prozent nach, Holcim 2,7 Prozent. Dass Luxusgüter und Konsumgüter-Basiswerte gemeinsam fielen, spricht für einen breiten Risk-off-Schub statt für isolierte Branchenprobleme. Eine Ausnahme bildete DocMorris: Die Aktie legte um 6,4 Prozent zu, nachdem der Online-Apotheker eine Wandelanleihe über rund 100 Millionen Franken angekündigt hatte. Auch Nestlé lieferte mit einer Investition von 157 Millionen Franken in ein Tiernahrungswerk in Thailand eine positive Einzelmeldung, die den Gesamttrend der Aktie aber nicht aufhielt. Für Anleger mit Schweizer Substanzwerten im Depot zeigt der Tag: Defensive Qualitätsnamen wie Nestlé sind kein verlässlicher Schutz, wenn die Risikoaversion breit zuschlägt, während gezielte Kapitalmaßnahmen wie bei DocMorris selbst in schwachen Marktphasen Gegenbewegungen auslösen können.

Nike fällt aus dem S&P 100, und der Kurs markiert zugleich ein neues Jahrestief

Erstmals in der Geschichte des Index wird der Sportartikelkonzern aus dem S&P 100 gestrichen, nachdem der Marktwert in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 220 Milliarden Dollar (rund 189 Milliarden Euro) geschrumpft ist. Die Aktie notiert bei rund 31,82 Euro, deutlich unter ihrem bisherigen 52-Wochen-Hoch von 65,59 Euro, ein Minus von rund 51,5 Prozent auf Jahressicht. Pikant: Der aktuelle Kurs markiert zugleich das neue 52-Wochen-Tief. Die Index-Herausnahme selbst hat kaum unmittelbare Kapitalflusseffekte, sie ist aber ein Symbol: Nike hat den Anschluss an die Indexschwergewichte verloren. Für Bestandsanleger stellt sich die Frage, ob der Kurs inzwischen eine Bodenbildung signalisiert oder ob die strukturellen Probleme, schwächere Marke, verschärfter Konkurrenzdruck, noch nicht ausgepreist sind.

Volkswagen sucht in Indien einen Ausweg aus der Wachstumsfalle

Der Wolfsburger Konzern prüft eine strategische Partnerschaft mit der JSW Group, um Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität auf dem indischen Markt zu steigern, wo VW aktuell nur auf einen Marktanteil von rund 2 Prozent kommt. Die Aktie notiert bei etwa 81,76 Euro, ein Tagesminus von 1,4 Prozent, doch auf Monatssicht steht ein Plus von 8,6 Prozent zu Buche, ein Hinweis darauf, dass der Markt VWs strukturelle Neuausrichtung durchaus honoriert, auch wenn der Kurs noch weit vom Jahreshoch bei 109,10 Euro entfernt liegt. Konkrete Details zur Partnerschaft stehen noch aus, doch die Botschaft für Anleger ist klar: Indien gilt als einer der wenigen Automärkte mit strukturellem Wachstum, und ein Scheitern dort würde VWs Diversifizierungsstrategie jenseits Chinas empfindlich schwächen.

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Der globale Kompass

Drei Geschichten, ein gemeinsamer Nenner: Bewertungen hängen zunehmend an schmalen Zukunftsversprechen statt an aktuellen Zahlen. Apple braucht ein 2.000-Dollar-Nischenprodukt, um seine Margenerzählung zu rechtfertigen. SAP liefert solide 9,42 Prozent Umsatzwachstum und wird trotzdem wie ein Cashflow-Wert gehandelt, weil die KI-Agenten-Story fehlt. Und in der Schweiz zeigt sich, dass selbst ein Nestlé-Investment über 157 Millionen Franken einen breiten Risk-off-Tag nicht aufhält, während eine Wandelanleihe bei DocMorris 6,4 Prozent Kursplus bringt. Die gemeinsame Lehre: Wer heute Aktien bewertet, bewertet nicht die letzte Bilanz, sondern die Glaubwürdigkeit der nächsten Ankündigung. Das gilt für Cupertino, für Walldorf und für Wolfsburgs Indien-Wette gleichermaßen.

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