Applied Materials Aktie: 5-Prozent-Absturz trotz 25% Wachstum
Trotz Rekordumsatz und starkem Ausblick fällt die Aktie. Stagnierende Marge und hohe Investitionen belasten die Stimmung der Anleger.

- Rekordumsatz von 9,1 Milliarden Dollar
- Aktie fällt trotz starker Zahlen
- Bruttomarge bleibt sequenziell flach
- China-Anteil sinkt auf 28 Prozent
Applied Materials hat am 13. August die besten Quartalszahlen der Firmengeschichte vorgelegt – und die Aktie brach trotzdem ein. Für mich ist genau dieser Widerspruch die eigentliche Geschichte, nicht die Zahlen selbst.
Der Umsatz im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 kletterte auf 9,115 Milliarden Dollar, ein Plus von 25 Prozent zum Vorjahr und 15 Prozent zum Vorquartal. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 3,50 Dollar und übertraf die Konsensschätzung von 3,39 Dollar.
Der Ausblick für das vierte Quartal fällt mit einer Umsatzspanne von 9,75 bis 10,75 Milliarden Dollar und einem erwarteten Plus von 51 Prozent zum Vorjahr sogar noch beeindruckender aus. Trotzdem fiel die Aktie an der Nasdaq um gut fünf Prozent auf 507,18 Dollar, nachbörslich zeitweise sogar um sechs Prozent.
Warum der Markt trotz Rekordzahlen verkauft
Meine Lesart: Es liegt an der Marge. Die Bruttomarge für das vierte Quartal soll bei rund 50,4 Prozent liegen – sequenziell flach. Bei einem Unternehmen, das mit einem KI-getriebenen Wachstumsnarrativ bewertet wird, reicht Wachstum allein nicht mehr aus.
Anleger wollen auch operative Hebelwirkung sehen, und die blieb aus. Hinzu kommt der China-Anteil, der von rund 35 auf etwa 28 Prozent gesunken ist – ein Signal, dass geopolitische Beschränkungen im Chipgeschäft weiterhin Bremsspuren hinterlassen, auch wenn das Gesamtwachstum das mehr als kompensiert.
Bemerkenswert finde ich auch die Kapitalintensität des Wachstums. Über neun Monate des Geschäftsjahres stieg der Gewinn um 44 Prozent auf 7,37 Milliarden Dollar, doch der freie Cashflow sank um 2 Prozent auf 3,58 Milliarden Dollar. Investitionen legten um 35 Prozent zu, zusätzlich band mehr Working Capital Mittel.
Applied Materials investiert also kräftig in künftige Kapazität – unter anderem, um die Systemproduktion bis 2028 zu verdoppeln –, doch das kostet aktuell Cashflow. Für mich ist das kein Alarmsignal, aber ein Grund, warum kurzfristig orientierte Investoren zurückhaltend reagieren.
Bewertung im Branchenvergleich – und was Insider tun
Mit dem 25,8-Fachen des erwarteten EV/EBITDA notiert Applied Materials günstiger als die direkten Wettbewerber Lam Research mit dem 29,9-Fachen und KLA mit dem 31,5-Fachen. Das spricht dafür, dass der Markt die eigentliche Wachstumsstory noch nicht voll eingepreist hat.
Analystenziele reichen von rund 634 Dollar im Street-Konsens bis zu 714 Dollar bei optimistischeren Modellen, ein moderates Kaufrating mit Kurszielen um 640 Dollar ist die vorherrschende Einschätzung.
Auffällig ist zudem, dass Oppenheimer & Co. seine Position im zweiten Quartal um knapp 26 Prozent reduzierte, während Massachusetts Financial Services im selben Zeitraum um fast 29 Prozent aufstockte. Solche gegenläufigen institutionellen Bewegungen zeigen, dass unter professionellen Investoren keine Einigkeit über den fairen Wert herrscht – was die aktuelle Volatilität zusätzlich erklärt.
Was die Kursreaktion für Anleger bedeutet
Der aktuelle Kurs von 438,90 Euro liegt rund elf Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt, aber immer noch etwa 29 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen dafür, dass der übergeordnete Aufwärtstrend intakt bleibt, auch wenn die jüngste Korrektur mit einem Minus von 14 Prozent auf Monatssicht durchaus spürbar war.
Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 96 Prozent zu Buche, ein Beleg dafür, dass der Halbleiterausrüster von der breiten KI-Investitionswelle profitiert hat, die auch bei Wettbewerbern wie Lam Research oder KLA für starke Nachfrage sorgt.
Unterm Strich sehe ich die Kursreaktion eher als Erwartungsproblem denn als Fundamentalproblem. Applied Materials liefert Wachstumsraten, von denen viele Industrieunternehmen nur träumen können, doch die Marge stagniert genau in dem Moment, in dem der Markt Beweise für operative Skalierbarkeit verlangt.
Die Investitionen in zusätzliche Kapazität dürften sich mittelfristig auszahlen, kosten aber kurzfristig Cashflow und Geduld. Wer von der Struktur des KI-Kapazitätsaufbaus überzeugt ist, dürfte den aktuellen Rücksetzer als Atempause in einem intakten Aufwärtstrend werten – wer schnelle Margenexpansion erwartet, wird vorerst enttäuscht bleiben.
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