Applied Materials Aktie: 600 Millionen Dollar China-Verlust

Pekings Lokalisierungsvorgaben und US-Exportlimits kosten Applied Materials Millionen. Der KI-Boom treibt jedoch das Servicegeschäft auf Rekordkurs.

Die Kernpunkte:
  • China-Quoten schmälern Umsatzanteil
  • Handelshemmnisse kosten 600 Millionen Dollar
  • KI-Nachfrage beschert Servicesparte Rekord
  • Analysten sehen trotz Korrektur Aufwärtspotenzial

Chinas neue Industrievorgaben setzen den US-Halbleiterausrüster Applied Materials zunehmend unter Druck. Die Regierung in Peking verlangt bei neuen Fabrikkapazitäten inzwischen eine Quote von 50 Prozent für heimische Ausrüstung.

Diese Entwicklung trifft das Unternehmen zu einem Zeitpunkt, an dem auch verschärfte US-Exportbeschränkungen das Geschäft belasten. Medienberichten zufolge verursachen diese Handelshemmnisse im Geschäftsjahr 2026 einen Umsatzverlust von rund 600 Millionen US-Dollar.

Protektionismus in China belastet die Bilanz

Der Wandel am chinesischen Markt spiegelt sich deutlich in den Geschäftszahlen wider. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, dessen Ergebnisse das Unternehmen am vergangenen Dienstag vorlegte, sank der Umsatzanteil aus China auf 28 Prozent. Im Vorjahreszeitraum hatte dieser Wert noch bei 35 Prozent gelegen. Besonders die Konkurrenz durch lokale Anbieter wie CXMT nimmt zu, da diese verstärkt auf heimische Werkzeuge setzen.

In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres belief sich der China-Umsatz von Applied Materials noch auf 4,182 Milliarden US-Dollar. Analysten beobachten jedoch, dass der Marktanteil des Unternehmens in der Region zuletzt auf einen Wert im mittleren 20-Prozent-Bereich gefallen ist. Während die politische Lage in Asien das Wachstum bremst, gewinnt ein anderes Segment massiv an Bedeutung, um die Einbußen abzufedern.

KI-Infrastruktur als stabiles Gegengewicht

Trotz der geopolitischen Herausforderungen treibt der Ausbau der weltweiten Künstlichen Intelligenz (KI) die Nachfrage nach moderner Halbleiter-Infrastruktur an. Vor allem das Segment Applied Global Services (AGS) erweist sich als Stabilitätsanker.

Hier meldete das Unternehmen für das dritte Quartal einen Rekordumsatz von 1,78 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die operative Marge in diesem Bereich liegt bei stabilen 30,1 Prozent.

An der Börse spiegeln die Kurse die ambivalente Lage wider. Gestern schloss die Aktie bei 412,20 Euro. Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier ein Plus von 84 Prozent, was die grundsätzliche Stärke im Halbleitersektor unterstreicht.

Dennoch ist die Volatilität hoch: Damit liegt der Wert aktuell etwa 36 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Investoren wägen derzeit ab, ob die Gewinne aus dem KI-Boom und dem Bereich Advanced Packaging die Verluste im China-Geschäft langfristig überkompensieren können.

Analysten stützen die Wachstumsstory

Die Einschätzungen der Experten bleiben trotz der Kurskorrektur überwiegend positiv. Ein Analyst von Seeking Alpha senkte zwar das Kursziel von 802 auf 680 US-Dollar, bekräftigte jedoch seine Einstufung als Top-Investment aufgrund der beschleunigten Nachfrage im Bereich KI-Fertigung. Die Experten von Zacks führen den Wert derzeit mit einem Rank #2 (Buy). Von insgesamt 38 beobachtenden Firmen vergeben 27 ein Rating von „Strong Buy“.

Besondere Hoffnung setzen die Marktbeobachter auf neue Systeme für den High Bandwidth Memory (HBM) und das sogenannte 3D-Packaging. Das Unternehmen erwartet, dass der Umsatz im Bereich Advanced Packaging im Gesamtjahr 2026 um mehr als 70 Prozent steigen wird. Diese technologische Führungsposition in der Logik- und Speicherfertigung gilt als entscheidendes Argument für die langfristigen Prognosen, auch wenn Partnerschaften wie jene mit der UC Berkeley, die vor rund zwei Wochen im Fokus stand, erst in fernerer Zukunft operative Früchte tragen dürften.

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