Applied Materials Aktie: Bewährungsprobe!

Trotz optimistischer Wachstumsprognosen des Managements verliert die Applied Materials Aktie massiv an Wert. Insiderverkäufe und hohe Bewertung belasten.

Die Kernpunkte:
  • Kurssturz von fast 18 Prozent
  • Management erwartet massives Ausrüstungswachstum
  • Insider verkaufen Aktien im großen Stil
  • Analysten sehen begrenztes Kurspotenzial

Starke Prognosen, schwache Kurse. Bei Applied Materials klaffen operative Zuversicht und Marktdynamik derzeit weit auseinander. Das Management erwartet künftig ein massives Ausrüstungswachstum von über 30 Prozent. Normalerweise treibt ein solches Signal die Kurse. Im Gegenteil. Die Aktie stürzte in nur sieben Tagen um fast 18 Prozent auf 520,00 Euro ab. Damit entfernte sich das Papier rasch vom Rekordhoch von Ende Juni.

Die Preisfrage: Bewertung oder Tempo

Der Grund für die hohe Volatilität liegt in der extremen Erwartungshaltung. Die zentrale Frage lautet, ob der erwartete Superzyklus für Fertigungsanlagen schnell genug anläuft. Nur das rechtfertigt das sportliche Kurs-Gewinn-Verhältnis von 52. Zum Vergleich: Der Branchendurchschnitt liegt bei einem Faktor von rund 24. Das lässt dem Konzern kaum Spielraum für Fehler. Bleibt das massive Wachstum bei der Ausrüstungsnachfrage aus, droht eine Neubewertung.

Bullen-Szenario: KI treibt das Geschäft

Optimisten verweisen auf den strukturellen Wandel in der Halbleiterindustrie. Die Branche verlangt zunehmend hochkomplexe Architekturen für Künstliche Intelligenz. Die jüngsten Zahlen stützen diese These. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um gut elf Prozent auf fast acht Milliarden Euro.

Zusätzlich profitiert der Ausrüster von den milliardenschweren Expansionsplänen seiner Partner. SK Hynix kauft aktuell massiv neue Lithografie- und Beschichtungssysteme für seine Anlagen. Im Juni stellte das Unternehmen zudem die SENZ-Plattform für smarte Brillen vor. Gemeinsam mit Partnern wie GlobalFoundries und Qualcomm erschließt das System völlig neue Märkte.

Das Management erwartet deshalb im Bereich Advanced Packaging ein deutliches Wachstum. Die Sparte soll im laufenden Jahr um mehr als 50 Prozent wachsen.

Bären-Szenario: Insider verkaufen

Pessimisten warnen indes vor einer klassischen Bewertungsfalle. Der Markt hinterfragt zunehmend die Dauerhaftigkeit der jüngsten Kursrally. Immerhin hat sich der Börsenwert in zwölf Monaten mehr als verdreifacht.

SEC-Meldungen zeigen in den letzten Monaten massive Aktienverkäufe der Chefetage. Käufe gab es keine. Allein der CEO stieß Aktien im Wert von rund 105 Millionen Dollar ab. Solche Verkäufe machen Anleger nervös. Führungskräfte betrachten das Kurspotenzial vorerst womöglich als ausgereizt.

Auch Analysten bremsen die Euphorie. Das durchschnittliche Kursziel der Experten liegt aktuell bei 507,23 Euro. Das ist weniger als der aktuelle Aktienkurs. Der Konsens rechnet also eher mit einer weiteren Abkühlung als mit neuen Rekorden.

Hinzu kommen zyklische Risiken. Analysten warnen vor einer möglichen Investitionsobergrenze bei den großen Cloud-Anbietern. Diese Hyperscaler erreichen im Jahr 2026 voraussichtlich ein Rekordbudget von 800 Milliarden Euro. Stagniert der Ausbau danach, sinkt die Nachfrage nach neuen Chip-Anlagen drastisch.

Ausblick: Technischer Support im Fokus

Charttechnisch testet die Aktie nun wichtige Unterstützungen. Solange der Kurs über dem 50-Tage-Durchschnitt von 435,83 Euro notiert, bleibt der Aufwärtstrend intakt. Der deutliche Abstand zum Jahreshoch zeigt allerdings: Die Aktie verliert an Schwung.

Die kommenden Wochen bringen die Entscheidung. Stabilisiert sich der Kurs auf aktuellem Niveau, gilt das als gesunder Rücksetzer. Fällt der Kurs jedoch unter die Marke von 500 Euro, droht eine tiefere Korrektur.

Der nächste Impuls folgt mit der Prognose für das dritte Quartal. Experten erwarten einen Gewinn je Aktie zwischen 3,16 und 3,56 Euro. Parallel liefert die anstehende Dividendenzahlung im September einen weiteren Fixpunkt. Verfehlt der Ausblick die hohen Erwartungen, rückt eine schnelle Neubewertung näher.

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