Applovin Aktie: Fast ein Fünftel verloren
AppLovin verfehlt Umsatzerwartungen und stürzt ab. Analysten zeigen sich frustriert über erneute Verzögerungen bei KI-Updates.

- Umsatzprognose knapp verfehlt
- Analysten senken Kursziele
- Aktie nahe Jahrestief
- KI-Update erst nach Quartalsende
Aus dem Liebling der KI-Anleger ist über Nacht ein Sorgenkind geworden. AppLovin verlor am Donnerstag fast ein Fünftel seines Wertes. Der Grund: verpasste Erwartungen und eine Erklärung, die viele Analysten nicht überzeugt.
Der Umsatz-Fehltritt
Im zweiten Quartal meldete AppLovin einen Umsatz von 1,92 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit 1,94 Milliarden Dollar gerechnet – knapp verfehlt, aber genug, um Zweifel zu säen. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 3,76 Dollar exakt im Rahmen der Erwartungen.
CEO Adam Foroughi begründete den Fehlbetrag mit dem Timing der Verbesserungen an der KI-Werbeengine AXON. Die entscheidenden Updates seien erst nach Ende des Quartals live gegangen, sagte er.
Für Investoren ist das eine zweischneidige Erklärung. Sie deutet darauf hin, dass die Technologie noch reift. Zugleich zeigt sie, wie unberechenbar die Entwicklung geworden ist.
Bei Piper Sandler und Wells Fargo macht sich Frustration breit. Beide Häuser sprechen von einer Serie aus drei verfehlten Zeitplänen bei den Modell-Updates. Piper Sandler stufte die Aktie auf Neutral zurück, Wells Fargo auf Hold.
Charttechnik im freien Fall
Charttechnisch sieht es düster aus. Die Aktie notiert bei 291,05 Euro – kaum ein Prozent über dem frisch markierten Jahrestief von 288,05 Euro. Seit Jahresbeginn hat sie mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren.
Zum Rekordhoch vom Dezember hat sich die Lücke damit auf fast 54 Prozent ausgeweitet. Ein Ausmaß, das selbst hartgesottene Wachstumsanleger nervös macht.
Der Relative-Stärke-Index ist auf 27,8 gefallen und signalisiert ein deutlich überverkauftes Niveau. Normalerweise wäre das ein Kaufsignal. Der Abstand von 34 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt spricht jedoch eher für einen fundamentalen Bruch als für eine gewöhnliche Korrektur.
Mit einer annualisierten Volatilität von fast 85 Prozent ist die Aktie zum Hochrisiko-Terrain für Trader geworden.
Wert oder Falle?
Die Bullen sehen dennoch nicht alles verloren. Die EBITDA-Marge kletterte im zweiten Quartal auf 83,8 Prozent, ein Wert, der viele Software-Konzerne alt aussehen lässt. Mit einer Marktkapitalisierung von gut 118 Milliarden Euro bleibt AppLovin ein Schwergewicht der Branche.
Diese Substanz macht die Aktie für manche Investoren gerade jetzt interessant.
Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 568,85 Euro. Das entspricht einem theoretischen Potenzial von gut 95 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs.
Die Realität sieht allerdings ernüchternder aus. Die schwache Prognose für das dritte Quartal zwischen 2,055 und 2,085 Milliarden Dollar Umsatz konnte die Zweifel nicht zerstreuen. Der Sektor verlangt inzwischen handfeste Beweise für die Rendite von KI-Investitionen – reine Versprechen reichen nicht mehr.
Die Prämie, die der Markt AppLovin lange für sein KI-Versprechen zugestand, schmilzt derzeit dahin. Der Wachstumsstory wurde ein harter Rücksetzer verpasst. Der Weg zurück zur 500-Euro-Marke dürfte lang werden – und hängt davon ab, ob das Management beim nächsten Update endlich fehlerfrei liefert, was in diesem Quartal misslang.
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