Arafura: 61 Prozent unter Oktoberhoch trotz Finanzierung

Trotz vollständiger Finanzierung für das Nolan-Projekt fällt die Arafura-Aktie deutlich. Anleger sorgen sich um die starke Aktienverwässerung durch die Kapitalmaßnahmen.

Die Kernpunkte:
  • Finanzierung für Nolan-Projekt komplett
  • Kursverlust von 25 Prozent in 30 Tagen
  • Verwässerung durch neue Aktien belastet
  • Finanzchef-Wechsel kurz vor Baubeginn

Arafura Rare Earths hat in den vergangenen Monaten fast jede Finanzierungsquelle angezapft, die einem vorbörslichen Minenprojekt offensteht. Export Finance Australia, die deutsche KfW, Australiens National Reconstruction Fund — alle drei sitzen jetzt mit im Boot. Der Aktienkurs dankt es nicht. Er ist binnen 30 Tagen um fast ein Viertel eingebrochen. Das ist das Paradox, das diese Aktie gerade prägt.

Am Freitag schloss das Papier bei 0,1150 Euro, ein Plus von 3,32 Prozent zum Vortag. Das ändert wenig am großen Bild: Der Kurs liegt 61,25 Prozent unter dem Oktoberhoch von 0,2968 Euro und 22,61 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt. Ein RSI von 30 zeigt, dass hier zuerst verkauft und erst danach gefragt wurde.

Ein Sommer der Kapitalerhöhungen

Ende Juni stimmten die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über sieben Beschlüsse ab — und alle sieben gingen durch. Es ging um Aktienausgaben an Export Finance Australia und die KfW, um Wandelanleihen für den National Reconstruction Fund, um die Bestätigung einer mehrstufigen Privatplatzierung und um ein Bezugsrechtsprogramm mit Beteiligung der Direktoren.

Die Dimensionen sind beachtlich. Allein die zweite Tranche der institutionellen Platzierung brachte umgerechnet rund 174,5 Millionen australische Dollar ein. Platzierung und Bezugsrechtsprogramm zusammen spülten am Ende 361,5 Millionen australische Dollar vor Kosten in die Kasse. Jede dieser Tranchen bedeutet neue Aktien am Markt — zuletzt kamen 44.399.883 neue Stammaktien hinzu, ausgegeben am 13. Juli.

Warum der Markt nicht jubelt

Genau hier liegt der Widerspruch. Arafura hat exakt das gemacht, was von einem Entwickler ohne laufende Einnahmen erwartet wird: staatlich gestützte Geldgeber gewinnen, einen heimischen Ankerinvestor sichern, die Finanzierung breiter aufstellen. Der Markt honoriert das nicht — im Gegenteil.

Die mechanische Erklärung heißt Verwässerung. Jede neue Aktientranche für Export Finance Australia, KfW oder den National Reconstruction Fund vergrößert den Nenner, gegen den die künftigen Cashflows des Nolans-Projekts gemessen werden müssen. Eine Marktkapitalisierung von aktuell 685,05 Millionen Euro muss sich jetzt über eine deutlich größere Aktienbasis rechtfertigen als noch vor einem Jahr. Bemerkenswert dabei: Auf Zwölfmonatssicht steht die Aktie trotz allem noch 10,05 Prozent im Plus.

Wechsel an der Finanzspitze, kurz vor Baubeginn

Zur Unsicherheit passt ein weiterer Termin. Peter Sherrington verlässt nach fast 18 Jahren seinen Posten als Finanzchef. Zum 31. August übernimmt Angela Bigg. Bezeichnend ist, wie das Unternehmen selbst diesen Wechsel rahmt: Die Übergangszeit solle Bigg genug Vorlauf geben, das Unternehmen auf den Baubeginn vorzubereiten — nicht auf die abgeschlossene Finanzierungsphase.

Sherringtons Amtszeit wird als Periode beschrieben, in der er volatile Rohstoffmärkte, knappe Kapitalverfügbarkeit und einen Sektor mit konzentrierter globaler Angebotslage und scharfem Wettbewerb navigiert hat. Eine treffende Beschreibung genau jener Kräfte, die den Kurs jetzt belasten.

Finanziert, aber noch nicht bewiesen

Arafura bewegt sich derzeit zwischen zwei Welten. Die eine, die Finanzierungsgeschichte, ist im Grunde abgeschlossen. Die andere, der eigentliche Bau der Mine, hat kaum begonnen. Diese Zerrissenheit erklärt auch die annualisierte Volatilität von 46,52 Prozent über die vergangenen 30 Tage — ein Wert, der selbst für Rare-Earth-Werte hoch ist.

Nichts an dieser Gemengelage stellt die strategische Logik infrage, die Export Finance Australia, KfW und den National Reconstruction Fund an den Tisch gebracht hat. Alle drei sind Instrumente einer größeren westlichen Strategie, seltene Erden außerhalb Chinas aufzubauen. Was sich ändert, ist die Rechnung, vor der jeder bestehende Aktionär jetzt steht: eine größere Bilanz, mehr ausstehende Aktien — und ein Unternehmen, das seinen Fall nicht mehr mit Finanzierungsschlagzeilen beweisen kann, sondern nur noch damit, ob der Bau tatsächlich liefert, wofür all das Kapital eingesammelt wurde.

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