Arcelormittal Aktie: Kaltstilllegung in Krywyj Rih eingeleitet

Nach Raketenbeschuss konserviert ArcelorMittal den Standort Krywyj Rih; für Mexiko stellte der Konzern Ausbaupläne bis 2029 vor.

Die Kernpunkte:
  • Vier Raketenangriffe im August und September
  • Sechs Beschäftigte kamen ums Leben
  • Wertminderung von rund einer Milliarde US-Dollar erwartet
  • Mexikos Stahlkapazität soll bis 2029 wachsen

ArcelorMittal hat den Prozess zur Kaltstilllegung seines ukrainischen Stahlwerks in Krywyj Rih eingeleitet. Nach wiederholten Raketenangriffen lässt der Konzern die Industrieanlagen über einen Zeitraum von rund zwei Monaten kontrolliert abkühlen und konservieren.

Die Entscheidung folgt auf massive Schäden und den vollständigen Stillstand der Primärmetallurgie. An der Börse beendete die Aktie den gestrigen Handelstag mit einem leichten Plus von 0,3 Prozent bei 56,58 Euro.

Stillstand nach schwerem Beschuss

Auslöser für die Sicherheitsmaßnahme waren vier Raketenangriffe auf das Werksgelände in den Monaten August und September. Bei den Einschlägen starben sechs Mitarbeiter, während mehr als 18 Beschäftigte verletzt wurden. Der letzte Beschuss ereignete sich am 21. September.

Mauro Longobardo, der CEO von ArcelorMittal Kryvyi Rih, erklärte die Fortführung der Arbeit für unmöglich. Ein sicherer Betrieb könne während des anhaltenden Krieges schlicht nicht aufrechterhalten werden.

Die Kaltstilllegung sieht vor, sämtliche Hochöfen und Schmelzanlagen auf Umgebungstemperatur herunterzufahren. Ein Neustart soll erst nach einem Ende der Kampfhandlungen geprüft werden. Der Konzern betonte zugleich, das Land nicht verlassen zu wollen.

Hohe Sonderbelastungen für den Konzern

Der erzwungene Produktionsstopp zieht erhebliche finanzielle Belastungen nach sich. Das Management stellte eine nicht zahlungswirksame Wertminderung von rund einer Milliarde US-Dollar in Aussicht. Diese Abschreibung betrifft überwiegend die Sachanlagen des ukrainischen Standorts.

Seit dem Beginn des Angriffs im Februar 2022 stellte der Konzern seiner Tochtergesellschaft über 700 Millionen US-Dollar bereit. Die Konservierung entzieht dem regionalen Markt nun wichtige Mengen an Langstahlprodukten sowie Roheisen. Der Ausfall wiegt auch für die ukrainische Wirtschaft schwer. Die Anlage zählte im vergangenen Jahr zu den größten Steuerzahlern der Region.

Investitionen in Nordamerika laufen weiter

Während das operative Geschäft in Osteuropa ruht, richtet der Stahlproduzent seinen Blick auf andere Kernmärkte. In Mexiko stellte Víctor Cairo am gestrigen Dienstag Pläne für einen deutlichen Kapazitätsausbau vor. Bis zum Jahr 2029 strebt ArcelorMittal dort eine jährliche Produktion von 5,3 Millionen Tonnen Stahl an.

Das Vorhaben sieht unter anderem eine Investition von 180 Millionen US-Dollar in eine Erzaufbereitungsanlage vor. Die weltweiten Herausforderungen spiegeln sich dennoch im Kurs wider. Das Papier notiert derzeit 17 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Für Anleger bleibt die geopolitische Lage ein bestimmender Risikofaktor.

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