ASCO-Daten elektrisieren Biotech — BioNTech, Bayer und Replimune im Fokus
Neue klinische Studien von BioNTech, Bayer und Replimune begeistern auf dem Krebskongress. Auch Hims & Hers und NurExone sorgen für Bewegung.

- BioNTechs Pumitamig überzeugt bei Lungenkrebs
- Bayers NUBEQA zeigt Kognitionsvorteil
- Replimune erholt sich nach FDA-Nachricht
- Hims & Hers startet in Kanada durch
Der Krebskongress ASCO 2026 in Chicago liefert den Stoff, aus dem Kurssprünge gemacht sind. Gleich drei europäisch geprägte Biotech-Werte präsentierten klinische Daten, die Investoren zum Umdenken zwingen. Parallel dazu setzt NurExone Biologic auf stille Fortschritte beim geistigen Eigentum, während Hims & Hers nach einem holprigen Quartalsbericht den Neustart über Kanada und frisches Kapital sucht.
BioNTech: Pumitamig zeigt konsistente Wirksamkeit bei Lungenkrebs
BioNTechs Onkologie-Pipeline rückt immer stärker ins Zentrum der Investorenwahrnehmung — und das zu Recht. Der bispezifische Antikörper Pumitamig, entwickelt gemeinsam mit Bristol Myers Squibb, lieferte beim ASCO seinen dritten konsistenten globalen Datensatz. Die Zwischenanalyse aus der Phase-2/3-Studie ROSETTA Lung-02 zeigte eine bestätigte Ansprechrate von 57,1 % bei nicht-plattenepithelialem und 68,4 % bei plattenepithelialem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC). Die Krankheitskontrollrate lag bei 100 %.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei BioNTech?
Bemerkenswert: Die niedrigere der beiden getesteten Dosisstufen erzielte sogar höhere Ansprechraten — 63,6 % beziehungsweise 72,7 %. Für BioNTech erhöht das die Erwartungen an den pivotalen Phase-3-Readout erheblich.
Die Aktie schloss am Freitag bei 82,35 € und legte auf Wochensicht rund 3,6 % zu. UBS stufte das Papier im Mai auf „Kaufen“ hoch, der Analystenkonsens sieht ein durchschnittliches Kursziel von 125,45 US-Dollar. Flankiert wird die klinische Offensive durch ein milliardenschweres ADS-Rückkaufprogramm — ein Signal, dass das Management den eigenen Kurs für unterbewertet hält.
Bayer: NUBEQA punktet mit Kognitionsvorteil beim Prostatakarzinom
Bayer kam mit 16 Abstracts nach Chicago. Der stärkste Impuls kam aus einer unerwarteten Richtung: nicht Überlebensraten, sondern kognitive Gesundheit. Die Phase-II-Studie ARACOG verglich NUBEQA (Darolutamid) direkt mit dem Wettbewerber Enzalutamid bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom.
Das Ergebnis fiel eindeutig aus. Der mediane kognitive Rückgang nach 24 Wochen betrug unter NUBEQA nur -15,8 %, verglichen mit -36,1 % unter Enzalutamid — ein statistisch signifikanter Unterschied (p=0,009). Die Daten wurden als Oral Abstract im ASCO-Pressprogramm hervorgehoben.
Für die Verschreibungspraxis könnte das weitreichende Folgen haben. Ärzte und Patienten berücksichtigen bei der Therapiewahl zunehmend Lebensqualitätsaspekte. Ein nachgewiesener Kognitionsvorteil verschafft NUBEQA eine neue Wettbewerbsdimension, die über klassische Wirksamkeitsvergleiche hinausgeht.
An der Börse profitierte Bayer davon zuletzt nicht. Die Aktie gab am Freitag 3,57 % ab und schloss bei 36,48 €. Auf Monatssicht bleibt das Papier knapp im Plus. Der Analystenkonsens steht bei „Strong Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 48,18 € — gut 32 % über dem aktuellen Niveau. Das Management bestätigte die Jahresprognose mit einem Kern-EPS von 4,25 € am Mittelpunkt.
Replimune: Vom FDA-Schock zur Kursexplosion in 48 Stunden
Keine andere Biotech-Aktie lieferte in dieser Woche ein vergleichbares Drama. Replimune war im April nach einer zweiten FDA-Ablehnung um 64 % eingebrochen. Am Freitag verdoppelte sich der Kurs nahezu innerhalb einer einzigen Handelssitzung.
Der Auslöser war zweiteilig:
- FDA-Dialog wiedereröffnet: Replimune und die FDA einigten sich auf einen Weg zur Wiedereinreichung des Zulassungsantrags (BLA) für RP1 in Kombination mit Nivolumab bei fortgeschrittenem Melanom. Die Behörde signalisierte, die Wiedereinreichung als dringende Angelegenheit zu priorisieren.
- Überlebensdaten vom ASCO: Das mediane Gesamtüberleben erreichte 32,9 Monate. Die 3-Jahres-Überlebensrate lag bei 47,8 % für alle Patienten und bei 83,5 % für Responder — bei einem überwiegend milden Nebenwirkungsprofil ohne tödliche Ereignisse.
Die Aktie schloss bei 8,89 US-Dollar, nachdem sie intraday zwischen 4,75 und 9,49 US-Dollar pendelte. Das Handelsvolumen explodierte auf über 51 Millionen Aktien — fast das Sechsfache des Durchschnitts. JPMorgan-Analyst Anupam Rama hob sein Rating von „Untergewichten“ auf „Neutral“ an und setzte ein Kursziel von 8 US-Dollar.
NurExone Biologic: Patentschutz wächst, EU-Programm validiert den Ansatz
Während die großen Namen klinische Daten präsentierten, arbeitet NurExone Biologic am Fundament. Das kanadisch-israelische Micro-Cap erhielt im Mai eine Patentgewährungsankündigung aus Südkorea für ExoPTEN, seinen führenden therapeutischen Kandidaten. Das Exosomen-basierte Wirkstoffabgabesystem zielt auf die Behandlung von Nervenverletzungen ab.
Damit wächst das ExoPTEN-Patentportfolio auf fünf Jurisdiktionen — USA, Japan, Israel, Russland und nun Südkorea. Weitere Anmeldungen laufen in der EU, China, Indien und mehreren weiteren Märkten.
Eine zweite Bestätigung kam von institutioneller Seite: NurExone rückte in Stufe 2 des EU-geförderten EIT Health Catapult Programme vor. Die Programmprüfer bewerteten die präklinischen Daten und regulatorischen Fortschritte positiv. Pitch-Events sind für Oktober 2026 geplant.
Die Aktie notierte am Freitag bei 0,40 € und bewegte sich damit exakt auf dem Niveau ihres 50-Tage-Durchschnitts. Bei einer Marktkapitalisierung von rund 44 Millionen US-Dollar bleibt NurExone ein hochspekulativer Micro-Cap-Wert — noch vor der Umsatzgenerierung und vor dem Eintritt in klinische Studien. Sein Wertversprechen steht und fällt mit der Qualität des IP-Portfolios und der Differenzierung seines Plattformansatzes für ZNS-Verletzungen.
Hims & Hers: Insider kauft, Kapitalerhöhung finanziert Expansion
Für Hims & Hers war der Mai ein Wechselbad. Nach einem Quartalsbericht mit einem Umsatz von 608 Millionen US-Dollar — leicht unter den Analystenerwartungen — brach die Aktie um 13 % ein. Zwei Signale federten den Abverkauf teilweise ab.
Direktor David Wells kaufte Unternehmensanteile im Wert von über einer Million US-Dollar — ein klassisches Insider-Vertrauenssignal, das den Kurs um rund 7 % nach oben trieb. Parallel platzierte Hims wandelbare Anleihen über 350 Millionen US-Dollar, aufgestockt von ursprünglich 300 Millionen nach starker Investorennachfrage. Die Anleihen laufen bis 2032, die Erlöse fließen in internationale Expansion und KI-Investitionen.
Strategisch am bedeutsamsten war der Start des Zugangs zu generischem Semaglutid in Kanada, ermöglicht durch eine Partnerschaft mit dem Generikahersteller Apotex. Ab 149 CAD pro Monat positioniert sich Hims damit im GLP-1-Markt — nachdem das Unternehmen seine Strategie von zusammengesetzten Produkten auf zugelassene Marken- und Generika-Varianten umgestellt hatte.
Fünf Biotech-Werte, drei verschiedene Zeithorizonte
Die ASCO-Woche hat die unterschiedliche Taktung dieser fünf Healthcare-Titel sichtbar gemacht:
- BioNTech und Bayer nutzen Spätphasendaten, um ihre Wahrnehmung als reine Impfstoff- beziehungsweise Agrarchemie-Konzerne hinter sich zu lassen. Beide rücken Onkologie ins Zentrum.
- Replimune verkörpert die extreme Risiko-Rendite-Dynamik kleiner Biotechs — eine einzige FDA-Nachricht kann den Kurs über Nacht verdoppeln.
- NurExone baut in der präklinischen Phase das regulatorische und patentrechtliche Gerüst für spätere klinische Programme.
- Hims & Hers steht unter kommerziellem Sofortdruck: Die 350-Millionen-Dollar-Kriegskasse muss in greifbares internationales Wachstum übersetzt werden.
Biotech zwischen Kongresseuphorie und Bewährungsprobe
Für BioNTech wird der pivotale Phase-3-Readout von Pumitamig zum entscheidenden Katalysator der zweiten Jahreshälfte. Bayers NUBEQA-Kognitionsdaten könnten reale Verschreibungsverschiebungen auslösen — eine selten gesehene Wettbewerbswaffe jenseits reiner Überlebensstatistiken. Replimune steht vor der potenziell transformativen BLA-Wiedereinreichung, die die FDA als prioritär eingestuft hat. NurExone blickt auf die EIT-Health-Pitch-Events im Oktober als nächsten Sichtbarkeitsmeilenstein. Und Hims & Hers muss beweisen, dass der kanadische Semaglutid-Start und frisches Kapital die Post-Earnings-Enttäuschung in neue Dynamik umwandeln können.
BioNTech-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue BioNTech-Analyse vom 31. Mai liefert die Antwort:
Die neusten BioNTech-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für BioNTech-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 31. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
BioNTech: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...



