ASML: 2,51 Prozent Minus trotz 43-Mrd-Guidance

ASML kämpft mit politischen Spannungen zwischen China und den USA, während starke Quartalszahlen den Aktienkurs nicht stützen können.

Die Kernpunkte:
  • China-Umsatzanteil bei 20 Prozent
  • Jahresprognose auf 43-45 Mrd. Euro angehoben
  • Aktie fällt trotz Rekordquartal
  • Kapazitätsausbau um 30 Prozent geplant

ASML steckt in einer Zwickmühle. Der niederländische Lithografie-Konzern will Washington bei den Exportkontrollen entgegenkommen. Gleichzeitig will er das lukrative China-Geschäft nicht verlieren.

Die Aktie schloss am Freitag bei 1.528,00 Euro. Das sind 2,51 Prozent weniger als am Vortag und 2,92 Prozent weniger als vor einer Woche. Anleger bewerten gerade neu, wie stark der Chipausrüster von den eskalierenden Spannungen zwischen den USA und China betroffen ist.

Ein Balanceakt mit zwei Fronten

ASML liefert seine modernsten Maschinen längst nicht mehr nach China. Die EUV-Lithografiesysteme unterliegen seit Jahren strikten Exportbeschränkungen. Trotzdem bleibt das Land ein wichtiger Umsatzträger für den Konzern.

Finanzchef Roger Dassen bezifferte den China-Anteil am Gesamtumsatz für 2026 auf rund 20 Prozent. Das ist weniger als in den Vorjahren, aber immer noch beträchtlich. Zeitgleich wächst in Washington der politische Druck, die Handelsschranken für Chip-Technologie weiter zu verschärfen.

Die Lage wird dadurch komplizierter, dass chinesische Kunden gerade mehr Interesse an den noch erlaubten ASML-Maschinen zeigen. Die Nachfrage aus China steigt spürbar. Im gleichen Moment mehren sich in den USA die Stimmen, die genau diese Exporte stoppen wollen.

Starke Zahlen, gedämpfte Reaktion

Die politische Unsicherheit trifft ASML ausgerechnet nach einem der stärksten Quartale des Jahres. Am 15. Juli hob der Konzern seine Jahresprognose an. Für 2026 erwartet ASML nun einen Gesamtumsatz zwischen 43 und 45 Milliarden Euro, bei einer Bruttomarge von 54 bis 56 Prozent.

Im zweiten Quartal erzielte ASML 9,3 Milliarden Euro Umsatz und 2,9 Milliarden Euro Nettogewinn. Für das dritte Quartal rechnet der Konzern mit einem Umsatz zwischen 11,0 und 12,0 Milliarden Euro.

CEO Christophe Fouquet macht dafür vor allem die Kunden verantwortlich, die ihre Kapazitäten schneller ausbauen als geplant. Die Auftragseingänge seien im ersten Halbjahr „außergewöhnlich stark“ gewesen, so Fouquet. ASML reagiert darauf mit einem klaren Ausbauplan: Die Kapazität für Low-NA-EUV-Systeme soll 2026 um 30 Prozent steigen, die für DUV-Immersionssysteme ebenfalls.

Trotz dieser starken Nachrichtenlage konnte die Aktie ihre Kursgewinne nach der Veröffentlichung nicht halten. Der Markt richtet den Blick zunehmend auf die Risiken durch mögliche neue Exportregeln. US-Gesetzgeber arbeiten aktuell an einer Gesetzesvorlage, die weitere Verschärfungen bringen und verbündete Staaten zu einer einheitlicheren Linie bei Chip-Technologie bewegen soll.

Charttechnik zeigt Verschnaufpause

Der aktuelle Kurs liegt 12,59 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro, das ASML Ende Juni erreichte. Der Blick auf die längerfristige Entwicklung relativiert das aber deutlich: Die Aktie steht seit Jahresbeginn immer noch 65,82 Prozent im Plus.

Die annualisierte Volatilität von 60,59 Prozent über die vergangenen 30 Handelstage spiegelt die Nervosität wider, die sowohl der KI-Investitionszyklus als auch die ungeklärte China-Frage derzeit erzeugen. Der RSI von 47,5 deutet weder auf eine überkaufte noch auf eine überverkaufte Situation hin — die Aktie befindet sich charttechnisch in einer neutralen Zone.

Zwei Vereinbarungen sorgen kurzfristig für etwas Stabilität: Die Aussetzung der sogenannten Affiliates Rule und der Waffenstillstand bei chinesischen Seltene-Erden-Exporten laufen beide noch bis November 2026. Die grundsätzliche Debatte in Washington über schärfere Kontrollen bleibt davon unberührt. Bis dahin wird sich zeigen müssen, wie stabil die robusten Auftragsbücher gegen weitere politische Eingriffe bei DUV-Exporten bestehen.

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