ASML: 30 Prozent Kapazitätsoffensive ab 2027
ASML erhöht Umsatzprognose für 2026 auf bis zu 45 Milliarden Euro und plant eine 30-prozentige Produktionssteigerung ab 2027.

- Umsatzziel für 2026 auf 45 Milliarden Euro erhöht
- Produktionskapazität soll um 30 Prozent steigen
- China-Anteil am Umsatz sinkt auf 20 Prozent
- Analysten sehen Wendepunkt bei Bruttomarge
ASML hat seine Prognose für 2026 kräftig angehoben. Der niederländische Lithografie-Konzern rechnet nun mit einem Jahresumsatz zwischen 43 und 45 Milliarden Euro. Bisher lag die Zielspanne bei 36 bis 40 Milliarden Euro. Die Aktie reagierte am Dienstag mit einem Plus von 3,52 Prozent und schloss bei 1.581,40 Euro.
Starkes Quartal treibt die neue Prognose
Grundlage der Anhebung ist ein kräftiges zweites Quartal. ASML meldete 9,3 Milliarden Euro Nettoumsatz und 2,9 Milliarden Euro Gewinn. Beide Werte übertrafen die Markterwartungen.
Der Auftragsbestand wächst, weil große Chiphersteller wie TSMC ihre Investitionen beschleunigen. Analysten berichten von deutlich besserer Sichtbarkeit für 2027 und 2028. Kunden zahlen zunehmend Anzahlungen, um sich Lieferplätze für die fortschrittlichen Lithografiesysteme zu sichern.
30 Prozent mehr Kapazität geplant
ASML will die Produktion seiner EUV- und DUV-Immersionssysteme ab 2027 um 30 Prozent steigern. Eine zweite Ausbaustufe für 2028 prüft der Konzern derzeit. Das Ziel: den Engpass in der Halbleiter-Lieferkette auflösen, der die gesamte KI-Infrastruktur ausbremst.
Konkret soll die Kapazität bei Low-NA-EUV-Systemen bis 2027/2028 auf etwa 85 bis 110 Maschinen steigen. Aktuell verfügt ASML über 65 Einheiten dieser Anlagen. Marktbeobachter sehen genau hier den entscheidenden Flaschenhals für den weltweiten KI-Ausbau.
China-Anteil sinkt, Sicherheitsrisiken im Fokus
Parallel zur Wachstumsstory verschiebt sich die geografische Umsatzstruktur. Wegen strengerer Exportkontrollen und einer Normalisierung der Inlandsnachfrage erwartet ASML für 2026 nur noch einen China-Anteil von rund 20 Prozent am Gesamtumsatz. 2025 lag dieser Wert noch bei etwa 33 Prozent.
Eine am 20. Juli 2026 veröffentlichte Studie des Den Haager Centre for Strategic Studies (HCSS) bringt zusätzlich Unruhe. Die staatlich finanzierte Untersuchung stuft den niederländischen Halbleitersektor als „sehr hohem Risiko“ ausländischer Einflussnahme ausgesetzt ein. Die Autoren nennen konkret Spionagegefahren und empfehlen strengere Personalkontrollen sowie einen öffentlich-privaten Fonds, um risikoreiche ausländische Hardware an sensiblen Standorten auszutauschen.
Analysten sehen Wendepunkt bei der Marge
Die Deutsche Bank reagierte auf Zahlen und Prognose mit einer Kurszielanhebung auf 2.150 Euro. Begründung: ein Wendepunkt bei der Bruttomarge, die im zweiten Halbjahr 2026 auf 56 Prozent klettern soll. Morningstar erhöhte seinen fairen Wert auf 1.800 Euro.
Trotz des jüngsten Kurssprungs notiert ASML noch 9,53 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.748 Euro vom 30. Juni 2026. Der RSI steht bei 52,2 — ein neutraler Wert ohne klare Richtung. Seit Jahresbeginn hat die Aktie dennoch 71,61 Prozent zugelegt und damit den breiteren europäischen Technologiesektor deutlich abgehängt.
Die kommenden Quartale werden zeigen, ob ASML die angekündigte Kapazitätsverdopplung tatsächlich umsetzen kann. Die erste Ausbaustufe für 2027 steht bereits fest. Über die zweite Stufe für 2028 will der Konzern erst nach weiterer Prüfung entscheiden.
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