ASML: 30 Prozent mehr Kapazität 2027
ASML übertrifft Prognosen, erweitert Produktionskapazitäten deutlich und reduziert China-Abhängigkeit. Analysten sehen weiteres Kurspotenzial.

- Umsatz- und Gewinnprognose übertroffen
- Kapazitätsausbau um 30 Prozent geplant
- China-Anteil sinkt auf 16 Prozent
- Goldman Sachs und Bernstein optimistisch
Wer verstehen will, warum die Aktien der weltgrößten Chiphersteller seit Monaten von Rekord zu Rekord eilen, muss nach Veldhoven schauen. Denn dort sitzt das einzige Unternehmen, das die Maschinen baut, ohne die kein moderner Prozessor entsteht. ASML ist nicht irgendein Zulieferer der Halbleiterbranche – es ist ihr Nadelöhr. Und genau dieses Nadelöhr wird gerade enger, während die Nachfrage nach KI-Rechenleistung explodiert.
Die Aktie notiert aktuell bei 1.542,40 Euro und liegt damit 2,27 Prozent im Plus. Vom 52-Wochen-Hoch trennt sie ein Abstand von 11,76 Prozent – kein Kursfeuerwerk mehr, aber auch kein Zeichen von Schwäche. Seit Jahresanfang steht ein Plus von 67,38 Prozent zu Buche. Das ist die Kursseite der Geschichte. Die eigentliche Geschichte spielt sich im operativen Geschäft ab.
Ausgebucht bis 2027
Im zweiten Quartal erzielte ASML einen Umsatz von 9,33 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 2,92 Milliarden Euro – mehr, als die eigene Prognose vorsah. Die Bruttomarge lag bei 54,0 Prozent, ebenfalls über Guidance, getragen von hochmargigen Serviceleistungen im Bestandsgeschäft.
Für das Gesamtjahr hob das Unternehmen die Umsatzprognose Mitte Juli auf 43 bis 45 Milliarden Euro an, bei einer Bruttomarge von 54 bis 56 Prozent. Für das dritte Quartal peilt ASML einen Umsatz zwischen 11,0 und 12,0 Milliarden Euro an.
Bemerkenswerter als die Zahlen selbst ist, wie ASML auf den Nachfrageüberhang reagiert: Die Fertigungskapazität für Belichtungsanlagen soll 2027 um rund 30 Prozent gegenüber 2026 steigen – sowohl für die Low-NA-EUV-Systeme der NXE-Baureihe als auch für die Immersionslithografie-Tools der NXT-Reihe.
Für 2028 prüft das Unternehmen einen weiteren Kapazitätsschub in ähnlicher Größenordnung. Allein 2026 sollen rund 65 Low-NA-EUV-Systeme ausgeliefert werden, ein Plus von mehr als 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wer mehr Chips bauen will, muss bei ASML anstehen – und die Schlange wird länger, nicht kürzer.
Ein technologischer Meilenstein passt in dieses Bild: Intel Foundry hat mit einem Teil der Prozessorserie Core Ultra Series 3 auf dem 18A-Knoten die Serienfertigung mit der High-NA-EUV-Technologie EXE von ASML aufgenommen, mit Ausbeuten, die dem etablierten NXE-Standard entsprechen.
Eine solche Anlage kostet etwa 400 Millionen Dollar – rund doppelt so viel wie eine klassische EUV-Maschine. Dass Kunden trotzdem investieren, zeigt, wie unverzichtbar dieser nächste Technologiesprung für die Chip-Roadmaps der Kunden geworden ist.
Weniger China, mehr Risikostreuung
Ein zweiter Strang der Geschichte betrifft die geografische Abhängigkeit. Der Umsatzanteil aus China ist im ersten Halbjahr 2026 auf 16 Prozent gefallen – ein deutlicher Rückgang gegenüber den Jahren, in denen chinesische Kunden noch vor drohenden Exportbeschränkungen Kapazitäten horteten.
Für ASML bedeutet das eine breitere Abstützung des Geschäfts auf Logic- und DRAM-Kunden in anderen Regionen, was das Unternehmen widerstandsfähiger gegen geopolitische Reibungen macht, auch wenn es kurzfristig Wachstumsdynamik kosten kann.
Parallel dazu fließt Kapital an die Aktionäre zurück: Am 5. August wurde die Zwischendividende von 1,88 Euro pro Aktie ausgezahlt, und im zweiten Quartal kaufte ASML Aktien im Wert von rund 1,1 Milliarden Euro im Rahmen des laufenden Rückkaufprogramms zurück. Dieses Programm über 12,0 Milliarden Euro läuft von 2026 bis 2028 und sieht zusätzlich bis zu zwei Millionen Aktien für Mitarbeiterbeteiligungspläne vor.
Wie viel Vorsprung ist eingepreist?
Am 3. August nahm Goldman Sachs ASML in seine europäische Conviction List für August auf. Analyst Alex Duval begründete den Schritt mit wachsender Sichtbarkeit bei Kapazitätserweiterungen, getrieben von starken Auftragseingängen in Logic und DRAM, und sieht die Gewinnschätzungen für 2027 bis 2029 fünf bis 18 Prozent über dem Konsens. Er erwartet, dass die Marge von rund 41 Prozent im Geschäftsjahr 2026 bis 2029 auf etwa 50 Prozent steigt.
Am selben Tag kürte Bernstein die Aktie zum Top-Pick für das dritte Quartal 2026, bestätigte die Einstufung „Outperform“ und setzte ein Kursziel von 2.500 Euro. Bereits nach den Quartalszahlen Mitte Juli hatten mehrere Häuser ihre Kursziele kräftig angehoben, in Spannen von rund 1.570 bis über 2.150 Euro.
Die eigentliche Frage lautet nicht, ob ASML gebraucht wird – das steht angesichts der ausgebuchten Kapazitäten bis Ende 2027 kaum in Zweifel. Die Frage ist, wie viel von diesem strukturellen Vorsprung der Markt bereits in den Kurs eingepreist hat, während das Unternehmen selbst schneller wächst, als die eigenen Fabriken mithalten können.
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