ASML: 6,77-Prozent-Sprung auf 1.446,80 Euro
ASML-Aktie steigt um 6,8 Prozent, nachdem chinesische Konkurrenzpläne den Kurs gedrückt hatten. Analysten bewerten den Ausverkauf als übertrieben.

- Kurserholung um fast 7 Prozent
- China startet DUV-Lithografie-Produktion
- Analysten sehen Ausverkauf als überzogen
- Technologischer Vorsprung bei EUV betont
Nach einem heftigen Ausverkauf der vergangenen Handelstage macht ASML am heutigen Donnerstag einen deutlichen Satz nach oben. Die Aktie legt um 6,77 Prozent zu und steht bei 1.446,80 Euro, nachdem sie am Mittwoch noch bei 1.355,00 Euro geschlossen hatte. Über die vergangenen sieben Handelstage bleibt allerdings ein Minus von 8,56 Prozent stehen – die Erholung gleicht die Verluste der vorangegangenen Tage nur teilweise aus. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro, notiert Ende Juni, fehlen dem Papier weiterhin gut 17 Prozent.
China meldet Massenproduktion – Markt reagiert nervös
Auslöser der Turbulenzen war die Nachricht, dass ein staatlich gestütztes chinesisches Unternehmen mit der Massenproduktion von Immersion-DUV-Lithografiesystemen begonnen hat. Nach übereinstimmenden Berichten führt die Shanghai Aishengna Electronic Technology Group, ein 2023 gegründetes Staatsunternehmen mit einem registrierten Kapital von mehr als 70 Milliarden Yuan, die Entwicklung an. Erste Maschinen sollen noch in diesem Jahr an SMIC, Hua Hong und CXMT gehen. Die Produktionspläne sehen fünf Einheiten für 2026 und zwanzig für 2027 vor. Am 27. Juli brach die ASML-Aktie im US-Handel um 5,8 Prozent ein, am Folgetag rutschte sie um weitere rund fünf Prozent ab – zusammen wurden nach Berichten rund 44 Milliarden Dollar an Börsenwert ausradiert. Der breitere Philadelphia-Halbleiterindex verlor an jenem Tag zwischenzeitlich mehr als fünf Prozent, auch Nvidia geriet unter Druck.
Verglichen mit ASMLs eigener Dimension wirkt die chinesische Kapazität jedoch überschaubar: Der niederländische Konzern strebt für 2026 selbst rund 130 Immersion-DUV-Systeme an, für 2027 rund 169 – nach Lieferungen von etwa 131 Einheiten im Vorjahr. Der Umsatzanteil Chinas an ASMLs Systemgeschäft sank im zweiten Quartal 2026 bereits auf 14 Prozent, nach 19 Prozent im ersten Quartal, dürfte über das Gesamtjahr aber bei rund einem Fünftel des Konzernumsatzes liegen. Selbst wenn China wie geplant 20 eigene DUV-Maschinen bis 2027 produziert, würde dies den ASML-Umsatz nach Berechnungen nur um etwa 1,4 Milliarden Euro beeinflussen – rund 2,4 Prozent des Konzernumsatzes.
Analysten sehen den Ausverkauf als übertrieben
Bank of America bewertet die Verkaufswelle als Überreaktion und sieht ASML trotz der chinesischen Konkurrenz widerstandsfähig aufgestellt. Auch JPMorgan warnt davor, eine geringe Stückzahl gefertigter DUV-Anlagen mit echter Massenproduktionsfähigkeit gleichzusetzen. Bloomberg Intelligence beziffert den technologischen Rückstand Chinas bei der deutlich anspruchsvolleren EUV-Lithografie auf sieben bis zehn Jahre, ODDO BHF hält EUV für China derzeit für „außer Reichweite“ und rät zur Skepsis gegenüber den chinesischen Ankündigungen. Als Begründung wird unter anderem auf ASMLs jahrzehntelange Prozesserfahrung und sein gewachsenes Lieferanten-Ökosystem verwiesen, das chinesische Hersteller nicht kurzfristig nachbilden können.
Der Analystenkonsens für ASML lautet weiterhin „Moderate Buy“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 1.970,33 US-Dollar. Die Bewertung der Aktie mit dem 48-Fachen des Gewinns sorgt bei einigen Beobachtern dennoch für Vorsicht angesichts der aufgekommenen Wettbewerbsdiskussion.
Institutionelle Investoren bleiben gespalten
Auf Anlegerseite zeigt sich ein uneinheitliches Bild: Mehrere institutionelle Investoren haben ihre ASML-Positionen im ersten Quartal deutlich ausgebaut, darunter Fondsgesellschaften, die ihren Bestand um mehr als 60 beziehungsweise über 500 Prozent aufstockten. Andere Anleger nutzten die Gelegenheit zu Teilverkäufen und reduzierten ihre Anteile spürbar. Parallel dazu zahlt ASML seinen Aktionären eine Quartalsdividende von 2,1507 US-Dollar je Aktie; der Ex-Dividenden-Tag lag am Dienstag, die Auszahlung ist für kommenden Mittwoch, den 5. August, vorgesehen.
Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob die heutige Erholung eine nachhaltige Stabilisierung einleitet oder nur eine technische Gegenbewegung nach dem scharfen Kursrutsch darstellt. Die fundamentale Argumentation der Analysten – begrenzter kurzfristiger Umsatzeffekt, großer technologischer Vorsprung bei EUV – spricht gegen eine dauerhafte Neubewertung des Geschäftsmodells.
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