ASML Aktie: 15. Juli im Fokus

Der niederländische Lithografie-Spezialist erholt sich von geopolitischen Verlusten, während Anleger auf den Quartalsbericht Mitte Juli warten.

Die Kernpunkte:
  • Kursplus von knapp fünf Prozent
  • Geopolitische Spannungen belasten zuvor
  • Quartalszahlen am 15. Juli entscheidend
  • Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch

Fast fünf Prozent Plus an einem einzigen Tag — und trotzdem bleibt ASML unter dem Rekordhoch. Nach einer turbulenten Woche voller geopolitischer Ängste zeigt der niederländische Lithografie-Konzern am Freitag eine kräftige Erholung. Der Blick der Anleger richtet sich jetzt auf ein Datum: den 15. Juli.

Eine Woche mit Schwankungen

ASML schließt am Freitag bei 1.628,00 Euro, ein Sprung von knapp fünf Prozent gegenüber dem Vortag. Die Aktie pendelte im Tagesverlauf zwischen 1.588,40 und 1.636,40 Euro. Nur zwei Tage zuvor hatte das Papier noch 4,6 Prozent verloren, während der europäische Technologiesektor insgesamt 1,2 Prozent nachgab.

Der eigentliche Rückschlag kam bereits am 1. Juli. Damals belasteten geopolitische Spannungen und verschärfte Exportkontrollen den Kurs. Die niederländische Regierung hatte sich offiziell der US-geführten Pax-Silica-Allianz angeschlossen — ein Schritt, der schärfere multilaterale Handelsbeschränkungen wahrscheinlicher macht. Hinzu kommt: Wichtige Kunden aus der Logik- und Speicherchip-Fertigung, darunter TSMC, verschieben den Umstieg auf ASMLs neue High-NA-EUV-Anlagen. Diese Maschinen kosten zwischen 350 und 400 Millionen Euro pro Stück.

Die Erholung am Freitag hatte dagegen wenig mit ASML selbst zu tun. Sie war Teil einer breiteren Risikobereitschaft am Markt, verstärkt durch schwache US-Arbeitsmarktdaten für Juni. Sektor-Strategen sprachen von einem Tauziehen zwischen institutionellen Käufern und anhaltendem politischem Risiko.

Die Bewertungsfrage wird lauter

Der Kurs hat in den vergangenen fünf Jahren um 166,1 Prozent zugelegt. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 64,73 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar 140,83 Prozent. Diese Dynamik erhöht den Druck: Künftige Cashflows und Gewinnwachstum müssen die aktuelle Bewertung rechtfertigen.

Ein Blick auf die Kennzahlen zeigt die Spannung deutlich. ASML notiert derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 62,8 — leicht unter dem Branchenschnitt der Halbleiterindustrie von rund 65,7. Ein modellbasiertes faires KGV liegt allerdings näher bei 52,9. Anleger zahlen also eine Prämie, die über das hinausgeht, was das Gewinnprofil eigentlich hergibt. Eine breitere Bewertungsprüfung vergibt ASML nur 2 von 6 möglichen Punkten für Value-Kriterien.

Bullische Stimmen kontern mit der Nachfrageseite. Südkorea plant Halbleiterinvestitionen im Umfang mehrerer hundert Milliarden Dollar — Geld, das früher oder später auch bei ASMLs Lithografie-Anlagen ankommen könnte. Das größte Risiko bleibt dabei, ob Chiphersteller ihre Investitionspläne tatsächlich in Bestellungen umsetzen oder verschieben.

Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch

Trotz der Kursschwankungen fällt das Bild bei den Banken konstruktiv aus. Barclays bestätigt sein Kaufrating. Bank of America hebt das Kursziel an, verweist dabei auf ein starkes Auftragsbuch für das Geschäftsjahr 2027, und erhöht die Zielmarke später auf 2.345 US-Dollar von zuvor 2.268 US-Dollar. Ein weiterer Analyst hält an einem Kursziel von 1.921 Euro fest und begründet dies mit Margenpotenzial und Wachstumsaussichten.

Im Juni allein legte die Aktie um 24,3 Prozent zu — ohne dass ASML in diesem Zeitraum eigene Finanzmeldungen veröffentlichte. Der Treiber kam von der Konkurrenz: Speicherchip-Hersteller Micron übertraf am 24. Juni die Erwartungen deutlich und hob seine Investitionsausgaben für das Geschäftsjahr auf 27 Milliarden Dollar an, nach zuvor angekündigten 25 Milliarden. Samsung und SK Hynix kündigten zusammen 520 Milliarden Dollar für neue Speicherchip-Fabriken über mehrere Jahre an. Micron und praktisch alle großen Speicherchip-Produzenten setzen intensiv auf ASMLs EUV-Lithografiemaschinen — das unterstreicht die zentrale Rolle des Konzerns im KI-getriebenen Ausbau der Speicherkapazitäten.

Der Termin, der zählt

Am 15. Juli legt ASML die Zahlen zum zweiten Quartal vor. Der Bericht wird zeigen, ob neue Aufträge trotz Zoll- und Exportkontroll-Unsicherheit stabil bleiben — und ob der Konzern an seiner Umsatzprognose für 2026 von 36 bis 40 Milliarden Euro festhält.

Charttechnisch bewegt sich die Aktie derzeit 12,86 Prozent über der 50-Tage-Linie bei 1.442,48 Euro und 41,73 Prozent über der 200-Tage-Linie bei 1.148,68 Euro. Das 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro, erreicht am 30. Juni, liegt nur noch 6,86 Prozent entfernt. Ein enttäuschender Auftragseingang oder eine vorsichtige Prognose könnte die Aktie in Richtung der 200-Tage-Linie drücken. Der RSI von 54,6 signalisiert dabei noch keine Überhitzung.

Mit einem Indexgewicht von 14,69 Prozent im AEX ist ASML die zweitschwerste Position des niederländischen Leitindex. Ein schwacher Auftragseingang am 15. Juli würde damit nicht nur die Aktie selbst treffen, sondern auch auf den Gesamtmarkt ausstrahlen.

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