ASML Aktie: Entscheidungstag naht!
ASML nähert sich dem Rekordhoch vor dem Quartalsbericht am 15. Juli. Analysten sehen Potenzial, doch Exportrisiken belasten.

- Kursplus von fast fünf Prozent
- Quartalszahlen am 15. Juli
- China-Exportrisiken als Belastungsfaktor
- Analysten heben Kursziele an
Die Papiere von ASML beendeten den Freitagshandel bei 1.628 Euro. Das bedeutet ein kräftiges Tagesplus von fast fünf Prozent. Der Kurs nähert sich damit wieder seinem bisherigen Rekordhoch.
Seit Januar summieren sich die Kursgewinne auf erstaunliche 65 Prozent. Am 15. Juli legt der Maschinenbauer seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Dieser Termin testet die aktuelle Rekordbewertung.
Die entscheidende Frage
Für 2026 peilt das Management einen Umsatz von 36 bis 40 Milliarden Euro an. Ob diese Prognose hält, hängt von zwei Faktoren ab. Erstens: Übersteht das China-Geschäft die zunehmenden geopolitischen Spannungen unbeschadet? Zweitens: Wie schnell bestellen die Kunden die neuen High-NA-EUV-Maschinen?
ASML braucht diese Systeme dringend für das nächste große Wachstumskapitel. Eine Abkühlung hier könnte die hohen Erwartungen schnell dämpfen.
Das Bullen-Szenario
Die Optimisten verweisen auf die massive Nachfrage aus der Speicherchip-Industrie. Micron übertraf Ende Juni die Gewinnerwartungen deutlich. Hinzu kommen enorme Investitionsbudgets von rund 520 Milliarden US-Dollar bei Samsung und SK Hynix. Beide Konzerne bauen neue Speicherfabriken. Diese Anlagen benötigen zwingend die EUV-Lithographiesysteme von ASML.
Die Stimmung unter Analysten bleibt entsprechend positiv. Die Bank of America hat ihr Kursziel für ASML angehoben. Analyst Didier Scemama rechnet mit voll ausgelasteten Auftragsbüchern für 2027. Investoren könnten ihren Blick folglich bald auf das Gewinnpotenzial im Jahr 2028 richten. Auch Wells Fargo erhöhte jüngst die Prognose.
Technologisch besitzt ASML weiterhin ein absolutes Monopol. Nikon und Canon haben die EUV-Entwicklung vor Jahren aufgegeben. Die Folge: Preissetzungsmacht. Der Auftragsbestand von knapp 39 Milliarden Euro zum Jahresende 2025 stützt diese These. Allein im Schlussquartal verbuchte der Konzern Rekordaufträge von über 13 Milliarden Euro.
Das Bären-Szenario
Auf der anderen Seite wachsen die politischen Risiken massiv. Die niederländische Regierung beteiligt sich an der neuen Pax-Silica-Gruppe. Diese Allianz koordiniert Lieferketten für Künstliche Intelligenz. Damit passt sich Den Haag der strikten US-Linie an. Neue Exportkontrollen für ältere DUV-Maschinen nach China werden wahrscheinlicher. Der eigene Geschäftsbericht von ASML warnt bereits vor strengeren Lizenzvorgaben.
Parallel dazu droht in den USA eine rechtliche Blockade. Der sogenannte MATCH Act könnte chinesischen Firmen den Zugang zu DUV-Systemen komplett abschneiden. Diese Maschinen stehen für etwa ein Fünftel des erwarteten ASML-Jahresumsatzes. Zwar fehlt noch die finale Verabschiedung im US-Kongress. Die bloße Unsicherheit belastet den Kurs jedoch schon heute.
Auch die technologische Zukunft birgt kurzfristige Stolpersteine. Wichtige Kunden wie TSMC verschieben offenbar ihre Upgrades auf die teuren High-NA-EUV-Systeme. Sie priorisieren vorerst günstigere Verpackungstechniken für ihre Chips. Das bremst den geplanten Umsatzschub der neuesten ASML-Maschinen. Diese Dynamik löste Anfang Juli bereits einen Tagesverlust von rund sechs Prozent aus.
Der Ausblick
Der kommende Quartalsbericht am 15. Juli wird die Richtung vorgeben. Solange die Speicherhersteller investieren, bleibt die aktuelle Premium-Bewertung intakt.
Auf dem Weg nach unten bietet der 50-Tage-Durchschnitt bei 1.442 Euro eine wichtige Unterstützung. Die 100-Tage-Linie markiert bei knapp 1.322 Euro eine weitere technische Haltezone. Hier müssen die Käufer bei einem Rücksetzer eingreifen.
Sollten die USA das neue Gesetz vorantreiben, droht ein sofortiger Bewertungsabschlag. Gleiches gilt für konkrete Service-Einschränkungen in China. Die Aktie hat im vergangenen Jahr um über 140 Prozent zugelegt. Die Fallhöhe bleibt enorm. Das Management muss Mitte Juli zwingend Klarheit schaffen. Vor allem Aussagen zu Exportkontrollen werden den Aktienkurs für das zweite Halbjahr 2026 diktieren.
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