ASML Aktie: Heemskerk bestätigt Null-Umsatz in Europa
ASML erzielt laut Executive Vice President keine Verkäufe in Europa, während Asien und Nordamerika das Geschäft sowie den Aktienkurs stützen.

- Europa baut keine Halbleiterfabriken
- High-NA-EUV-Anlagen für Asien vorgesehen
- ASML-Aktie seit Jahresbeginn 65 Prozent höher
- Morgan Stanley senkt Kursziel auf 1.700 Euro
Auf den politischen Bühnen in Brüssel und Berlin ist die technologische Souveränität seit Jahren das beherrschende Leitmotiv. Milliarden werden in Strategiepapiere und Förderversprechen gekleidet, um die europäische Abhängigkeit von asiatischen und amerikanischen Chipherstellern zu mindern.
Doch wer wissen will, wie weit Anspruch und Wirklichkeit in der europäischen Halbleiterbranche tatsächlich auseinanderklaffen, muss nicht nach Brüssel schauen. Ein nüchterner Satz aus Amsterdam genügt.
Dort sprach gestern Frank Heemskerk, Executive Vice President von ASML, Klartext. Der niederländische Konzern verkaufe schlichtweg überhaupt nichts mehr in Europa, wie Bloomberg von der Veranstaltung berichtete. Der Grund dafür sei simpel: Europa investiere nicht, und es würden dort schlicht keine Halbleiterfabriken gebaut.
Wo die Zukunft tatsächlich entsteht
Diese Feststellung wiegt schwer, denn ASML ist das technologische Nadelöhr der gesamten Branche. Ohne die Lithografiesysteme aus Veldhoven kann weltweit kein einziger Spitzenchip gefertigt werden. Während der Kontinent noch über Standortbedingungen debattiert, treiben die globalen Fertigungsgiganten ihre Investitionen in Milliardenhöhe längst andernorts voran.
Taiwan Semiconductor Manufacturing und Samsung Electronics sicherten sich jüngst Zusagen für den Einsatz der neuesten High-NA-EUV-Anlagen von ASML. Samsung plant den produktiven Einsatz dieser Lithografiesysteme für 2028, TSMC wiederum ab 2030. Sie folgen damit Intel bei der Einführung der Maschinen, die jeweils rund 400 Millionen $ kosten. Vor rund zwei Wochen vertiefte Samsung zudem die Partnerschaft mit den Niederländern, um die Technologie für die Speicherchipherstellung zu nutzen.
Dass diese Maschinenparks nicht auf europäischem Boden entstehen, überrascht Branchenkenner kaum. Während asiatische Auftragsfertiger und US-Konzerne hochmoderne Megafabriken hochziehen, bleibt Europa in der Fertigung fortgeschrittener Rechenchips faktisch außen vor. Was nützt der ambitionierteste politische Förderrahmen, wenn am Ende keine Schaufel in die Erde greift?
Globale Nachfrage stützt den Kurs
Für die Aktionäre des Konzerns birgt diese regionale Schieflage eine bemerkenswerte Erkenntnis. ASML leidet operativ keineswegs unter der europäischen Investitionszurückhaltung. Das Unternehmen beliefert schlicht jene Märkte in Asien und Nordamerika, an denen die modernste Fertigung konzentriert ist.
Im Handel schloss die Aktie gestern bei 1.523,80 Euro. Das Papier verzeichnet damit seit Jahresanfang ein Plus von 65 Prozent. Selbst Anpassungen bei den Erwartungen ändern am grundlegenden Bild wenig: Die Analysten von Morgan Stanley senkten am 8. September ihr Kursziel für den Titel von 1.930 Euro auf 1.700 Euro, behielten ihre Kaufempfehlung jedoch bei.
Gleichzeitig baut der Konzern seine eigene industrielle Basis in den Niederlanden weiter aus. Am 8. September setzte ASML den ersten Spatenstich für den Bau seines zweiten großen Industriecampus auf dem Areal des Brainport Industries Campus North.
Der Blick richtet sich auf Asien
Die bittere Pointe für den europäischen Standort liegt auf der Hand. ASML entwickelt und baut die komplexesten Produktionswerkzeuge der Welt mitten in den Niederlanden. Doch die Wertschöpfung, die aus dem Einsatz dieser Technologie erwächst, findet nahezu vollständig auf anderen Kontinenten statt.
Die nächsten operativen Einblicke folgen bald. Am 14. Oktober 2026 legt ASML die kommenden Geschäftszahlen vor. Dann wird sich erneut zeigen, wie stark das Geschäft außerhalb Europas die Bilanzen prägt. Für europäische Industriepolitiker bleibt die Heemskerk-Aussage derweil ein denkbar unbequemer Weckruf.
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