ASML Aktie: Vietnam-Dämpfer?
ASML meldete starke Quartalszahlen und erhöhte die Jahresprognose; Vietnams geplantes Werk hat bislang keine Anlagen bei ASML bestellt.

- Vietnams Testproduktion 2027 wohl verspätet
- Anlagenkauf bei ASML bislang nicht vereinbart
- Drittes Quartal: 11,662 Milliarden Euro Umsatz
- Jahresumsatz 2026 auf 44 bis 45 Milliarden Euro angehoben
ASMLs hohe Nachfrage bedeutet nicht, dass jedes geplante Halbleiterwerk bereits einen Auftrag für den Konzern bringt. Reuters berichtete gestern, Vietnam werde sein Ziel für eine Testproduktion im ersten Halbleiterwerk 2027 voraussichtlich verfehlen.
Eine Vereinbarung über den Kauf von Anlagen bei ASML sei bislang nicht zustande gekommen. Für Anleger ist das eine wichtige Unterscheidung: Industrielle Ausbaupläne und vertraglich gesichertes Geschäft sind nicht dasselbe.
Vietnam relativiert nicht die gesamte Nachfrage
Die Meldung betrifft ein konkretes Projekt. Sie belegt weder eine Stornierung bei ASML noch eine allgemeine Abschwächung der Nachfrage. Ohne abgeschlossene Kaufvereinbarung lässt sich aus dem vietnamesischen Vorhaben aber auch kein gesicherter Umsatzbeitrag für das Unternehmen ableiten.
Dem steht die Einschätzung des ASML-Managements von vor rund zwei Wochen gegenüber: Die geplanten Lieferkapazitäten für 2027 und 2028 würden die Kundennachfrage nicht vollständig abdecken. Das Unternehmen prüfe deshalb einen weiteren Kapazitätsausbau für 2028.
Beide Aussagen können nebeneinander bestehen. Ein einzelnes Fabrikprojekt kann hinter seinem Zeitplan zurückbleiben, während die Nachfrage anderer Kunden die verfügbaren Kapazitäten übersteigt. Die Vietnam-Meldung ist damit zunächst ein Hinweis auf projektspezifische Risiken, nicht auf eine vom Management gemeldete Trendwende.
Ein weiteres Beispiel für unterschiedliche Projektverläufe lieferte Elon Musk vor gut einer Woche. Bloomberg zufolge erklärte er, ASML und andere Lieferanten hätten Ausrüstung für das Terafab-Projekt von Tesla und SpaceX beschleunigt geliefert. Als Ziel für die Chipproduktion in großen Stückzahlen nannte Musk das dritte oder vierte Quartal 2028.
Geschäftszahlen geben den belastbareren Maßstab
Für die Bewertung der Geschäftsentwicklung bieten ASMLs gemeldete Ergebnisse einen festeren Anhaltspunkt als einzelne Fabrikpläne. Die vor rund zwei Wochen veröffentlichten Zahlen beziehen sich auf das dritte Quartal 2026.
ASML meldete einen Umsatz von 11,662 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 4,960 Milliarden Euro. Die Bruttomarge erreichte 57,5 Prozent.
Diese Ergebnisse beschreiben bereits erzieltes Geschäft. Die Erwartungen für die folgenden Monate bleiben dagegen Prognosen und sind entsprechend von den gemeldeten Zahlen zu trennen.
Für das vierte Quartal 2026 stellte ASML einen Umsatz zwischen 14,2 Milliarden und 15,2 Milliarden Euro in Aussicht.
Zugleich hatte das Unternehmen vor rund zwei Wochen seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr angehoben. Damit setzt das Management trotz unterschiedlicher Fortschritte einzelner Kundenprojekte auf weiteres Geschäftswachstum.
Der Jahresausblick für 2026 liegt bei 44 Milliarden bis 45 Milliarden Euro. Entscheidend ist deshalb weniger, ob jedes angekündigte Halbleiterwerk seinen ursprünglichen Zeitplan einhält. Maßgeblich bleibt, ob ASML die insgesamt erwartete Nachfrage in Lieferungen und Umsätze umsetzen kann.
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