ASML Aktie: Zinswende stärkt langfristige Expansionspläne

ASML profitiert vom besseren Zinsumfeld und hoher EUV-Nachfrage, muss für geplante Kapazitäten und den Campusausbau jedoch Risiken bewältigen.

Die Kernpunkte:
  • ASML-Aktie legt 2,3 Prozent zu
  • EUV-Anlagen bis 2027 nahezu ausverkauft
  • Mehr als 110 Systeme für 2028 geprüft
  • Neuer Eindhoven-Campus schafft 20.000 Arbeitsplätze

Makroökonomischer Schub trifft auf Branchenoptimismus

Die Papiere des niederländischen Halbleiterausrüsters ASML schlossen am Freitag mit einem Plus von 2,3 % bei 1.456,80 Euro. Der Kursanstieg vollzog sich im europäischen Technologiesektor, der von einem spürbar verbesserten Zins- und Marktumfeld profitierte. Nach dem jüngsten Zinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve sorgten sinkende Ölpreise und stagnierende Anleiherenditen für Erleichterung bei wachstumsstarken Technologiewerten.

Für Investoren gewinnt dieser Rückenwind zu einem entscheidenden Zeitpunkt an Bedeutung. Nach einer monatelangen Neubewertung von Wachstumsaktien rückt die fundamentale Auftragslage wieder in den Vordergrund.

Die Entlastung auf der Zinsseite trifft auf einen Konzern, dessen Auftragsbücher durch den weltweiten Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz bereits prall gefüllt sind. Anleger stehen nun vor der Frage, wie viel operative Wachstumsfantasie auf dem aktuellen Bewertungsniveau bereits vorweggenommen ist.

Skalierung der Fertigung als Dreh- und Angelpunkt

Im Zentrum der künftigen Entwicklung steht die Frage, ob der Konzern seine hochkomplexen Produktionskapazitäten rasch genug ausbauen kann. CFO Roger Dassen stellte am Montag klar, dass die Kundennachfrage weiter angezogen hat.

Die bestehenden Lithografiesysteme für extreme Ultraviolettstrahlung (EUV) mit einem Stückpreis von 200 Millionen $ sind demnach bis 2027 nahezu ausverkauft. Gleichzeitig gehen Kunden feste Verpflichtungen für die nächste Generation ein: die High-NA-Systeme, die mit rund 400 Millionen $ pro Einheit veranschlagt werden.

Laut einer Einschätzung der US-Bank JPMorgan vom Montag prüft ASML derzeit Möglichkeiten, im Jahr 2028 mehr als 110 EUV-Systeme zu fertigen. Bislang hatte das Unternehmen erklärt, mindestens 80 dieser hochentwickelten Anlagen pro Jahr herstellen zu können.

Die Schere zwischen der gesicherten Kapazität und den erweiterten Plänen zeigt, wie massiv der Ausbau der Fertigungslinien forciert werden müsste. Genau diese Skalierungsfähigkeit entscheidet über das künftige Gewinnprofil.

Rückenwind durch Partnerschaften und Standorterweiterung

Das optimistische Szenario stützt sich auf die ungebrochene Nachfrage der führenden Chiphersteller nach modernster Fertigungstechnik. Am 8. September meldete ASML vertiefte Kooperationen mit Intel Foundry und Samsung Electronics. Ziel ist es, die industrielle Einsatzreife von High-NA EUV für künftige Halbleitergenerationen voranzutreiben.

Samsung plant, die High-NA-EUV-Technologie bis 2028 in die Massenfertigung zukunftsfähiger DRAM-Speicherchips zu integrieren. Diese festen Zeitpläne der Großkunden untermauern die Visibilität der Erlöse bis weit in die zweite Hälfte des Jahrzehnts.

Parallel dazu schafft das Unternehmen die physischen Voraussetzungen für weiteres Wachstum. Am 8. September startete ASML den Bau seines zweiten großen Industriecampus in Eindhoven.

Das Areal soll schrittweise eine Fläche von rund 350.000 Quadratmetern umfassen und Platz für bis zu 20.000 Arbeitsplätze bieten. Gelingt es, diese Erweiterung im Zeitplan zu halten, kann der Konzern den prognostizierten Bedarf für fortschrittliche Chiparchitekturen ab 2028 vollständig bedienen.

Risiken durch Kosten und Umsetzungsdruck

Ein tragfähiges Negativszenario ergibt sich aus den operativen und investiven Herausforderungen. Der Bau eines neuen Großcampus und die Skalierung der komplexen 400-Millionen-$-Anlagen binden enorme Finanzmittel und Managementressourcen.

Verzögerungen bei der Fertigstellung oder technische Hürden bei der Einführung der High-NA-Systeme könnten die Renditen kurzfristig belasten. Halbleiterausrüster unterliegen historisch einer hohen Zyklik, die auch bei anhaltendem KI-Trend nicht vollständig verschwindet.

Zudem tragen die Chiphersteller ihrerseits erhebliche Investitionsrisiken. Sollten die Endmärkte für fortschrittliche Chips hinter den Erwartungen zurückbleiben, könnten Kunden geplante Abnahmen zeitlich strecken.

Eine Verschiebung der für 2028 geplanten DRAM-Einführung bei Großkunden wie Samsung würde die Auslastung der neuen Produktionslinien dämpfen. In einem solchen Umfeld stünde die hohe Bewertung von Technologieaktien rasch wieder unter Korrekturdruck.

Operative Meilensteine bestimmen den weiteren Pfad

Solange die Großkunden an ihren Zeitplänen für die High-NA-Integration festhalten und die bestehende EUV-Generation bis 2027 voll ausgelastet bleibt, behält die Aufwärtsbewegung ihr fundamentales Fundament.

Die makroökonomische Entlastung durch sinkende Zinsen verringert den Druck auf die Bewertungsmultiplikatoren. Für Investoren bietet dieses Umfeld eine solide Basis, sofern die Nachfrage nach fortschrittlicher Fertigungstechnologie ungebrochen bleibt.

Kippt hingegen der Investitionswille der Halbleiterhersteller oder treten Verzögerungen beim Ausbau in Eindhoven auf, droht eine spürbare Neubewertung der Wachstumsziele für 2028. Als nächster Prüfstein gilt der Fortschritt bei den laufenden Kooperationen mit Samsung und Intel.

Deren Berichte über die Integrationsfortschritte der High-NA-Systeme dürften den Ausschlag darüber geben, ob die anvisierte Kapazitätserweiterung auf über 110 Einheiten gerechtfertigt bleibt.

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