ASML: Bernstein hebt Ziel auf 2.623 Dollar

Trotz Wochenminus sammelt ASML bullische Analystenkommentare. Kursziele steigen, doch hohe Bewertung und geopolitische Risiken mahnen zur Vorsicht.

Die Kernpunkte:
  • Analysten erhöhen Kursziele deutlich
  • KI-Boom treibt Investitionen in Chipausrüstung
  • Hohe Bewertung birgt Risiken
  • Quartalszahlen am 15. Juli erwartet

ASML-Aktien schlossen die Woche bei 1.574,20 Euro. Ein Minus von 0,51 Prozent am Freitag, 3,30 Prozent Verlust auf Wochensicht. Dabei sammelte der niederländische Chipausrüster in den Tagen zuvor eine ganze Serie bullischer Analystenkommentare ein.

Die Woche verlief turbulent, aber die Gründe lagen kaum im Unternehmen selbst. Samsungs vorläufige Quartalszahlen enttäuschten die hohen Erwartungen der Chip- und KI-Branche. Das löste einen breiten Ausverkauf bei asiatischen und europäischen Halbleiterwerten aus, ASML eingeschlossen.

Die Erholung kam prompt. Am 9. Juli sprang die Aktie um rund 4,21 Prozent nach oben. Grund waren Ankündigungen großer globaler Speicherchip-Hersteller, die ihre Investitionsbudgets bis 2027 in Billionenhöhe für ASML-Systeme reservieren. Führende Foundries setzen weiter aggressiv auf den Ausbau von High-Bandwidth-Memory und fortschrittlicher Logik-Fertigung, um den globalen KI-Boom zu bedienen.

Analysten heben die Messlatte immer weiter an

Kursziel-Erhöhungen prägten zuletzt den Handel mit ASML-Papieren. Bernstein-Analyst David Dai hob sein Kursziel von 1.971 auf 2.623 US-Dollar an und bestätigte sein Outperform-Rating. Bernstein korrigiere seine Umsatzprognosen für ASML deutlich nach oben, so Dai. Der Grund: eine beispiellose KI-getriebene Expansion sowohl bei fortschrittlicher Logik als auch bei DRAM-Kapazitäten.

Wenige Tage später zog Morgan-Stanley-Analyst Lee Simpson nach. Er erhöhte sein Kursziel von 1.660 auf 1.830 Euro und beließ das Overweight-Rating unverändert. Auch die Deutsche Bank bestätigte zuletzt ihre Kaufempfehlung. Insgesamt kommt die Aktie derzeit auf einen Strong-Buy-Konsens, basierend auf acht Kaufempfehlungen der vergangenen drei Monate.

Die Bewertung mahnt zur Vorsicht

Nicht jeder Marktbeobachter sieht die Rally ohne Weiteres fortgesetzt. Einige Stimmen verweisen auf die im historischen Vergleich hohe Bewertung der Aktie. Das lässt wenig Sicherheitspuffer und macht das Papier anfällig für makroökonomische Verschiebungen – gerade vor der anstehenden Quartalsbilanz.

Geopolitische Risiken bleiben ebenfalls ein Thema. Mögliche neue Exportkontrollen und Einschränkungen bei der Wartung bestehender DUV-Lithografiesysteme in China drohen einen Markt zu treffen, der historisch rund ein Fünftel von ASMLs Systemumsatz ausmacht.

Hinzu kommt eine gewisse Zurückhaltung bei Kunden. Führende Foundries, darunter TSMC, sollen ihre Zeitpläne für die neuen High-NA-EUV-Systeme nach hinten verschoben haben. Statt teurer Werkzeug-Upgrades bevorzugen große Kunden derzeit günstigere Advanced-Packaging-Alternativen. Das könnte das Tempo bremsen, mit dem ASML seinen Auftragsbestand in tatsächlichen Umsatz verwandelt.

Der Chart bleibt trotz Rücksetzer intakt

Der übergeordnete Aufwärtstrend zeigt sich von der Wochenschwäche unbeeindruckt. Die Aktie notiert rund 6,5 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1.477,77 Euro und knapp 35 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 1.166,58 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 59,28 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 128,94 Prozent.

Das 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro stammt vom 30. Juni – aktuell fehlen dazu knapp zehn Prozent. Das Tief von 593,60 Euro liegt dagegen im August 2025 und zeigt, wie stark sich die Stimmung seither gedreht hat. Der 14-Tage-RSI von 51,1 signalisiert weder Über- noch Unterkauf, während eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 64 Prozent auf anhaltend starke Kursschwankungen hindeutet.

Der Blick richtet sich auf den 15. Juli

Am 15. Juli veröffentlicht ASML seine Zahlen zum zweiten Quartal. Der Konzern hatte seine Umsatzprognose für 2026 bereits früher im Jahr angehoben. Nun geht es um Details: den Auftragsbestand, die EUV-Lieferkapazität und die Nachfrageentwicklung aus China. Erst diese Zahlen zeigen, ob der jüngste Optimismus der Analysten fundamental gerechtfertigt ist.

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