ASML: Deutsche Bank hebt Ziel auf 2.150 Euro

ASML überzeugt mit starken Quartalszahlen und angehobener Prognose, doch der Aktienkurs fällt. Analysten sehen dennoch Potenzial und erhöhen die Kursziele.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz und Gewinn steigen deutlich
  • Jahresprognose nach oben korrigiert
  • Kurs fällt trotz positiver Analystenstimmen
  • China-Risiko belastet die Aktie

ASML liefert Zahlen, die Analysten euphorisch stimmen. Der Aktienkurs tut das Gegenteil. Am Donnerstag fällt die Aktie um 1,43 Prozent auf 1.556,00 Euro und setzt damit eine Talfahrt fort, die schon seit Tagen läuft.

Deutsche Bank sieht Marge über 60 Prozent

Deutsche Bank hebt ihr Kursziel für ASML von 1.800 auf 2.150 Euro an und bestätigt die Kaufempfehlung. Begründung: Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 markieren aus Sicht der Analysten einen Wendepunkt.

Die Bank rechnet für die zweite Jahreshälfte 2026 mit einer Bruttomarge von 56 Prozent. Zum Vergleich: In den vergangenen zwölf Monaten lag der Wert bei 52,6 Prozent. Deutsche Bank sieht für ASML sogar eine Perspektive auf eine Marge jenseits der 60-Prozent-Marke.

Die Anhebung reiht sich in eine ganze Welle von Kurszielerhöhungen ein. Bereits Tage zuvor hatte RBC Capital sein Kursziel nach oben korrigiert, mehrere weitere Häuser bekräftigten ihre Kaufempfehlungen nach den Zahlen.

Starkes Quartal, Kurs reagiert kaum

Am 15. Juli veröffentlichte ASML seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 und hob gleichzeitig die Jahresprognose an. Der Konzern erwartet nun einen Gesamtumsatz zwischen 43 und 45 Milliarden Euro für 2026, bei einer Bruttomarge zwischen 54 und 56 Prozent.

Im zweiten Quartal selbst erzielte ASML einen Umsatz von 9,3 Milliarden Euro. Die Bruttomarge lag bei 54,0 Prozent, der Nettogewinn bei 2,9 Milliarden Euro. CEO Christophe Fouquet sprach von „extrem starken“ Auftragseingängen im ersten Halbjahr — seine Kunden würden ihre Kapazitätspläne beschleunigt vorantreiben.

Trotz der guten Zahlen und der angehobenen Prognose hielt die anfängliche Kursrally nicht lange. Die Aktie sprang bei Handelsbeginn um über 7 Prozent nach oben, gab die Gewinne im Tagesverlauf ab und schloss den Handelstag am Ende 0,49 Prozent im Minus. Diese Kluft zwischen starken Fundamentaldaten und schwachem Kurs zieht sich bis in den Donnerstag hinein.

Chipsektor unter Druck

ASML steht mit diesem Muster nicht allein da. Speicherchip- und KI-nahe Aktien fielen bereits am Mittwoch, nachdem sie sich am Tag zuvor noch erholt hatten. Marktbeobachter werten dies als Gewinnmitnahmen bei den teuersten KI-Profiteuren.

Trotz robuster Nachfrage stellen sich Investoren zunehmend die Frage, ob die enormen KI-getriebenen Investitionen der Chipbranche auf Dauer tragbar sind. Hinzu kommt für ASML ein politisches Risiko: verschärfte Exportkontrollen für seine fortschrittlichen Chipfertigungsanlagen.

Chinesische Kunden sollen 2026 rund 20 Prozent des ASML-Umsatzes ausmachen — ein geringerer Anteil als in früheren Jahren. Der absolute China-Umsatz steigt trotzdem, weil der Gesamtumsatz wächst. US-geführte Exportbeschränkungen verbieten ASML bereits den Verkauf von EUV-Anlagen und den modernsten DUV-Maschinen nach China. Weitere geplante Restriktionen könnten den Verkauf von DUV-Geräten an chinesische Chiphersteller zusätzlich einschränken.

Bewertung nach der Rally im Blick

Der Kurs bleibt seit Jahresanfang um 57,44 Prozent im Plus, über zwölf Monate sogar um 140,05 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.748,00 Euro, erreicht am 30. Juni 2026, liegt die Aktie derzeit knapp 11 Prozent entfernt. Diese Zahlen zeigen: Die kurzfristige Schwäche ändert nichts an der Kraft der Rally im laufenden Jahr.

Timm Schulze-Melander, Leiter Tech Hardware & Semiconductor Research bei Rothschild & Co Redburn, sieht in den starken Zahlen und der mehrjährigen Visibilität von ASML eine Bestätigung für einen belastbaren, KI-getriebenen Chipzyklus.

Ob diese Zuversicht den Kurs bald wieder antreibt oder der Markt die überdurchschnittliche Rally des Jahres 2026 erst weiter verdauen muss, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Die nächsten Handelstage dürften zeigen, ob die Analystenwelle den Kurs noch erreicht — oder ob der Markt vorerst auf Konsolidierung setzt.

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