ASML: Erste Group erhöht Gewinnprognosen

Die Erste Group erhöht ASMLs EPS-Schätzungen für 2026 und 2027. Das Kursziel bleibt bei 1.970,33 US-Dollar, trotz Bewertungsrisiken.

Die Kernpunkte:
  • Erste Group hebt ASMLs EPS-Prognosen
  • 2026-Schätzung über dem Marktkonsens
  • Kursziel bleibt bei 1.970,33 US-Dollar
  • Bewertungsmodelle liefern unterschiedliche Signale

Die Erste Group Bank sieht für den niederländischen Lithografie-Spezialisten ASML weiteres Potenzial und hat ihre Gewinnerwartungen für die kommenden Jahre nach oben korrigiert. Während der breite Chipsektor unter dem Eindruck einer restriktiven US-Geldpolitik und globaler Handelsspannungen leidet, stützen positive Analysteneinschätzungen und ambitionierte Langfristziele den Kurs des Halbleiter-Schwergewichts.

Erste Group Bank erhöht die Gewinnprognosen

In einer aktuellen Analyse haben die Experten der Erste Group Bank ihre Schätzungen für den Gewinn je Aktie (EPS) von ASML angepasst. Für das Geschäftsjahr 2026 erwarten die Analysten nun ein EPS von 45,71 US-Dollar, nachdem zuvor 45,23 US-Dollar prognostiziert worden waren. Damit liegt die neue Schätzung über dem Marktkonsens von 44,99 US-Dollar.

Für das darauffolgende Jahr 2027 stellt die Bank sogar ein EPS von 62,89 US-Dollar in Aussicht. Die Einstufung wird mit „Moderate Buy“ beibehalten, wobei das durchschnittliche Kursziel bei 1.970,33 US-Dollar liegt.

Die Anhebung folgt auf die bereits im vergangenen Quartal gemeldeten Ergebnisse. Im zweiten Quartal 2026 erzielte ASML einen Gewinn je Aktie von 8,65 US-Dollar bei einem Umsatz von 10,62 Milliarden US-Dollar.

Diese Zahlen unterstreichen die robuste Marktstellung des Konzerns, der als Weltmarktführer für Lithografiesysteme eine Schlüsselrolle in der globalen Chipproduktion einnimmt. Derzeit notiert das Papier bei 1.480,60 Euro und konnte seit Jahresbeginn bereits ein Plus von 61 % verbuchen.

Gegenwind für den globalen Chipsektor

Das positive Analystenvotum erfolgt in einem schwierigen Marktumfeld für Technologieaktien. Äußerungen von US-Notenbankvertretern am vergangenen Wochenende, die auf weitere Zinserhöhungen hindeuteten, setzten insbesondere den Chipsektor unter Druck.

So fielen die Notierungen asiatischer Halbleiterwerte zu Beginn der Woche deutlich. Marktbeobachter verwiesen zudem auf gestiegene Renditen für Staatsanleihen in Japan und Deutschland sowie auf einen Ölpreis der Sorte Brent von über 90 US-Dollar, was die Sorgen vor einer anhaltenden Inflation befeuert.

Auch innerhalb der Branche zeigen sich Risse: Während ASML seine Prognosen festigt, meldeten andere Unternehmen der Lieferkette wie Marvell zuletzt Kursverluste von über zehn Prozent, obwohl die Umsatzprognosen für Datencenter-Chips angehoben wurden. Zudem belasten die Bestrebungen des US-Finanzministeriums die Stimmung, im Rahmen der G20-Gespräche zusätzliche Handelsbarrieren gegenüber China zu fordern, um globale Ungleichgewichte zu reduzieren.

Divergenz bei der langfristigen Bewertung

Mit Blick auf die kommenden Jahre bleiben die Erwartungen an ASML hoch. Analysen von Simply Wall St prognostizieren bis zum Jahr 2029 einen Anstieg des Umsatzes auf 60,9 Milliarden Euro und einen Gewinn von 22,2 Milliarden Euro. Dies entspräche einer jährlichen Wachstumsrate von 21,8 %.

Auf Basis dieser Projektionen wird ein fairer Wert der Aktie von 1.838 Euro errechnet. Damit verbleibt dem Papier trotz der starken Kursentwicklung ein rechnerischer Puffer zum aktuellen Niveau, das weiterhin rund 15 % unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro liegt.

Andere Bewertungsmodelle mahnen hingegen zur Vorsicht. So weisen Berechnungen auf Basis des Discounted Cashflow (DCF) darauf hin, dass der aktuelle Kurs deutlich über dem inneren Wert liegen könnte, sofern man konservativere Annahmen für die künftigen freien Cashflows zugrunde legt.

Für Anleger bleibt die Frage zentral, ob die Technologieführerschaft bei der KI-getriebenen Lithografie die aktuellen Bewertungsaufschläge in einem Umfeld steigender Zinsen rechtfertigt.

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