ASML: Fouquet warnt vor Überregulierung
ASML-Chef Fouquet unterstützt EU-Chip-Pläne, warnt aber vor Überregulierung und Bürokratie. Der Konzern treibt parallel milliardenschwere Aktienrückkäufe voran.

- Unterstützung für EU-Souveränitätspaket
- Warnung vor staatlicher Projektsteuerung
- Milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm läuft
- Ambitionierte Umsatzprognose für 2026
ASML-Chef Christophe Fouquet bezieht öffentlich Stellung zur neuen Tech-Strategie der EU-Kommission. Er begrüßt den Vorstoß – und zieht gleichzeitig eine klare rote Linie.
Der niederländische Chipausrüster ist mit einer Marktkapitalisierung von rund 500 Milliarden Euro kein Nebenakteur in der europäischen Technologiepolitik. ASML stellt die weltweit einzigen Maschinen für extrem ultraviolette Lithografie (EUV) her, ohne die keine modernsten KI-Chips produziert werden können. Die Aktie notiert bei 1.429,40 Euro und hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.
Fouquet warnt vor Überregulierung
Die EU-Kommission hatte am 3. Juni 2026 ein umfassendes Technologie-Souveränitätspaket vorgelegt. Es umfasst einen Chips Act 2.0, ein Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz (CADA) sowie eine Open-Source-Strategie. Ziel: Die Abhängigkeit der EU von ausländischen Digitalprodukten – derzeit über 80 Prozent – drastisch reduzieren.
Fouquet reagierte auf LinkedIn auf die Veröffentlichung und unterstützte die Grundrichtung des Pakets. Er begrüßte die Ernennung von Jim Hagemann Snabe zum Sondergesandten und den nachfrageorientierten Ansatz.
Dann wurde der ASML-Chef deutlich. Er warnte davor, dass die EU-Kommission strategische Projekte für staatliche Beihilfen selbst steuern oder überwachen wolle. Solche Projekte müssten „grundlegend auf die Bedürfnisse der Industrie reagieren“, schrieb Fouquet. Die Initiative solle besser den Unternehmen überlassen bleiben.
„Wir müssen das Risiko von Überkomplizierung und Bürokratie vermeiden und uns auf die Expertise des Privatsektors verlassen“, so Fouquet.
EU-Strategie übergeht ASML-Stärke
Bemerkenswert: Das Strategiepapier der Kommission erwähnt die größte europäische Stärke in der Halbleiter-Lieferkette mit keinem Wort – ASMLs Quasi-Monopol bei Lithografiesystemen. Dabei sind die Maschinen aus Veldhoven essenziell für TSMC, den weltweit führenden Chip-Auftragsfertiger.
Fouquets Intervention hat deshalb Gewicht. Er spricht für ein Unternehmen, ohne das die gesamte globale Chip-Architektur nicht funktioniert.
Kapitalrückflüsse parallel zur Politik
Während die Debatte in Brüssel läuft, setzt ASML sein Kapitalrückkaufprogramm fort. Im Januar 2026 startete das Unternehmen ein Programm über bis zu 12 Milliarden Euro für die Jahre 2026 bis 2028. Allein im ersten Quartal kaufte ASML Aktien im Wert von rund 1,1 Milliarden Euro zurück.
Die Dividende für 2025 soll bei 7,50 Euro je Aktie liegen – ein Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Ausblick für 2026 bleibt ambitioniert: ASML erwartet einen Gesamtumsatz zwischen 36 und 40 Milliarden Euro bei einer Bruttomarge von 51 bis 53 Prozent.
Analysten bewerten die Aktie mehrheitlich positiv und verweisen auf die dominierende Position bei Lithografiesystemen, die starke EUV-Nachfrage und die Sichtbarkeit der Aufträge bis 2028, getrieben durch den KI-Boom.
Der Kurs liegt rund 6,6 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.529,80 Euro, aber mehr als 140 Prozent über dem Tief von 593,60 Euro. Ein Performance-Pfad, der Fouquets Stimme in Brüssel Nachdruck verleiht.
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