ASML: Jahresprognose auf 43 bis 45 Milliarden Euro
ASML belohnt Mitarbeiter für Betriebstreue mit hohem Bonus und hebt Umsatzprognose für 2026 deutlich an.

- 20.000 Euro Bonus für Mitarbeiter
- Umsatzprognose auf 45 Milliarden erhöht
- EUV-Kapazität soll um 30 Prozent steigen
- High-NA-Maschine stößt auf Zurückhaltung
ASML hat am 20. Juli 2026 bestätigt, seinen Mitarbeitern einen Bonus von 20.000 Euro anzubieten, wenn diese dem Unternehmen zwischen 2027 und 2030 treu bleiben. Die genauen Bedingungen des Programms werden nach Angaben von Reuters noch finalisiert. Der niederländische Lithografie-Spezialist beschäftigt weltweit rund 44.500 Menschen, mehr als die Hälfte davon in den Niederlanden, weitere 8.500 in den USA. Der Bonus soll offenbar verhindern, dass Schlüsselkräfte in einer Phase extremer Nachfrage abwandern – die Lithografie-Werkzeuge des Konzerns sind laut Reuters bereits bis 2027 ausverkauft.
Starkes Quartal treibt die Prognose nach oben
Hintergrund der Personalmaßnahme ist ein Geschäftsverlauf, der die eigenen Erwartungen deutlich übertrifft. Im zweiten Quartal 2026 erzielte ASML einen Nettogewinn von 2,92 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 9,326 Milliarden Euro, ein Plus von 21,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Bruttomarge lag bei 54 Prozent. Für das dritte Quartal stellt das Unternehmen einen Umsatz zwischen 11 und 12 Milliarden Euro sowie eine Bruttomarge von 55 bis 57 Prozent in Aussicht.
Auf Basis dieser Dynamik hat ASML seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 von zuvor 36 bis 40 Milliarden Euro auf nun 43 bis 45 Milliarden Euro angehoben. Um die Nachfrage bedienen zu können, will der Konzern seine EUV-Fertigungskapazität um 30 Prozent ausbauen: Die Zahl der ausgelieferten Systeme soll von 65 im laufenden Jahr auf 78 bis 80 im Jahr 2027 steigen. Der Auftragseingang bleibt laut Unternehmensangaben außergewöhnlich hoch.
Analysten diskutieren die Billionen-Marke
Die Kombination aus angehobener Prognose und Kapazitätsausbau hat eine Debatte über die künftige Bewertung von ASML befeuert. Reuters berichtet, das Unternehmen nähere sich einer Marktkapitalisierung von rund 700 Milliarden US-Dollar und könnte damit auf dem Weg sein, das erste europäische Unternehmen mit einer Bewertung von einer Billion US-Dollar zu werden. Die Analysehäuser Barclays, Susquehanna und Bernstein haben laut Reuters Zwölf-Monats-Kursziele von über 2.600 US-Dollar je Aktie ausgegeben, was einem Aufwärtspotenzial von rund 49 Prozent entspräche und rechnerisch zu jener Billionen-Bewertung führen würde.
Als zentrales Argument gilt die Monopolstellung von ASML bei der EUV-Lithografie, jener Technologie, die für die Fertigung modernster Chips unverzichtbar ist. Reuters nennt jedoch auch Risiken: eine mögliche Abkühlung der Investitionen großer Cloud-Anbieter, Lieferkettenprobleme sowie geopolitische Unsicherheit durch den sogenannten MATCH Act, der Chinas Anteil an den ASML-Umsätzen begrenzen könnte. China soll 2026 rund 20 Prozent der Erlöse ausmachen.
Skepsis bei der teuersten Maschine
Nicht ungetrübt ist dagegen die Aufnahme der jüngsten Technologiegeneration. Laut einem Bericht des Handelsblatts äußerte sich TSMC-Manager Kevin Zhang zurückhaltend zur neuen High-NA-EUV-Maschine von ASML und bezeichnete sie als sehr teuer. TSMC werde das Gerät demnach vorerst nicht einsetzen. Im ersten Halbjahr 2026 verkaufte ASML dem Bericht zufolge lediglich drei High-NA-Systeme – ein Hinweis darauf, dass selbst Großkunden bei der komplexesten und kostspieligsten Maschine des Unternehmens noch zögern.
Kursreaktion bleibt verhalten
An der Börse hat sich die Aktie zuletzt seitwärts bewegt. Der Kurs notiert bei 1.528,00 Euro und liegt damit rund 12,6 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro, das Ende Juni erreicht wurde. Zum gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 1.508,91 Euro besteht dagegen nur ein geringer Abstand von 1,27 Prozent, was auf eine gewisse Stabilisierung nach dem jüngsten Rücksetzer hindeutet. Die Kombination aus Rekordzahlen, angehobener Prognose und der parallel diskutierten Billionen-Fantasie zeigt, wie stark Anleger die künftige Nachfrage nach Chip-Fertigungstechnologie bereits einpreisen – während die Zurückhaltung bei der High-NA-Maschine daran erinnert, dass nicht jede neue Technologiegeneration von Kunden sofort angenommen wird.
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