ASML: Lutnick befragt Manager zu China-Vorwürfen
ASML setzt den Aktienrückkauf fort, bestätigt seine Quartalsprognose und plant mehr EUV-Kapazität, während China-Vorwürfe ungeklärt bleiben.

- Tägliche Rückkäufe im Wert von 77 bis 79 Millionen Euro
- China-Vorwürfe bleiben offiziell unbestätigt
- Quartalsumsatz erreicht 9,3 Milliarden Euro
- EUV-Ausbau für 2027 geplant
ASML hat in der zweiten Augusthälfte täglich Aktien im Wert von 77 bis 79 Millionen Euro zurückgekauft. Zwischen dem 17. und 21. August erwarb der niederländische Lithografiespezialist zwischen 48.280 und 51.815 Aktien pro Tag, zu Kursen zwischen 1.506,98 und 1.618,13 Euro je Papier.
Das Programm läuft im Rahmen des Ende Januar angekündigten Rückkaufprogramms über zwölf Milliarden Euro für die Jahre 2026 bis 2028 und soll das Vertrauen des Managements in die eigene Bewertung unterstreichen.
Parallel dazu rückt ein politisch heikles Thema wieder in den Fokus: US-Handelsminister Howard Lutnick hat nach Medienberichten seit April führende ASML-Manager in nichtöffentlichen Gesprächen befragt.
Hintergrund ist der Verdacht, ein EUV-System des Unternehmens könnte entgegen bestehender Exportbeschränkungen nach China gelangt sein. ASML weist die Vorwürfe zurück und spricht von unbegründeten Gerüchten. Eine offizielle Bestätigung oder ein Ermittlungsverfahren liegt bislang nicht vor.
Rückkäufe als Signal in unruhigem Marktumfeld
Der aktuelle Kurs von 1.464,20 Euro liegt rund 16 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro, das ASML Ende Juni erreicht hatte. Die fortlaufenden Rückkäufe zu Kursen deutlich über dem heutigen Niveau lassen sich als Hinweis darauf lesen, dass das Management die jüngste Korrektur für übertrieben hält – eine Einschätzung, die sich mit der Argumentation mehrerer Analysten deckt, die zuletzt eine unangemessene Bewertungsdiskrepanz beim Aktienkurs beklagten.
Die China-Frage bleibt dabei ein Unsicherheitsfaktor, der die Aktie belastet, auch wenn die operative Entwicklung des Unternehmens robust bleibt. ASML hatte vor über einem Monat die Umsatzprognose für das laufende Jahr angehoben, seither hat die Aktie rund 7,2 Prozent verloren – ein Beleg dafür, wie stark geopolitische Risiken derzeit das fundamentale Bild überlagern.
Auch die Nachricht, dass China vor rund einem Monat eigene Fortschritte bei DUV-Lithografiesystemen vermeldet hatte, hat die Investorenstimmung nicht nachhaltig verbessert, obwohl die Aktie seither leicht zulegte.
Geschäftszahlen liefern Rückenwind
Operativ steht ASML weiterhin solide da. Im zweiten Quartal erzielte das Unternehmen einen Nettoumsatz von 9,3 Milliarden Euro bei einer Bruttomarge von 54,0 Prozent, der Nettogewinn belief sich auf 2,9 Milliarden Euro.
Für das dritte Quartal bestätigte ASML seine Prognose von 11,0 bis 12,0 Milliarden Euro Umsatz bei einer Marge zwischen 55 und 57 Prozent. Zudem zahlte das Unternehmen im August eine Zwischendividende von 1,88 Euro je Aktie aus.
Strategisch treibt ASML den Ausbau seiner EUV-Kapazitäten voran: Für 2027 plant der Konzern eine rund 30-prozentige Steigerung der Low-NA-EUV-Kapazität gegenüber dem laufenden Jahr, eine weitere Erhöhung für 2028 wird geprüft. Zudem hat Intel Foundry die Serienfertigung der Core-Ultra-Prozessoren der Reihe „Panther Lake“ mit High-NA-EUV-Systemen von ASML aufgenommen – ein wichtiger Referenzkunde für die neueste Gerätegeneration.
Die aktuelle Volatilität der Aktie von 40 Prozent auf 30-Tage-Basis spiegelt die Gemengelage aus starken operativen Zahlen, laufenden Rückkäufen und ungeklärten regulatorischen Fragen wider.
Anleger dürften die nächsten Wochen genau beobachten, ob sich die Gespräche zwischen ASML und den US-Behörden zu einem formellen Verfahren verdichten oder im Sande verlaufen. Die nächsten konkreten Antworten zur Geschäftsentwicklung liefert ASML voraussichtlich am 14. Oktober mit den Zahlen zum dritten Quartal.
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