ASML: MATCH Act bedroht China-Geschäft

ASML sieht sich mit US-Exportbeschränkungen und neuer Konkurrenz konfrontiert, trotzdem stützen starke Quartalszahlen und Aktienrückkäufe den Kurs.

Die Kernpunkte:
  • US-Verbot könnte DUV-Wartung stoppen
  • Quartalsumsatz erreicht 9,3 Milliarden Euro
  • TSMC verzichtet vorerst auf High-NA-EUV
  • Aktienrückkauf von 390,7 Millionen Euro

Diese Woche ist ASML wieder zum Spielball der Geopolitik geworden. Zwischen Mittwoch und Freitag gaben die Aktien nach, nachdem Berichte die Runde machten, wonach die USA die Niederlande zu einem weitreichenden Verkaufsverbot für ASML-Anlagen nach China drängen.

Der sogenannte MATCH Act würde die Exportbeschränkungen auf ältere DUV-Lithografiemaschinen ausweiten und ASML-Technikern sogar die Wartung bereits installierter Anlagen in chinesischen Fabriken untersagen. Für mich ist das der eigentliche Aufhänger des Tages – nicht die Kursbewegung selbst, sondern die Frage, wie ernst dieser regulatorische Vorstoß zu nehmen ist.

Politischer Druck trifft auf ein robustes Fundament

Meine Einschätzung: Der MATCH Act ist ernstzunehmen, aber kein Grund zur Panik. ASML hat in der Vergangenheit wiederholt gezeigt, dass sich Exportbeschränkungen in Umsatzzahlen kaum niederschlagen, solange die Nachfrage aus Taiwan, Südkorea und den USA intakt bleibt.

Und genau die ist es: Im zweiten Quartal meldete das Unternehmen Nettoumsätze von 9,3 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro, das Management hob die Jahresprognose gleich kräftig an – auf 43 bis 45 Milliarden Euro Umsatz, deutlich über der vorherigen Spanne von 36 bis 40 Milliarden Euro.

Diese Zahlen liegen zwar schon rund einen Monat zurück, seither hat der Kurs rund 4,7 Prozent verloren – doch operativ bleibt der Ausblick eine starke Basis, auf der die Aktie fußt.

Parallel dazu bleibt die Kapitalrückführung ein Stabilitätsanker. ASML hat zwischen dem 3. und 7. August im Rahmen seines laufenden Rückkaufprogramms 266.460 Aktien zurückgekauft, zu gewichteten Durchschnittspreisen zwischen 1.412,90 und 1.506,07 Euro, macht rund 390,7 Millionen Euro. Wer daran zweifelt, dass das Management an die eigene Bewertung glaubt, sollte diese Zahl im Kopf behalten.

Neue Konkurrenz: Ernst nehmen, aber nicht überschätzen

Was mich stärker beschäftigt als der politische Druck, ist die aufkommende Konkurrenz im Lithografiegeschäft. Die von Leopold Aschenbrenner geführte Situational-Awareness-Fonds hat zusätzliche 400 Millionen Dollar in das Startup Source Foundry investiert, damit summiert sich die Gesamtfinanzierung auf 500 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 5 Milliarden Dollar. Das in Stanford gegründete Unternehmen, unterstützt auch von Sequoia Capital, will Alternativen zu EUV- und fortgeschrittener DUV-Technologie entwickeln.

Für mich ist das ein Warnsignal für die nächsten fünf bis zehn Jahre, aber keine unmittelbare Bedrohung – die technologische Vorsprungsmarge von ASML ist enorm, und Lithografie-Equipment auf diesem Niveau lässt sich nicht in wenigen Jahren nachbauen.

Konkreter ist da schon die Nachricht, dass TSMC ASMLs neue High-NA-EUV-Maschinen bis 2029 nicht einsetzen oder kaufen will – aus Kostengründen setzt der Chiphersteller stattdessen auf eigene A13- und N2U-Technologien. Das ist ein handfester Dämpfer für die Wachstumsstory rund um High-NA, auch wenn er die laufende DUV- und Standard-EUV-Nachfrage nicht berührt.

Institutionelle Bewegungen: Gemischtes Bild

Bei den institutionellen Investoren zeichnet sich kein klares Muster ab. Deutsche Bank AG hat seine Position im zweiten Quartal um 44,0 Prozent reduziert, während Caitong International Asset Management seinen Anteil im selben Zeitraum um 611,1 Prozent ausgebaut hat. Solche gegenläufigen Bewegungen sind für mich eher Rauschen als Signal – sie sagen mehr über individuelle Portfoliostrategien als über die fundamentale Verfassung von ASML aus.

Erwähnenswert bleibt, dass Wall Street Zen die Aktie Mitte August von „Buy“ auf „Hold“ herabgestuft hat – ein Einzelvotum, das ich nicht überbewerten würde, zumal der Analystenkonsens seinen Zwölf-Monats-Kursziel-Durchschnitt zuvor auf 1.838 Euro angehoben hatte, deutlich über dem aktuellen Kursniveau von 1.505,00 Euro.

Mein Fazit

Unterm Strich überwiegen für mich die strukturellen Stärken die politischen und wettbewerblichen Risiken. Der MATCH Act ist ein Belastungsfaktor, der die China-Umsätze schmälern könnte, doch er trifft ein Unternehmen mit angehobener Guidance, aktivem Rückkauf und technologischem Burggraben.

Die Kursschwäche der vergangenen Woche lese ich eher als Nervosität denn als fundamentale Neubewertung. Die eigentliche Bewährungsprobe kommt ohnehin erst am 14. Oktober, wenn ASML seine Zahlen für das dritte Quartal vorlegt – bis dahin bleibt der MATCH Act das Thema, das die Schlagzeilen bestimmt, ohne die Substanz der Aktie zu erschüttern.

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